Neue Android-Handys: iPhone-Verfolger und Billigheimer - DER SPIEGEL
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Android-Handy-Neuvorstellungen: Verlangen und Optimismus

Neue Android-Handys iPhone-Verfolger und Billigheimer

Eine Woche voller Handys: LG und HTC ließen sich von Nokias jährlicher Hausmesse inspirieren und stellten zeitgleich mit den Finnen neue Smartphones vor. Während LG sich vor allem durch günstige Preise profilieren will, wird HTC Apple immer ähnlicher und verknüpft seine Handys mit Online-Diensten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kann das noch Zufall sein? Genau an jenen beiden Tagen, an denen Nokia seine Entwicklergemeinde versammelt, um neue Handy-Modelle vorzustellen, machen die asiatischen Firmen HTC und LG Electronics auf sich aufmerksam, kündigen ebenfalls neue Geräte an. Dabei legen sie eine ungewohnte Einigkeit an den Tag, mit der sie demonstrieren, welche Handy-Plattform derzeit die meiste Aufmerksamkeit erfährt: Beide Firmen stellten ausschließlich Android-Modelle vor - die allerdings unterschiedlicher nicht sein könnten.

Denn die Taiwanesen von HTC haben nun voll auf Angriff umgeschaltet, wollen offensichtlich Apple potentielle iPhone-Kunden abspenstig machen. Die Geheimwaffe dafür ist das Desire HD, ein Smartphone, das nicht nur technisch die besten Voraussetzungen hat, diese Zielvorgabe zu erreichen.

Das fängt beim Bildschirm an. Dessen Auflösung von 800 x 480 Punkten kann zwar nicht ganz mit der des iPhone mithalten, dafür misst die Bildschirm-Diagonale zwei Zentimeter mehr, was manche Anwender sicher schätzen werden. Natürlich ist eine Kamera eingebaut, die hier mit acht Megapixeln Fotos aufnehmen kann. Zudem werden alle gängigen Netzstandards bis hin zu HSDPA und zusätzlich Bluetooth 2.1 und W-Lan nach IEEE 802.11 a/g/n unterstützt.

Viel hilft viel

Ein entscheidender Vorteil gegenüber den meisten anderen Smartphones könnte es werden, dass das Desire HD mit 768 Megabyte Arbeitsspeicher (RAM) ausgerüstet ist. Der bringt vor allem dann Vorteile, wenn man mit vielen Anwendungen gleichzeitig umgeht, also mit Multitasking arbeitet, oder besonders aufwendige Apps benutzt. Manche Spiele beispielsweise bedienen sich gerne großzügig beim RAM.

Wichtig dürfte dieser Speicher aber auch für die von HTC ebenfalls vorgestellte neue Version der hauseigenen Benutzeroberfläche Touchsense sein. Das vom Anwender anpassbare Interface wurde unter anderem um HD-Videofunktionen und einen E-Book-Reader erweitert, der an den englischsprachigen Kobo-E-Book Store angebunden ist. Ein echter Schritt nach vorn - und eine hausgemachtes Gegenstück zu Nokias Ovi Maps - sind aber die herunterladbaren Karten, die HTC über den neuen Online-Dienst Locations anbietet. Damit wird man ein Stück weit von Google Maps unabhängig, deren Karten immer live geladen werden, was im Ausland teuer ist. Googles Navigationsdienst Google Maps Navigation ist zusätzlich, als Bestandteil von Android 2.2, an Bord.

Mit HTCSense.com bietet das Unternehmen jetzt außerdem einen Online-Dienst an, dessen Ausprägung doch sehr an Apples Mobile Me erinnert. Ähnlich wie dort soll man sein Handy über das HTC-Angebot orten und bei Verlust gar dessen Daten löschen können. Alternativ kann man per Remote-Zugriff auch alle Anrufe umleiten oder eine Nachricht auf das Display schicken. Fast nebenbei soll sich über das Web-Portal auch die Einrichtung des Handys erledigen lassen.

Es geht auch billiger, viel billiger

Quasi die Business-Variante des Desire HD ist das Desire Z, dessen hervorstechendes Merkmal eine herausschiebbare QWERTZ-Tastatur im Querformat ist. Ansonsten ist es gegenüber dem HD-Modell etwas abgespeckt, hat einen etwas kleineren Bildschirm, einen langsameren Prozessor, nur 512 MB Arbeitsspeicher und eine Fünf-Megapixel-Kamera. Dafür soll es auch 50 Euro weniger kosten, nämlich 549 Euro. Für das HD-Modell gibt HTC dagegen einen Listenpreis von 599 Euro an. Beide sollen im Oktober in den Handel kommen.

Gerade einmal halb so viel werden die neuen Android-Smartphones von LG Electronics kosten, nämlich 299 beziehungsweise 249 Euro. Dabei werden die als Optimus Chic und Optimus One bezeichneten Handys genau wie die neuen HTC-Modelle bereits das aktuelle Google-Betriebssystem Android 2.2 verwenden. Damit sind die günstigen Geräte Flash-fähig, enthalten Googles kostenlose Navigationslösung, taugen als Mobilfunk-Hotspots und können Spielereien wie Google Goggles nutzen, die Suche nach Informationen zu realen Objekten anhand von Fotos.

Zu später Einstieg

Als Besonderheiten kann das teurere Modell Chic allerdings damit protzen, zum DLNA-Standard kompatibel zu sein. Sind entsprechende Geräte im Haus verfügbar, kann man etwa Fotos, Videos oder Musik ohne große Konfiguration beispielsweise auf einem Fernseher anzeigen oder abspielen. Wer mag, kann das Handy zudem per PC fernsteuern oder Daten drahtlos vom Rechner auf das Handy überspielen.

Auf diese Funktionen muss man beim One zwar verzichten und bekommt auch nur eine Drei-Megapixel-Kamera eingebaut, kann dafür aber zu einem ausgesprochen günstigen Preis in die aktuelle Android-Version mit all ihren Funktionen einsteigen.

Für LGs bisherigen Firmenlenker Yong Nam kommen die beiden Smartphone-Einstiegsmodelle aber trotzdem zu spät. Er musste am Freitag seinen Stuhl räumen, weil es ihm nicht gelungen war, LGs Handysparte profitabel zu machen. Zu lange hatte er damit gewartet, das Sortiment von den wenig ertragreichen Feature-Phones auf die jetzt so hippen Smartphones umzustellen. Sein Nachfolger, Koo Bon-Joon, könnte es damit jetzt leichter haben. Gigantisch werden die Profite in dem Billig-Smartphone-Segment, dass LG jetzt ansteuert, aber kaum sein.

Aber vielleicht lässt sich das ja über die Stückzahlen regeln. Die neuen Android-Handys von HTC und LG haben auf jeden Fall das Zeug dazu, sich viele Freunde zu machen. Die einen eher bei den Enthusiasten, die gerne etwas mehr ausgeben, und die anderen bei den Neugierigen, die jetzt endlich auch ein Smartphone haben wollen, ohne dafür einen Kleinkredit aufnehmen zu müssen.