Kazam Thunder Q4.5 im Test - DER SPIEGEL
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Quadcore für 189 Euro: Das Kazam Thunder Q4.5 im Test

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Kazam Thunder Q4.5 im Test Dieses Handy ist Mittel-Klasse

Das britische Unternehmen Kazam bietet ein Android-Smartphone für weniger als 200 Euro an: das Thunder Q4.5. Abstriche muss man bei dem Preis allerdings in Kauf nehmen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das erst 2013 gegründete britische Unternehmen Kazam wagt sich auf den hart umkämpften Markt der Lowcost-Smartphones. Technologisch ausgereift sollen die sein, geradlinig, pragmatisch und - natürlich günstig. Schon für 189 Euro bekommt man das aktuelle Top-Modell der Briten, das Thunder Q4.5.

Auf den ersten Blick macht das Gerät einen hochwertigen Eindruck, was vor allem am matten Rückendeckel liegt, der sich beim Anfassen angenehm weich anfühlt. In Kombination mit dem umlaufenden grausilbernen Rahmen wirkt das Anthrazit der Rückseite durchaus edel. Leider wird dieser Eindruck getrübt durch den etwas ruppigen Übergang vom Display-Deckglas zum Rahmen.

Der Bildschirm selbst hat - die Modellbezeichnung verrät es - eine Diagonale von 4,5 Zoll, sodass das Handy gut einhändig bedienbar ist. Die Position von Einschaltknopf und Lautstärkewippe passt prima. Trotz der vergleichsweise geringen Auflösung von 854 x 480 Bildpunkten sind Lesbarkeit und Schärfe in Ordnung. Die Farben könnten allerdings etwas kräftiger sein. Ebenso würde man sich mehr Helligkeit und Kontrast wünschen, wenn man das Gerät im Freien bei Sonnenschein benutzt. Seitlich betrachtet machen kräftige Spiegelungen dem Display zu schaffen.

Im Speicher wird es eng

Überhaupt keine Probleme hat dagegen der Quadcore-Prozessor, der das Gerät antreibt. Er tickt nur mit mäßigen 1,3 GHz und erreicht damit im Geekbench-3-Leistungstest lediglich 1183 Punkte, das ist nur halb so viel wie Sonys Xperia Z2 oder Apples iPhone 5s schaffen. Mühe, mit irgendwelchen Apps umzugehen, hatte er trotzdem nicht. Selbst Spiele wie "Riptide GP2", mit ihren hohen Anforderungen an die Grafik, liefen rund.

Weniger Begeisterung kommt auf, wenn man Musik oder gar Filme auf dem Gerät ablegen will, denn dafür ist schlicht kein Platz. Schon laut Datenblatt ist der eingebaute Speicher mit vier Gigabyte nicht üppig bemessen. Weil darin aber auch reichlich Android-Grundlagen Platz finden müssen, bleiben dem Anwender davon nur knapp zwei Gigabyte übrig. Das reicht nur, wenn man kaum Apps benutzt und auch nicht viel mit der Kamera knipst und filmt. Ansonsten muss man eine Speicherkarte anschaffen, die laut Hersteller aber nicht mehr als 32 Gigabyte groß sein darf.

Ungewöhnliches Sim-Karten-Doppel

Die beiden Kameras des Thunder Q4.5 liefern gute Durchschnittskost. Zum Anwender richtet sich eine Zwei-Megapixel-Kamera, die für schnelle Selfies oder Videochats ausreicht. Die Acht-Megapixel-Kamera im Rücken produziert im Normalmodus etwas blass wirkende Bilder, die bei seitlichem Lichteinfall zum Überstrahlen neigen. Schaltet man die HDR-Funktion zu, gewinnen die Aufnahmen klar an Kontrasten. Dafür braucht man allerdings eine ruhige Hand, weil die Aufnahme der dafür benötigten Einzelaufnahmen ungewöhnliche lange dauert.

Keine ruhige Hand braucht man dagegen, um die Sim-Karten einzusetzen, denn das Kazam verlangt nach den großen alten Standard-Sims, die heute kaum noch verwendet werden. Dafür bietet es als Dual-Sim-Handy Platz für zwei solcher Karten. Anwendungen gibt es dafür zuhauf. Etwa die Trennung zwischen privater und beruflicher Telefonnummer, zwischen Telefonie- und Datenkarte oder zwischen heimischer Sim-Karte und einer zweiten für die Auslandsreise.

Die Verwaltung der Karten ist simpel und erlaubt beispielsweise einzustellen, dass eine Karte nur für den Datenverkehr zuständig ist, während die andere alles andere abwickelt.

Bildschirmtausch mit Garantie

Als ungewöhnliches Extra bietet Kazam zu seinen Smartphones zwei Dienstleistungen an, die in dieser Preisklasse ihresgleichen suchen. Zum einen installiert der Hersteller auf den Geräten eine Fernwartungs-App namens "Rescue". Über die können Supportmitarbeiter mit Erlaubnis des Besitzers dessen Handy via Internet steuern und so manches Problem vielleicht ohne Werkstattbesuch lösen.

Einmalig dürfte zudem das Versprechen sein, dass Kazam einen kaputten Bildschirm innerhalb des ersten Jahres nach Kauf kostenlos austauscht. Das gilt zwar nur einmal, dürfte bei manchen Anwendern aber durchaus stressmindernd wirken.

Fazit

Mit dem Thunder Q4.5 hat Kazam ein ordentliches Mittelklasse-Smartphone vorgelegt. Die Leistung ist gut, die Serviceangebote ungewöhnlich und die Dual-Sim-Fähigkeit ein interessantes Extra, das nicht jeder braucht. Im Grunde hat das britische Unternehmen damit schon wichtige Hürden genommen. Jetzt müsste man das Gerät nur noch kaufen können. Zum Testzeitpunkt Ende Juni jedenfalls war es in Deutschland kaum zu bekommen. Wer nicht warten will, findet in Nokias Lumia 630 und dem Motorola Moto E interessante Alternativen.