Samsung Pixon12: Das Megapixel-Monster
Kamerahandy Das 12-Megapixel Handy-Monster
Zwölf Megapixel in einer Handykamera? Erste Reaktion: Das braucht kein Mensch, außer vielleicht Marketing-Strategen, die sich darüber freuen, wie gut sich diese Angabe auf ihren Werbeplakaten macht. Schließlich hat sich längst die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine hohe Megapixel-Angabe nicht mit hoher Qualität gleichzusetzen ist. Je mehr lichtempfindliche Sensoren auf der Fläche eines Fotochips zusammengepresst werden, desto kleiner müssen diese Sensoren sein, desto weniger Licht kann jeder einzelne von ihnen einfangen. Das Resultat: Kleine Fotochips mit hohen Auflösungen neigen zu hässlichem Bildrauschen.
Dass davon auch die Pixon12 nicht verschont bleibt, zeigen schon die ersten Schnappschüsse, die ich mit der eingebauten Kamera an einem warmen Spätsommerabend mache. Vor allem bei dunklen Motiven, etwa einem Segelboot, das im Schatten großer Bäume vorbeizieht, ist eine leichte Körnigkeit des Bildes erkennbar, aber nicht störend. Bei genauer Betrachtung meiner Fotos in einer 1:1-Vergrößerung am Computerbildschirm (siehe Fotostrecke oben) wird dann aber schnell klar, dass auch bei voller Sonneneinstrahlung noch deutliches Rauschen in den Bildern sichtbar ist.
Der störende Effekt verschwindet jedoch, sobald man aber ein wenig aus dem Bild herauszoomt. Auf Ausdrucken ist davon nichts mehr zu sehen, außer man druckt wiederum stark vergrößerte Bilder aus. Neben den Rauscheffekten zeigt die hohe Auflösung aber tatsächlich auch eine positive Wirkung: Der Fotochip liefert so scharf gezeichnete Details, wie man sie in einer Handykamera bisher nicht gesehen hat - und wie sie sogar manche Kompaktkamera nicht hinbekommt.
Integrierte Zielverfolgungsautomatik
Daran dürfte auch das vergleichsweise aufwendige Autofokus-Objektiv der Handykamera seinen Anteil haben. Das ist zum einen durch einen Verschluss gegen Staub und Schmutz geschützt, zum anderen als Weitwinkel ausgelegt. Deshalb eignet es sich vor allem für Landschaftsaufnahmen prima. Die von Samsung beworbene Zoomfunktion sollte mal allerdings lieber ignorieren. Sie arbeitet rein digital, ist mit einem echten Zoom-Objektiv, wie man es von Kompaktkameras kennt, nicht zu vergleichen.
Bei der Bedienung des Kameramoduls unterscheidet sich die Pixon12 dagegen kaum von Samsungs Digitalkameras, mit einigen netten Details und Extras. Dazu gehört beispielsweise, dass man den Fokus per Fingerzeig auf dem Display auf ein bestimmtes Motiv fixieren kann. Sehr schick: Bewegt sich das Motiv, wandert der Fokus mit. Zielverfolgung würde man das in einem Computerspiel nennen.
Volle Speicherkraft voraus
Und auch die kleinen Spielereien, die das Knipser-Leben aufhellen, sind mit an Bord. Eine Panorama-Funktion etwa, die hilft Panoramabilder aufzunehmen. Außerdem eine Lächelautomatik, die auslöst, sobald die anvisierte Person lächelt. Und ein Beautyshot-Programm, das helfen soll, porträtierte Personen besser aussehen zu lassen. Während dies allerdings Funktionen sind, die man auch bei Digitalkameras finden kann, kann man seine Fotos mit Hilfe des eingebauten GPS-Moduls mit Positionsdaten versehen, also geotaggen lassen.
Ein Kompromiss, den man bei all der Auflösung und den vielen Funktionen eingehen muss zeigt sich allerdings beim Speicherplatzbedarf der Schnappschüsse. In voller Auflösung, also bei 4000 x 3000 Bildpunkten, belegt jedes Foto rund 3,5 MB im Speicher. Eine große Speicherkarte sollte man beim Kauf also besser einplanen. Samsung liefert eine 2 GB fassende microSD-Karte mit. Das ist schon mal nicht schlecht, reicht für Fotos aus.
Will man das Handy aber auch noch als Musik- und Videoplayer benutzen, werden diese 2 GB schnell eng. Zum einen weil sich das Samsung wegen der brauchbaren mitgelieferten Kopfhörer durchaus als MP3-Player-Ersatz anbietet, Musik via Bluetooth über entsprechend ausgerüstete Autoradios, Kopfhörer oder Hifi-Anlagen wiedergeben kann. Zum anderen, weil es DivX-Filme abspielen kann, was auf dem brillanten AMOLED-Display des Handys durchaus Spaß macht.
Viele Kompromisse
Apropos Handy: Telefonieren kann man mit dem Pixon12 auch. Und weil es sowohl per UMTS, HSDPA und auch W-Lan online gehen kann, taugt es auch recht gut für E-Mail und Internet. Sogar ein Exchange-Client ist eingebaut, soll offenbar Firmenkunden locken. Aber wer braucht im Job schon ein Handy mit dem man 12-Megapixel-Fotos schießen kann?
Oder, um darauf zurück zu kommen: Wer braucht so ein Handy überhaupt? Denn insgesamt hinterlässt das Pixon12 doch den Eindruck, um den hochauflösenden Fotochip herum konstruiert worden zu sein. Bei einer Kamera wäre das in Ordnung, doch bei einem Handy müssen hier zu viele Kompromisse eingegangen werden. Der wichtigste ist dabei das Objektiv, dem eine echte Zoom-Optik fehlt.
Bitte kein Megapixel-Wettrüsten
Zudem ist das Pixon12 mit einem Straßenpreis von mehr als 500 Euro (ohne Vertrag) nicht gerade ein Schnäppchen. Qualitativ gleichwertige Digitalkameras bekommt man deutlich günstiger. Denen fehlen dann aber Funktionen wie Geotagging oder die Möglichkeit, Schnappschüsse sofort ins Web zu laden. Die Entscheidung für oder wider ein solches Kamera-Handys fällt also nicht leicht.
Bleibt zu hoffen, dass der Megapixel-Wahn der Handy-Hersteller mit der Pixon12 sein Ende hat. Samsung hat hier durchaus einen Beweis dafür geliefert, dass man so etwas bauen kann, und dass es dann auch noch funktioniert. Eine durchaus vergleichbare, für Unterwegs-Fotos allemal ausreichende Qualität könnte man auch mit einer deutlich geringeren Megapixel-Zahl erreichen. Bei den Kameraherstellern manifestiert sich diese Einsicht mittlerweile sogar in konkreten Produkten. So wie der Lumix GH1, die aus weniger Megapixeln als ihr Vorgängermodell mehr Bildqualität herauskitzelt.