Handys für Kinder: Darum darf mein Sohn ein Smartphone haben - DER SPIEGEL
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Kinder und Handys Darum darf mein Sohn ein Smartphone haben

"Der ist doch noch viel zu jung dafür!" Solche Sätze hört unser Autor Andreas Albert immer wieder. Er sieht das anders. Hier erklärt er, warum sein Sohn im Alter von neun Jahren ein Handy bekam.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Heutzutage beschäftigt alle Eltern irgendwann dieselbe Frage: Bekommt das Kind ein Handy - und wenn ja, in welchem Alter? Vor allem beim Wechsel von der Grund- auf eine weiterführende Schule treffen viele Mütter und Väter eine Entscheidung.

Mal, weil das Kind quengelt, weil alle anderen schon ein Handy haben. Mal, weil die Mit-Eltern in der neuen Klasse sämtliche Kommunikation über WhatsApp-Gruppen abwickeln wollen. Manche Eltern wollen auch nur kontrollieren können, wo sich Sohn oder Tochter aufhält. Es gibt viele Gründe für ein Smartphone, aber auch genauso viele dagegen.

Eins ist klar: Früher oder später wird wohl jedes Kind oder jeder Jugendliche ein Mobiltelefon haben, zur Not heimlich. Daher ist die Frage mittlerweile eher, in welchem Alter jemand sein erstes Gerät bekommen sollte. Um es vorweg zu nehmen: Diese Frage hängt von vielen Faktoren ab.

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Handys für Kinder: Das sollten Sie beachten

Foto: SPIEGEL ONLINE

Ich habe entschieden, dass mein Sohn mit neun Jahren alt genug für ein Smartphone ist. Der Hauptgrund war der lange Schulweg: Bleibt die U-Bahn stecken oder will mein Sohn sich nach der Schule noch verabreden, genügt ein Anruf und ich weiß Bescheid. In der Anfangsphase habe ich auch noch angerufen, ob er in der Schule angekommen ist, das hat sich aber schnell gelegt. In der Schule ist die Handynutzung sowieso verboten. Die Ortungsfunktion habe ich übrigens nur benutzt, wenn er das Handy mal irgendwo vergessen hatte.

Ein weiterer Faktor ist die Reife des Kindes. Mit der Technik der Geräte kommen schon Fünfjährige klar. Wenn allerdings absehbar ist, dass sich der Nachwuchs nur mit dem Handy beschäftigt, um damit Spiele zu spielen, ist es vielleicht noch etwas früh für ein Smartphone. Dann reicht vielleicht ein einfaches Tastentelefon.

Auch an dieser Frage entzünden sich Debatten. Muss es überhaupt gleich ein Smartphone sein? Für simple Zeitabsprachen selbstverständlich nicht. Will der Nachwuchs aber hin und wieder spielen, seinen Standort feststellen oder die schnellste Verbindung nach Hause heraussuchen, geht es nicht ohne Smartphone. Mit dem kann er auch mal etwas im Netz recherchieren.

Was ich allerdings als Erstes gemacht habe: Die Kindersicherung eingestellt. Mit ihr kann gemäß dem Alter des Kindes festgelegt werden, welche Inhalte angezeigt werden und auf welche Dienste es zugreifen kann. So habe ich die Werbung und In-App-Käufe gesperrt. Apps werden nur für das entsprechende Alter angezeigt.

Auswertung der Handy-Nutzung per Mail

Bei iPhones ist das über die Einstellungen möglich, Microsoft bietet seine "Meine Familie"-Funktion ab Windows Phone 8 an. Bei den meisten Android-Handys müssen Eltern entsprechende Apps selber herunterladen. Anbieter wie Samsung haben bei manchen Modellen aber inzwischen eigene Kindersicherung-Apps installiert.

