Light Phone: Simples Mobiltelefon als Smartphone-Alternative - DER SPIEGEL
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Projekt Light Phone Dieses Handy hat nur eine einzige Funktion

Kompakt, optisch unspektakulär, kann kaum etwas - das Light Phone ist das Gegenteil von einem Smartphone. Doch wohl gerade deshalb haben seine Macher per Crowdfunding schon mehr als hunderttausend Dollar gesammelt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es gibt sie noch, die Handys, die wirklich nur zum Telefonieren und als Uhr taugen: Das Light Phone ist etwa so groß wie eine Kreditkarte und soll unglaubliche 20 Tage Akkulaufzeit bieten, dazu hat es einen Speicher für gerade mal zehn Kontakte. Das auffallend schlichte Gerät sei dafür gedacht, so wenig wie möglich benutzt zu werden, schreiben die Erfinder Joe Hollier und Kaiwei Tang  auf ihrer Webseite.

Wer aber will in Zeiten von High-End-Smartphones mit Quadcore-Prozessoren solch ein Simpel-Handy haben? Anscheinend nicht so wenige Technikfans: Die am 13. Mai gestartete Crowdfunding-Kampagne des Light Phone hat bei Kickstarter  bereits die erste Hälfte ihres Finanzierungsziels von 200.000 Dollar eingefahren.

Die beiden Amerikaner Hollier und Tang sind keine Ingenieure, sondern Designer. Kennengelernt haben sie sich während Googles Designer-Experiment "30 Weeks" . Wie sie konkret auf die Idee für das Minimal-Handy kamen, sagen sie nicht. Vielleicht stand ja das Mini-Handy von Simvalley Pate? Ähnliche funktionsarme und auch ähnliche kleine Telefone gibt es nämlich längst - und zwar in der Regel weit günstiger. Die Firma 4G Systems zum Beispiel stellt ein scheckkartengroßes Billighandy her, das unter anderem vom ADAC und der "Bild"-Zeitung für wenig Geld vertrieben wird.

Zumindest eine App soll es geben

Im nicht besonders ausführlichen Entwicklungsblog zum Light Phone sieht man, wie das nur 38,5 Gramm wiegende Gerät entstanden ist: Der Prototyp wurde demnach mit Teppichmessern, Gipsformen und einem 3D-Drucker zusammengebastelt. Die darin steckende Technik ist nichts Besonderes: Es handelt sich um ein supereinfaches Nur-Telefon mit GSM-Verbindung auf den gängigen Frequenzbändern 850/900/1800/1900 MHz.

Das einzige Zugeständnis an die moderne Mobilwelt ist eine geplante App, die Anrufe vom Smartphone auf das Zweithandy Light Phone umleitet. Das widerspricht eigentlich dem Konzept, wonach Kunden sich von der ständigen Erreichbarkeit lösen können sollen.

In der Praxis sollen sich Light-Phone-Käufer nicht einmal um einen Vertrag kümmern müssen: Das Gerät soll mit einer Prepaid-Karte mit voraussichtlich 500 monatlichen Freiminuten ausgeliefert werden - allerdings nur in den USA.

Wer sich für das Handy interessiert, kann noch bis zum 27. Juni seinen Beitrag zu der Kickstarter-Kampagne leisten - mit Beträgen ab einem Dollar kann man die Macher zumindest moralisch unterstützen. Ein eigenes Light Phone bekommt man erst ab 100 Dollar, außerhalb der USA allerdings ohne Vertrag und Ladegerät. Voraussichtlich in einem Jahr sollen die Geräte ausgeliefert werden.

abr