Neue Macbooks: Mit Blitz und Donner
Neue Mac-Notebooks Apple will das Steckerchaos beenden
Apple wird am Donnerstag neue Notebooks vorstellen, da waren sich Journalisten, Analysten und Blogger in den letzten Tagen einig. Und tatsächlich, seit dem frühen Nachmittag sind die neuen Modelle in Apples Onlineshop zu sehen. Viel, so scheint es auf den ersten Blick, hat sich an den neuen Modellen der Macbook-Pro-Serie nicht verändert, verglichen mit ihren ein Jahr alten Vorgängern. Sie stecken immer noch in denselben Monoblock-Aluminiumgehäusen, haben dieselben Bildschirme eingebaut und dieselben Buchsen an der Seite - oder etwa nicht?
Bei genauerem Hinsehen fällt da nämlich ein kleines Symbol auf, ein Blitz der neben einer Buchse aufgedruckt ist, die aussieht wie der Mini-Displayport, über den Apple externe Monitore anschließt. Ein Mini-Displayport ist das aber eben nicht, zumindest nicht nur. Stattdessen verbirgt sich in der unscheinbaren Buchse eine neue Technologie, an der Apple seit einigen Jahren gemeinsam mit Intel gearbeitet hat: Thunderbolt, zu deutsch Donnerschlag.
Thunderbolt, das von Intel ursprünglich unter der Bezeichnung Light Peak entwickelt wurde, hat das Zeug, die Computerbranche nachhaltig zu verändern, denn es bietet Datenübertragungsraten, von denen die meisten Computeranwender bisher kaum zu träumen wagten. Bis zu zehn Gigabit Daten pro Sekunde, schreibt Intel in einer parallel zur Apple-Ankündigung verschickten Pressemitteilung, können über die neuen Kabel übertragen werden. Zum vergleich: Die heute meist üblichen USB-2.0.-Buchsen schaffen theoretisch bis zu 480 Megabit pro Sekunde, schnelle Netzwerkbuchsen erreichen ein Gigabit pro Sekunde.
Einer für alles
Weil die gebotene Leistung heutzutage ohnehin von kaum einem Gerät allein ausgenutzt werden könnte, ist Thunderbolt als Multifunktionsanschluss ausgelegt. Je nach Nutzungsszenario können Daten entweder über Lichtleiter oder Kupferkabel übertragen werden. So sollen sich einerseits beispielsweise Monitore mit hoch aufgelösten Videobildern versorgen lassen während parallel dazu Achtkanal-Surround-Sound durch das Kabel geleitet wird. Außerdem könne man beispielweise externe Festplatten, sogar besonders schnelle sogenannte Raid-Systeme aus mehreren Festplatten, darüber ansteuern.
Intel Light Peak: Ein Kabel, sie alle zu binden
Befürchtungen, der neue Anschluss werde vollkommen ungenutzt brachliegen, solange es kein dazu passenden Endgerät gibt, räumt Apple mit dem einfachen Argument beiseite, dass sich über Adapter sehr wohl jede Menge aktueller Hardware darüber ansteuern lässt. So seien über USB- und Firewire-Adapter beispielsweise externe Speichergeräte nutzbar, während TV-Geräte und Monitore über Adapter für HDMI, DVI und VGA angestöpselt werden können. Bildschirme mit Displayport lassen sich offenbar direkt anschließen. Bis zu sechs Geräte sollen sich auf diese Weise verkoppeln lassen.
Keine Mini-SSDs
Im Grunde also könnte ein neues Notebook mit einem einzigen Thunderbolt-Anschluss auskommen, sofern man sich ausreichend Adapter besorgt. Aber darauf will man sich bei Apple augenscheinlich nicht verlassen und bestückt die neuen Macbooks wie gewohnt mit einer Reihe von USB-, Firewire-, Netzwerk- und Audiobuchsen. Der integrierte Kartenleser wurde allerdings aufgerüstet, kann nun auch SD-Karten nach dem neuen SDXC-Standard und bis zu 64 GB Speicherplatz lesen.
Als Antrieb dienen den neuen Macbooks Intels aktuelle Core-i5- und Core-i7-Chips mit bis zu 2,7 Gigahertz. Während im kleinen 13-Zoll-Modell noch Intels integrierte Grafikkarte HD3000 eingebaut wird, kommen in den größeren Macbooks AMD-Grafikchips mit bis zu einem Gigabyte Grafikspeicher zum Einsatz. Zudem wurde die integrierte Webcam aufgewertet, taugt jetzt auch für Videochats in HD-Auflösung.
Ansonsten aber hat sich bei den neuen Macbooks gegenüber ihren Vorgängermodellen nicht viel geändert. Vermutungen, Apple werde eine Kombination aus kleinen SSD-Speichern und Festplatten verwenden, um die Geräte zu beschleunigen haben sich nicht bestätigt. Zwar baut Apple größere Festplatten und auf Wunsch auch SSD-Speicher ein, aber eben keine Kombination aus beidem. Weshalb sich die Akkulaufzeit auch nicht verbessert hat, mit bis zu sieben Stunden aber durchaus vorzeigbar ist.
Ebenso haben sich die Preise kaum verändert. Das 13-Zoll-Modell steht in der Grundausstattung für 1149 Euro in Apples Preisliste, das 15-Zoll-Macbook kostet mindestens 1749 Euro und die 17-Zoll-Variante ab 2499 Euro. Auf Wunsch aber lassen sich diese Preise mit Speicherweiterungen oder SSD-Laufwerken auch noch saftig steigern.