Mobile World Congress Hämmern mit dem Handy
Sonim XP2 Spirit: Das Handy zum Hämmern
Bob Plaschke gehört zu den beliebteren Gesprächspartnern auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Welcher andere Firmenchef gibt einem schon die Gelegenheit oder fordert geradezu dazu auf, seine Produkte zu zerstören?
Sonim-Chef Plaschke tut es. Mit Kalkül. Denn nur so kann er Journalisten beweisen, dass seine Produkte halten, was er verspricht: fast vollkommene Unzerstörbarkeit.
Ein Sonim-Handy hielt im SPIEGEL-ONLINE-Test vor zwei Jahren erstaunlich lange Torturen aus, unter anderem ein Bad in der Elbe. Nur der Last eines beladenen Post-Lastwagens musste es sich geschlagen geben. Der Nachfolger jenes Modells heißt XP2 Spirit und soll nun noch härter im Nehmen sein. Gehärtetes Spezialglas, Gummiarmierungen und ein Korpus aus einer Magnesiumlegierung sollen es gegen jegliche Außeneinflüsse absichern.
Und tatsächlich: Versuche, das Gerät mit Hammer und Nagel zu malträtieren, hinterlassen nicht einmal Schrammen auf Gehäuse und Display. Selbst wenn man das Handy als Hammer benutzt, sind keine Kratzer zu sehen.
SPIEGEL ONLINE zeigt das Kurioseste und Beste von der Handy-Messe - fetter Sound für iPhones, Farbe für E-Reader und eine interessante Wischtechnik:
Satter Klang fürs Handy - SRS iWow
Der Begriff SRS dürfte vor allem Besitzern koreanischer Fernsehgeräte bestens bekannt sein. Ein großer Hersteller nutzt die Technik der SRS Labs aus den USA, um den Sound seiner flachen Bildschirme zu verbessern. Dieselbe Technik soll jetzt auch den Sound des iPhones anfetten.
Die Kombination aus einem kleinen Aufsteckmodul und einer App soll es Anwendern ermöglichen, den Klang ihres Smartphones per Tastendruck dynamischer und kräftiger zu machen. Ein Hörtest bestätigte tatsächlich: Da tut sich was!
Ob man das Resultat mag, ist freilich eine andere Frage. Wer zu Hause an der Hifi-Anlage immer den Loudness-Schalter reindrückt, wird begeistert sein.
Allerdings kostet das Wumms-Modul 79 Dollar.
Farbfähige E-Reader-Displays - Mirasol
Von Qualcomms Mirasol-Technik hat man viel gehört - doch zu begutachten war sie in Europa bisher kaum. Die farb- und videofähigen Qualcomm-Bildschirme sollen in absehbarer Zukunft den Bau langlaufender multimedialer E-Book-Reader ermöglichen, weil sie nur etwa ein Zehntel so viel Strom verbrauchen wie herkömmliche LCD-Displays. Außerdem sollen sie auch bei prallem Sonnenlicht noch gut lesbar sein, was eine Grundvoraussetzung für solche Geräte ist.
In Barcelona war die Technik nun zu sehen - allerdings im geschlossenen Vorführraum bei regnerischem Wetter. Da ließen sich die wahren Qualitäten freilich nicht überprüfen. Schnell klar wurde nur, dass dem Mirasol ähnlich wie e-Ink-Displays die Leuchtkraft herkömmlicher Flachbildschirme fehlt.
Beeindruckend ist die Technik trotzdem. Der erste Eindruck lässt hoffen, dass sie bald so ausgereift ist, dass daraus wirklich massentaugliche Produkte werden.
Die Formwandler-Tastatur - MorphPad
Pelikon Morphpad: Die Transformer-Tastatur
Was eben noch eine gewöhnliche Tastatur war, ist im nächsten Moment ein Zifferntastenfeld. Und im nächsten ein Gamecontroller.
Die Rede ist vom MorphPad. Die wundersame Wandeltastatur kann ihre Funktion und Tastenbelegung je nach Anwendung verändern. Möglich machen das hintergrundbeleuchtete Tasten, die wie kleine Bildschirme unterschiedliche Zeichen anzeigen können. Das erinnert an das legendär teure "Optimus"-Keyboard des Tüftlers Artemy Lebedev für den Schreibtisch. Das MorphPad dagegen soll viel billiger als ein Touchscreen sein, verspricht der Hersteller Pelikon aus den USA.
Eigene Handys will das Unternehmen damit nicht herstellen. Es bietet stattdessen Handy-Produzenten fertige Module aus Tastatur und Bildschirm zum Einbau in deren Geräte an.
Zumindest einen Kunden hat das Unternehmen schon: Toshiba verwendet das MorphPad in einem günstigen Smartphone - das derzeit aber nur in Asien verkauft wird.
Wischen statt Tippen - Swype
Swype: Die Schmiertastatur
Wenn man schon keine echte Tastatur hat, sondern Buchstaben per Touchscreen auf einer virtuellen Tastatur eingibt - warum soll man dann eigentlich noch tippen, als wäre das eine Schreibmaschine?
Aus diesem Gedanken scheint die Swype-Technik entstanden zu sein. Statt Worte Buchstabe für Buchstabe zu tippen, wischt man mit dem Finger einfach von einem Buchstaben des gewünschten Wortes zum nächsten.
Was sich so einfach anhört, ist es auch. Im Kurztest klappte das Wischen kurzer Texte auf Anhieb. Um wirklich schnell damit zu werden, muss man aber schon ein wenig üben. Zum Beispiel muss man erst jene Wischgesten lernen, mit denen man zwischen Groß- und Kleinschreibung umschaltet.
Bisher gibt es erst zwei Handys, in denen Swype eingebaut ist. Die Swype-Erfinder hoffen auf neue Kunden - als App zum Nachrüsten werden sie die Software dem Vernehmen nach nicht aber anbieten.
Intel im Kleinen
Intel: Tischtelefon und ein paar Handys
Der Chiphersteller Intel konnte keinen Hardware-Deal mit Nokia verkünden - zeigte aber abseits des Messegeländes, in wie vielen unterschiedlichen Mobilgeräten seine Bauteile inzwischen eingesetzt werden. Dazu gehören nicht nur (sehr wenige) Handys, sondern auch winzige Mobilcomputer und sogar ein Tischtelefon, das auf Wunsch zum Tablet PC mutiert.
Viele gute Ideen waren da zu sehen (siehe Fotostrecke). Wirklich relevant sind diese Produkte zwar nicht - sie bedienen entweder reine Nischenanwendungen oder werden ausschließlich für kleine Märkte hergestellt. Doch immerhin zeigen sie, was mit aktueller Technik schon möglich ist.