iRex2009: Aufmarsch der Blechkameraden - DER SPIEGEL
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iREX2009: Leistungsshow der Roboter

Foto: YOSHIKAZU TSUNO/ AFP

iRex2009 Aufmarsch der Blechkameraden

Auf der iRex2009-Messe in Tokio zeigen die Top-Roboterentwickler der Welt, was sie können und zu bieten haben. Wie sich das gehört im technophilen Lande Nippon changiert das zwischen Genie und Wahnwitz. Wir zeigen die Highlights.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Andere Länder, andere Sitten - worauf passte das Sprichwort besser als auf Japan und seine Nachbarn? Die Hightech-Nationen Asiens haben einen spielerischen Zugang zu technischen Themen, einen im Vergleich zur hiesigen Mentalität unfassbaren Fortschrittsoptimismus und einen Mut zu experimentellen Entwicklungen, der seinesgleichen sucht. Wäre es denkbar, dass es ein Unternehmen in Hessen oder Niedersachen angehen würde, über vier Jahre Geld und Ressourcen in die Entwicklung eines Roboters zu stecken, der keine andere Aufgabe hat, als Tischtennis zu spielen?

Genau das soll aber Topio alias TOSY Ping Pong Playing Robot leisten: Die Inkarnation des Konzeptes, die auf der diesjährigen iRex2009 Robotermesse in Tokio zu bestaunen ist, ist schon die dritte Generation des Roboters. Der vietnamesische Entwickler hat tatsächlich den Ehrgeiz, einen Roboter hinzustellen, der es mit professionellen Spielern aufnehmen könnte - ein Ziel, dem er nur ganz, ganz langsam näher kommt. Immerhin hat der neueste Topio das Potential, den Gegner per Einschüchterung und Schreckstarre in die Niederlage zu zwingen - der Blechkamerad ist 1,88 groß, wiegt 120 Kilogramm und sieht aus, als sei er einem Terminatorfilm entstiegen (siehe Bildergalerie).

Unsereins vermutet da gleich wieder Hintersinn: Ein autonom agierender Roboter mit hochentwickelter Sensorik, großer Bewegungsfreiheit und besten Reaktionen? Klingt wie ein Konzept für den automatisierten Krieger - aber die Firma TOSY stellt zumindest bisher tatsächlich nichts anderes her als Spielzeug. Trotzdem: Auch die niedlichen Fußball-Roboter beim Robocup werden nicht wirklich primär weiterentwickelt, um 2050 einmal eine menschliche Nationalmannschaft zu schlagen. Es geht um die Vervollkommnung autonom agierender Systeme.

Technik hat Nebenwirkungen

Vor diesem Hintergrund muss man zahlreiche der in Tokio vorgestellten Entwicklungen betrachten. Vieles, was da nur wie Spielzeug wirkt, wird in kommenden Jahren in industriellen Arbeitsrobotern Anwendung finden, in autonom agierenden Rettungsrobotern und - natürlich - auch in militärisch genutzten Maschinen.

Das relativiert manches, was im ersten Augenblick nur niedlich wirkt. Aber jede Technik hat Missbrauchspotentiale und Nebenwirkungen. Wenn die perfekt gesteuerte Shadow Dextrous Hand uns erspart, mit gefährlichen Stoffen in Berührung zu kommen oder uns der Arbeitsroboter Nextage von schweren oder monotonen Arbeiten befreit, ist das zunächst gut. Die nächste Generation mag uns dagegen generell von der Arbeit befreien: Das Ziel und der größte Effekt der Robotik ist seit mehr als einem halben Jahrhundert die Rationalisierung. Sie hat die Arbeitswelt bereits nachhaltig verändert und wird das weiter tun.

Die iRex-Messe zeigt aber auch jedes Jahr, dass das Thema viele freundliche Seiten hat. Medizinische Hilfsroboter, Haushaltshilfen bis hin zum - zugegebenermaßen überspezialisierten - automatischen Koch gehören auch in diesem Jahr zu den Höhepunkten der Messe. In der Bildergalerie haben wir bemerkenswerte Highlights zusammengestellt.

pat

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