Mobile Telepräsenz: Ein iPad-Roboter als Double
Digitaler Stellvertreter Ein Roboter macht dem iPad Beine
Mein erster Gedanke, als ich das Werbevideo sehe: "Das meinen die nicht ernst, niemals." Aber sie meinen es ernst. Das amerikanische Start-up Double Robotics hat einen Roboter auf iPad-Basis entwickelt, ein rollendes Digital-Alter-Ego, das vielbeschäftigten Menschen helfen soll, an mehr Orten gleichzeitig anwesend zu sein, als sie es physikalisch könnten - und das zu einem unerwartet günstigen Preis.
Double heißt der Roboter, den die Gründer der Firma, David Cann und Marc DeVidts, in gut einem Jahr Entwicklungszeit konstruiert haben. Er erinnert an einen Segway, den selbststabilisierenden Einmann-Elektroroller. Nur, dass ihm das Fahrerpodest fehlt. Stattdessen endet seine Lenkstange in einer robusten iPad-Halterung.
Das dürfte auch einer der Tricks sein, mit denen die Firmengründer die Entwicklungskosten niedrig und die Entwicklungszeit kurz gehalten haben. Schließlich werkeln sie gerade mal seit einem Jahr an ihrem Jedermann-Roboter, wollen noch vor Weihnachten die ersten Exemplare ausliefern.
Ein Roboter, zwei iPads
Und die basieren eben auf iPads. Eins davon steckt in der erwähnten Halterung auf der Lenkstange, steuert die Motoren, dient als Webcam und nimmt Steuerbefehle des Anwenders entgegen. Der wiederum kann gemütlich zu Hause sitzen und vom Sofa aus mit einem zweiten iPad den Roboter steuern, eine App soll es möglich machen. Alternativ kann man sich an den Schreitisch hocken und den iPad-Roboter vom Computer aus über einen Webbrowser lenken.
Der Steuerrechner sollte dafür nur über einen Webcam verfügen, denn über die tritt man mit Menschen in Kontakt, die dem Double-Roboter über den Weg laufen. Wie man sich das vorstellen soll, zeigt ein Werbevideo. Leitende Angestellte sollen mit dem Double vom Büro aus die Produktion in einer Fabrik kontrollieren, Ärzte aus der Ferne Patientengespräche führen und Pärchen weit entfernte Kunstausstellungen bei einem gemütlichen Glas Wein besuchen.
Diese Anwendungen will der Hersteller aber nur als Anregung verstanden wissen. Denn so richtig sicher scheint man sich bei Double Robotics noch nicht zu sein, wozu sich der rollenden iPad-Ständer überhaupt nutzen lässt. Da wundert es nicht, dass jeder potentielle Käufer gefragt wird: "Was wollen Sie denn damit machen?"
Es dürfte etliche Möglichkeiten geben. Weil der Double nur 7,5 Kilogramm wiegt, lässt er sich leicht transportieren, seine zwei breiten Rollen erlauben es ihm, sich auch in engen Räumen zu bewegen. Abzuwarten bleibt, wie weit entfernt von Echtzeit die Steuerung ist, wenn man den Double via Internet und Videokonferenz steuert.
Der Hersteller verspricht, man können den Roboter ganz einfach per Fingerstrich auf dem Display des steuernden iPads navigieren. Wenn aber diese Steuerdaten erst über Tausende Kilometer via Internet transportiert und dann auch Rückmeldung von der Webcam des Robo-iPads gewartet werden muss, könnten deutlich spürbare Verzögerungen auftreten.
Wer sich von solchen Bedenken nicht aufhalten lassen mag, kann den Double jetzt für 2000 Dollar online vorbestellen. Auf Nummer sicher zu gehen und lieber erste Erfahrungsberichte abzuwarten, wird teurer: Sobald die reguläre Produktion der iPad-Roboter in Miami beginnt, soll der Preis auf 2500 Dollar angehoben werden - zuzüglich der zum Betrieb nötigen iPads.