Netatmo-Wetterstation - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Netatmo-Wetterstation: Das Innenklima per Smartphone im Blick

Foto: Matthias Kremp

Netatmo Was taugt die Wetterstation fürs Handy?

Die Hightech-Wetterstation von Netatmo sendet Messwerte ans Smartphone, warnt vor starkem Wind und schlechter Luft. Was bringt es, wenn man nachsehen kann, wie viel CO2 die Luft gerade enthält - oder wie laut es im eigenen Wohnzimmer ist? Wir haben den Test gemacht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Digitale Wetterstationen gibt es zuhauf, doch die Netatmo-Wetterstation ist anders als der Durchschnitt. Sie ist aus Aluminium statt aus Plastik hergestellt, kostet viel mehr als andere und hat auch nicht das sonst übliche pixelige Schwarzweiß-Display. Braucht sie auch nicht, denn sie nutzt den Bildschirm eines Smartphones, Tablets oder PC, um ihre Daten anzuzeigen.

Wie bei Wetterstationen üblich, besteht die Netatmo aus zwei Teilen, einem Außenfühler und einer Basisstation für drinnen. Beide sind, ganz nach Apple-Vorbild, aus einem Stück Aluminium gefräst, liegen schwer in der Hand. Die Kleinere der beiden kann mit einem Haken oder Nagel an einer Außenwand oder mit dem mitgelieferten Klettband an einer Stange befestigt werden. Man kann sie auch einfach hinstellen. Hauptsache, man achtet darauf, sie vor Regen geschützt an einer schattigen Stelle zu platzieren. Sonst drohen überhöhte Temperaturmessungen beziehungsweise Kurzschlüsse

Als Stromversorgung dienen vier Mignon-Batterien (AA), die in unserem Test auch nach vier Wochen noch keine Ermüdungserscheinungen zeigten. Unklar ist, wie sich das verändert, wenn es draußen sehr kalt oder heiß ist. Genau wie große Hitze kann auch extreme Kälte die Leistung einer Batterie reduzieren. Der Batteriehersteller Duracell rät bei Extremtemperaturen deshalb zur Nutzung von "hochwertigen Alkaline-Batterien". Panasonic hingegen empfiehlt seine Eneloop-Akkus, die "bei eisigen Temperaturen besser als Alkaline-Batterien oder andere wiederaufladbare Batterien" arbeiten sollen.

Simple Installation

Die Inbetriebnahme ist schnell erledigt: Der größere der beiden Zylinder wird im Innenraum platziert. Die Einstellungen für den zwingend nötigen Zugang zum heimischen W-Lan werden über das Handy vorgenommen, das dazu einmal kurz per USB-Kabel mit der Wetterstation verbunden werden muss. Eine zweite USB-Buchse dient der Stromversorgung. Zusätzlich kann man auch hier vier Batterien einlegen, wirklich nötig sind die aber nicht.

Ist das erledigt, fangen die Stationen mit ihren Messungen an. Dabei zeichnet die Außenstation Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf, die Innenstation zusätzlich den Luftdruck, die CO2-Konzentration und die Lautstärke. Außerdem versorgt sich das System via Internet mit zusätzlichen Wetterdaten. Dazu gehört beispielsweise ein Luftqualitätsindex, der allerdings nur regional und nicht lokal berechnet wird. Die Aussagekraft dieses Wertes schien uns fraglich, nachdem uns vier Wochen lang stets ähnliche Werte mit dem Hinweis "Haupt-Schadstoff: ozone" angezeigt wurden.

Zu viel ist zu viel

Der tatsächlich gemessene Wert für die CO2-Konzentration im Innenraum hat vor allem erzieherische Wirkung. Übersteigt er bestimmte Niveaus wird man per Push-Nachricht auf dem Handy und durch ein Aufleuchten der LED-Leiste an der Messstation zum Lüften aufgefordert. Zu viel CO2 in der Luft kann schließlich Müdigkeit und Kopfschmerzen auslösen.

Allerdings sind die Schwellenwerte sehr niedrig voreingestellt, so dass man Gefahr läuft, die häufigen Warnmeldungen auf dem Handy bald als Spam zu empfinden. Gut also, dass man die Warnungen auch abschalten beziehungsweise Meldungen mit eigenen Schwellwerten einstellen kann.

Spielfeld für Statistiker

Ob man das alles wirklich braucht, ist eine andere Frage. Wie das Wetter ist, kann man bekanntlich auch mit einem Blick aus dem Fenster klären, wie warm oder kalt es ist und wird, verrät im Zweifel eine der vielen kostenlosen Wetter-Apps. Allerdings haben die CO2-Warnungen der Netatmo-Wetterstation einen erzieherischen Wert, animieren sie doch zu häufigerem Lüften.

Besonders wird das Ganze dadurch, dass die Messdaten regelmäßig auf Netatmos Server geladen werden. So kann man jederzeit und überall nachschauen, wie das Raumklima zu Hause ist - wenn man das denn unbedingt wissen will. In Kürze wird das auch über ein Webportal gehen, das wir uns in einer Vorabversion schon anschauen konnten (siehe Bilderstrecke). Für Statistiker sind dort vor allem die langfristig aufgezeichneten Messwertkurven eine Freude.

Kinder-Kontrolle per Sonometer

Den geringsten Nutzen im Alltag dürfte allerdings das Sonometer bringen, von dem die Lautstärke im Innenraum gemessen wird. Ist man selbst zu Hause, merkt man auch selbst, wenn es laut wird. Ist man unterwegs, bringt es wenig Nutzwert zu wissen, dass zu Hause Stille herrscht. Außer natürlich man möchte vom Büro aus kontrollieren, ob die Kinder die Stereoanlage aufdrehen, statt ihre Hausaufgaben zu erledigen.

Dank Internetanbindung und Smartphone-Apps bietet die Netatmo-Wetterstation eine Informationsfülle, die weit über das Übliche hinausgeht. Damit passt sie voll in der Trend Zur Selbst- und Weltvermessung per Smartphone und Zubehör. Der Preis, der dafür aufgerufen wird, 170 Euro, ist allerdings sehr hoch und dürfte nur für Menschen erträglich sein, die Klimabeobachtung - innen wie außen - als Hobby betrachten.