Google Maps vs. Apple Maps: Motorolas schräger Karten-Vergleich
Maps-Desaster Motorola verwirrt mit Apple-Maps-Scherz
Die Vorlage war wohl einfach zu schön: Tagelang debattierten Apple-Anwender und -Kritiker über teils gravierende Fehler in Apples neuem Kartenprogramm. Diese Gelegenheit wollte sich Motorola Mobilitys Marketingabteilung offenbar nicht entgehen lassen.
Das zu Google gehörende Unternehmen veröffentlichte eine Anzeige, die zeigen sollte, wie sehr Apple versagt hat. Zu sehen sind ein neues iPhone und ein Droid Razr M von Motorola, die beide dieselbe Anschrift in New York suchen (315 E 15th St ny) - aber völlig unterschiedliche Kartenausschnitte anzeigen. Darunter der Schriftzug "#iLost", darüber ein hämischer Hinweis, dass Apple Maps eine falsche Adresse in Brooklyn herausgesucht habe .
Alles falsch, alles Lüge, tönte es umgehend aus dem Apple-Lager. Das Blog "AppleInsider " hat untersucht, was für eine Adresse das denn eigentlich ist, die Motorola Mobility für den Vergleich herangezogen hat. Das Ergebnis der Apple-Experten: Die Adresse gibt es gar nicht, Motorola hat geschummelt. Bei der Anschrift handele es sich um einen öffentlichen Park in Manhattan, und der habe eben keine gültige Postadresse. Würde man stattdessen die gültige Anschrift der gegenüberliegenden Häuserzeile eingeben, also "318 E 15 St ny", hätten Apples Karten kein Problem, den korrekten Kartenausschnitt anzuzeigen.
Auch für die von Apple Maps angezeigte Adresse finden die "AppleInsider" eine Erklärung: "Was einst offenbar der 300er-Block östlich der 15. Straße Ost war, wird jetzt als Marlborough Street bezeichnet." Nur ein paar Blocks weiter trage die Straße tatsächlich die Bezeichnung East 15th Street. Somit sei die von Apple gefundene Adresse eigentlich korrekt, nur, dass sie eben im New Yorker Stadtteil Brooklyn liegt und nicht, wie von Motorola gewünscht, in Manhattan.
Haarspalterei
Tatsächlich sind die Anbieter der großen Online-Kartendienste ausgesprochen uneins darüber, ob und wo es die von Motorola verwendete Adresse wirklich gibt. Das Ergebnis von Microsofts Bing Maps zum Beispiel stimmt bei uns mit dem von Motorola überein, allerdings nur auf dem PC. Im Mobilbrowser auf einem Handy aufgerufen, gibt es nur eine Fehlermeldung (siehe Bilderstrecke). Nokia Maps hingegen zeigt beide Adressen an, steuert auf dem Handy allerdings automatisch die von Motorola bevorzugte Anschrift in Manhattan an. Die von Nokia als Alternative präsentierte Adresse stimmt mit der auf dem iPhone 5 gezeigten überein. Allerdings bezeichnet Nokia die Marlborough Street in Brooklyn als East 15th Street.
Tatsächlich muss sich Motorola den Vorwurf gefallen lassen, für seine Werbung eine Adresse herausgesucht zu haben, die problematisch ist. Gleichzeitig erinnert die Streiterei um Motorolas Werbung - immerhin 451 Kommentare hat der entsprechende Google+-Eintrag bisher - dass die digitalen Online-Karten von Google, Nokia Microsoft und Apple letztlich Suchmaschinen sind. Eben aus diesem Grund ist Google auch so gut darin, seinen Nutzern die richtigen Adressen herauszusuchen. Vor allem aber erinnert die Geschichte daran, dass man gut daran tut, Kartendiensten möglichst genau zu sagen, wohin man will. Der simple Zusatz "Manhattan" in der Eingabemaske macht es den Anbietern leichter, zu entscheiden, welches ihrer Suchergebnisse denn nun das Zutreffende sein wird.
Apples Kartentool allerdings zeigt sich da anfangs weniger genügsam als die Produkte der Konkurrenz. Nach der Ergänzung des Stadtteilnamens Manhattan in der Suchmaske, wird man Manhattan in Kansas geschickt. Erst mit eingefügtem Komma ("315 E 15th St, Manhattan"), finden auch Apples neue Karten jenen Park in New York. Hat man den Park einmal auf diese Weise angesteuert, sucht ihn Apple Maps nach Eingabe der modifizierten Suchanfrage immer auf, egal ob mit oder ohne Komma. Positiv ausgedrückt könnte man sagen: Apples Karten lernen dazu.