Ein Dell zum durchdrehen: Netbook-Tablet Inspiron Duo
Netbook-Tablet Dells duales System
Die Idee ist gut: Statt den Verbraucher vor die Wahl von Netbook oder Tablet zu stellen, bietet Dell beides in einem Gerät an. Im Grundzustand ist das Inspiron Duo ein Netbook und sieht auch so aus: 10-Zoll-Display, vergleichsweise breite Tastatur, Intel-Atom-Prozessor, Windows-7-Betriebssystem. Seine wahre Natur zeigt es erst, wenn man den Bildschirm anstupst. Der nämlich lässt sich um seine Achse drehen und auf die Tastatur legen, so dass aus dem, was eben noch ein Netbook war, im Bildschirmumdrehen ein Tablet-PC wird.
Ähnliche Geräte hat es schon in Form der sogenannten Convertible-Laptops gegeben. Bei denen war der Bildschirm allerdings stets vertikal, und nicht, wie beim Duo, horizontal, drehbar. Außerdem sind Convertibles in der Regel teure Profigeräte, die beispielsweise in Krankenhäusern zur Bearbeitung digitaler Patientenakten benutzt werden.
Das Inspiron Duo dagegen versucht Dell im Netbook-Bereich anzusiedeln, was nicht ganz gelingt. Schon in der einfachsten Version wird man mit 578 Euro (inklusive Versand) zur Kasse gebeten. Die dafür gebotene Ausstattung liegt allerdings eher auf dem Niveau gewöhnlicher Netbooks der 400-Euro-Klasse. Auch die haben oft 2 GB Arbeitsspeicher, eine 250 GB Festplatte und einen Dualcore-Atom-Prozessor an Bord. Einen Touchscreen aber haben sie nicht.
Stromschlucker
Aber den braucht man im Netbook-Modus auch nicht. Schließlich hat Dell mit einer guten Tastatur und einem ordentlichen Touchpad auch für Vielschreiber vorgesorgt. Die allerdings sollten sich nicht all zu weit von der nächsten Steckdose entfernen. Denn im Test hielt das Duo, je nach Beanspruchung, zwischen zweieinhalb und etwas mehr als drei Stunden auf Akkustrom durch. Solche Werte ist man sonst eher von hoch getakteten Gamer-Notebooks gewöhnt. Für ein Gerät, das schon aufgrund seiner Bauweise für den Einsatz unterwegs gedacht ist, ist das zu wenig.
Woran es liegt, dass das Dell so kurzatmig ist, lässt sich nicht zweifelsfrei klären. Sicher ist: Der aufwendige Touchscreen dürfte zumindest einen spürbaren Anteil an diesem Mehrverbrauch haben.
Als Reisebegleiter ist das Inspiron Duo also nur begrenzt geeignet. Seinen Job als Mini-Notebook erledigt es dagegen ordentlich. Typische Büroarbeiten, wie das Schreiben von Texten oder Tabellenkalkulation lassen sich flüssig und ohne Aussetzer erledigen. Und auch das Surfen im Web und logischerweise E-Mail bereiten keine Probleme. Sogar HD-Videos spielt das Duo problemlos und ruckelfrei ab, eine Aufgabe, an der viele ältere Netbooks scheitern und bei der sich die hohe Auflösung des Bildschirms (HD-Ready, 1366 x 768 Pixel) angenehm bemerkbar macht.
Eine glanzvolle Vorstellung
Damit ist es mit dem Multimediaspaß dann aber auch vorbei. Denn einen HDMI-Ausgang zum Anschluss an einen Fernseher findet man an dem Gerät nicht. Ebenso wenig einen Ethernet-Netzwerkanschluss oder einen simplen VGA-Port für externe Monitore. Stattdessen muss man sich mit zwei USB-Anschlüssen und Audio-Ein- und Aushängen begnügen. Der einzige Lichtblick - im Wortsinne - ist das Netzteilkabel, das beleuchtet ist. Eine echte Funktion hat diese Steckerbeleuchtung aber nicht. Während andere Hersteller durch die Farbe der Beleuchtung am Netzteilstecker signalisieren, ob der Akku voll ist oder noch geladen wird, signalisiert das Dell-Lämpchen nur eines: "Blau".
Bleibt die Frage, ob das Duo wenigstens als Tablet glänzen kann. Und tatsächlich, es glänzt. Allerdings weniger wegen beeindruckender Funktionen, sondern weil sein Bildschirm auch als Spiegel taugt. Zudem leidet es unter einer starken Blickwinkelabhängigkeit. Wenn man also seitlich auf den Bildschirm schaut, erlebt man ein durchaus reizvolles Farbenspiel, das mit der originalen Buntheit, die man sehen würde, wenn man senkrecht auf das Display schaut, nichts zu tun hat.
Wo sind die Apps?
Immerhin: Seine Aufgabe als Berühr-Bildschirm erledigt das Display gut, reagiert recht zügig aufs Anfassen. Weil sich das installierte Windows 7 aber eigentlich gar nicht so gern anfassen, sondern lieber von einer Maus steuern lässt, hat Dell einen Ersatz-Desktop für die Touch-Bedienung aufgespielt. Die DuoStage genannte Software startet automatisch, wenn man den Bildschirm im Tablet-Modus auf die Tastatur klappt - wobei, nebenbei bemerkt, die integrierte Webcam nutzlos im Display-Deckel verschwindet.
Viel mehr als ein Schnellstart-Menü ist die Dell-Software dann zwar nicht, doch macht sie es leichter, die von Microsoft als fingertauglich mitgelieferten Touch-Programme zu starten. Die zeigen dann auch, teils recht beeindruckend, was sich mit so einem Tablet alles anfangen lässt. Malen, Spielen, Notizen machen, lauter solche Sachen funktionieren wunderbar - aber auch nicht viel mehr. Denn - dafür kann Dell nichts - Touch-Software für Windows gibt es bislang nur in homöopathischen Dosen.
Das können die bestimmt noch besser
So bleibt am Ende der Eindruck, dass Dell eine großartige Idee mutig umgesetzt hat - und dabei letztlich gescheitert ist. Das Inspiron Duo kann vieles ein bisschen, aber nichts so richtig gut. Für ein Netbook hält es nicht lange genug ohne Steckdose durch, für ein Tablet ist es zu dick und zu schwer. Zudem fehlen ihm Tablet-Software, die begeistern kann und ein paar Anschlüsse, die es mehr Kontakt zur Außenwelt aufnehmen lassen. Kommen noch der wenig überzeugende Bildschirm und der hohe Preis hinzu, bleiben kaum Argumente, die wirklich für das Gerät sprechen.
Bleibt zu hoffen, dass Dell bald eine neue Version des Inspiron Duo entwickelt, dünner, ausdauernder und vielleicht mit einem dualen Betriebssystem. Eine Kombination aus Windows 7 und Android beispielsweise, wobei automatisch zwischen den Systemen umgeschaltet wird, wenn man das Netbook zum Tablet verdreht. Ein solches Netbook-Tablet könnte der Killer werden, der das Inspiron Duo nicht ist.