Ich habe bewusst ein Microsoft-Handy angeschafft. Ein iPhone war mir zu teuer - sogar Erwachsene lassen manchmal ihr Telefon fallen - und bei Android-Geräten ist mir das Auf-Stand-Halten zu aufwendig. Zum einen werden die Androiden bei Sicherheitslücken erst relativ spät gepatched, zum anderen gibt es unzählige Möglichkeiten der Personalisierung, die ich einem Kind nicht ohne Weiteres zutraue.

Ein weiterer Vorteil eines Microsoft-Geräts: Es gibt zwar die wichtigsten Apps wie Navigationsdienste oder Fahrplanauskünfte für das Betriebssystem, viele Spiele wie "Pokémon Go" erscheinen aber gar nicht oder erst viel später für die Plattform. Damit kann ich Diskussionen über eine Anschaffung im Keim ersticken.

Vor dem Download von Apps bespreche ich mit meinem Sohn, welche er installieren darf. Dabei gibt es zwar manchmal Meinungsverschiedenheiten, aber schließlich akzeptiert er meine Entscheidung - was bleibt ihm übrig?

Über Microsofts "Meine Familie"-Funktion bekomme ich wöchentlich eine Übersicht über die Nutzung des Handys per E-Mail. Dabei wird aufgelistet, wie lange mein Sohn das Gerät genutzt hat, die letzten Suchvorgänge, die meistbesuchten Websites und wie viel Zeit er in welche Apps und Spiele investiert hat. Mein Sohn weiß das, und ich bin jedes Mal erleichtert, dass er sich an meine Vorgaben hält. Mehr muss und will ich nicht kontrollieren - seine SMS sind für mich tabu, genau wie seine Skype-Chats.

Viele Funktionen lassen sich offline nutzen

Die mobile Datennutzung habe ich aus Kostengründen abgeschaltet. Straßenkarten können auch für die Offline-Nutzung auf das Gerät geladen werden, viele Spiele funktionieren auch im Offline-Modus. Und zu Hause haben wir sowieso WLAN.

Ohne mobile Internetfunktion können unterwegs auch keine Dienste genutzt werden, die Eltern die meisten Kopfschmerzen bereiten. Neben dem Aufruf von nicht jugendfreien Inhalten zählt für mich dazu auch die Nutzung von sozialen Netzwerken und Messenger-Diensten.

Für WhatsApp gilt übrigens: Die Nutzung ist für Jugendliche unter 16 Jahren laut Geschäftsbedingungen verboten. Facebook darf erst ab 13 Jahren genutzt werden. Diese Apps kommen für unseren inzwischen Elfjährigen daher nicht infrage. Wegen der vielen Daten, die das Unternehmen sammelt, werde ich meinem Sohn auch später empfehlen, diese und ähnliche Dienste nicht zu nutzen.

Entscheidend bei der Smartphone-Nutzung ist aus meiner Sicht vor allem, wie viel Vertrauen Eltern in ihr Kind haben. Sie sollten mit ihm über Mediennutzung reden und gemeinsam Richtlinien festlegen, sowohl was die Dauer der Handynutzung angeht als auch die Inhalte. Apps sollten gemeinsam ausgesucht werden, und die Installation sollten bis zu einem gewissen Alter nur die Eltern vornehmen können.

Überhaupt sollten Eltern so lange wie möglich die Technikhoheit behalten. Nutzen Eltern nur einfache Tastatur-Handys und kennen sich mit Smartphones nicht aus, sollten sie ihren Kindern auch nur ein solches Gerät besorgen - denn es ist wichtig zu wissen, was der Nachwuchs mit dem Gerät machen kann. Vielleicht ist der drängende Wunsch des Kindes nach einem Smartphone daher auch der richtige Moment, sich selbst einmal eins zu besorgen.

Ab einem bestimmten Alter wird es allerdings kompliziert. Irgendwann muss mein Sohn auch digital auf eigenen Beinen stehen, vermutlich kennt er sich dann mit vielen Apps und Funktionen sowieso schon besser aus. Die Frage ist, wann ich loslasse. Aber vor dieser Entscheidung stehe ich hoffentlich erst in ein paar Jahren. Wahrscheinlich früher, als mir lieb ist.