Benchmark-Tool "3DMark" Huawei schummelt bei Test-App für Smartphones
Huawei-Smartphones auf der Ifa
Foto: SPIEGEL ONLINEDer Fall erinnert an den Diesel-Skandal: Der chinesische Smartphone-Hersteller Huawei hat offenbar einige seiner Smartphones so manipuliert, dass sie auf dem Prüfstand besonders gut abschneiden. Bei der beliebten Test-Software 3DMark haben einige Smartphones nach Angaben der Benchmark-Entwickler damit weit höhere Werte erreicht als gerechtfertigt gewesen wäre.
In einer Mitteilung bestätigten die 3DMark-Betreiber Underwriters Laboratories (UL) am Donnerstag, dass Manipulationen bei vier Huawei-Smartphones aufgefallen seien: Der Konzern hat die Geräte mit den Bezeichnungen P20 Pro, Nova 3 und Honor Play daraufhin mit null Punkten bewertet. Die drei Geräte seien bei eigenen Tests entlarvt worden. Außerdem habe man das P20 nach Recherchen des Computermagazins "Anandtech " ans untere Ende der Ergebnisliste verschoben.
Das Dreikamera-Smartphone: Huawei P20 Pro im Test
Der Bericht sei auch der Auslöser dafür gewesen, den auffällig guten Werten der Huawei-Geräte auf den Grund zu gehen. Um die Tricksereien zu entlarven, habe UL die Smartphones in den eigenen Labors mit einer App getestet, die nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist und einen anderen Namen trägt als die offizielle App. Verglichen mit den Werten, die bei der öffentlichen 3DMark-Software angezeigt werden, schrumpften die Werte um bis zu 47 Prozent:
Das Nova 3 etwa holte beim Test mit der offiziellen App eine Punktzahl von 2917. Bei der internen App des 3DMark-Teams erreichte das Smartphone lediglich einen Wert von 1534 Punkten. "Diese Geräte scheinen einen versteckten Performance-Modus zu benutzen, der das übliche Leistungsprofil überschreibt", heißt es in der UL-Mitteilung. "Die Unterschiede bei den Werten sagen uns, dass die Geräte einfach die 3DMark-App am Namen erkennen."
Auf eine SPIEGEL-Anfrage hat Huawei am Freitagmorgen nicht reagiert. Der Konzern gibt jedoch gegenüber dem 3DMark-Team zu, dass es diesen Performance-Modus gibt. Der Konzern plane, das Feature den Nutzern künftig "zugänglich zu machen, damit sie, wenn sie es brauchen, die maximale Power aus ihren Geräten rausholen können".
Da sich dieser optionale Modus derzeit aber just beim Hardware-Test mit der 3DMark-App einschaltet, verletzt das Tool die Regeln der App-Entwickler. Smartphones müssen den 3DMark-Test genau mit der Leistung absolvieren, die standardmäßig auch bei jeder anderen Anwendung zur Verfügung steht, heißt es bei UL.