Überwachung in China Massive iPhone-Spionage angeblich gegen Uiguren
Überwachung einer Minderheit mit großem Aufwand: Kamera in Kashgar, Xinjiang
Foto: Thomas Peter/ REUTERSDie mindestens seit zwei Jahren andauernde Kampagne, bei der über gehackte Websites eine Spionagesoftware auf den iPhones der Besucher installiert wurde, war angeblich gegen die uigurische Minderheit in China gerichtet. Das berichten "TechCrunch" und "Forbes" unter Berufung auf "Personen, die mit der Materie vertraut sind". Verantwortlich für die Überwachungskampagne ist demnach "wahrscheinlich" die chinesische Regierung.
Google hatte in der vergangenen Woche eine Analyse der Kampagne veröffentlicht. Das Unternehmen hatte fünf nicht näher genannte Websites entdeckt, über die möglicherweise "Tausende iPhones pro Woche" mit einer mächtigen Überwachungssoftware infiziert wurden, sobald die Geräte nur eine der Seiten aufriefen. Die Software blieb zwar nur bis zum nächsten Neustart auf einem betroffenen Gerät, war so lange aber unter anderem in der Lage, Chats aus diversen Messenger-Apps auszulesen, Dateien wie Bilder und E-Mails an den Server der Angreifer zu senden sowie Passwörter abzugreifen.
Grundlage dafür waren fünf verschiedene Ketten von sogenannten Exploits - Schadsoftware also, die Sicherheitslücken ausnutzt. Mehrere davon waren zu ihrem Einsatzzeitpunkt öffentlich unbekannt. Eine Gegenwehr war deshalb nicht möglich, selbst wenn ein iPhone die jeweils aktuelle Version des Apple-Betriebssystems iOS installiert hatte.
Auch Android- und Windows-Nutzer wurden ins Visier genommen
Wer hinter den Angriffen steckt und wer die wahrscheinlichen Opfer waren, hatte Google nicht mitgeteilt. In der Analyse von Google war die Adresse des Angreiferservers unkenntlich gemacht, aber eine Liste der betroffenen Messenger-Apps beinhaltet viele in China populäre Dienste. Außerdem schrieb der Autor des Berichts: "Um zum Ziel zu werden, könnte es schon reichen, einfach in einer bestimmten Region geboren oder Teil einer bestimmten ethnischen Gruppe zu sein." Infiziert wurde allerdings jedes iPhone, egal, von wo es auf die verseuchten Websites zugriff.
Laut "Forbes" wurden aber nicht nur iPhone-, sondern auch Android- und Windows-Nutzer infiziert - über dieselben Websites. Das hätten mehrere Quellen bestätigt. Google hatte diese Angriffe nicht erwähnt und offenbar auch nicht entdeckt.
Chinas Regierung lässt die Uiguren in der Provinz Xinjiang mit großem technischen Aufwand kontrollieren. Peking betrachtet sie als Hindernis beim Aufbau einer "harmonischen Gesellschaft".