Smartphone: Das OnePlus 2 im Test
OnePlus 2 Der neue China-Kracher
Als OnePlus im April 2014 sein erstes Smartphone vorstellte, hatte kaum jemand schon einmal von diesem Unternehmen gehört. Eigentlich hatten die Firmengründer bescheidene Ziele gehabt, wollten ein paar Tausend, vielleicht ein paar Zehntausend Exemplare ihres schlicht One genannten Smartphones verkaufen.
Ganz unbescheiden bewarben sie es dann aber als "Flaggschiff-Killer" und hatten damit enormen Erfolg: Rund 1,5 Millionen Exemplare des OnePlus One fanden bis heute einen Käufer. Auch uns gefiel das ungewöhnlich günstige Gerät.
Das neue Modell wurde ebenso dezent betitelt wie das erste, es heißt schlicht "2". Vom Start weg überflügelt es seinen Vorgänger. Mehr als zwei Millionen Bestellungen seien innerhalb der ersten Woche eingegangen, berichtet das Start-up in seinem Blog .
Die Zahl ist freilich mit Vorsicht zu genießen: Tatsächlich haben die Besteller sich nur eine Einladung reservieren lassen. Denn einfach kaufen kann man das OnePlus 2 nicht, man braucht dafür ebenjene Einladung. Bekommt man sie, bleiben 24 Stunden Zeit, sie einzulösen.
Unser Testgerät aber hat es schon aus China zu uns geschafft. Was mir das neue Modell schon vor dem Einschalten sympathisch macht: Der Rückendeckel besteht aus einem ähnlich rauen Kunststoff wie beim Vorgänger. Das sieht gut aus und fühlt sich auch so an. Ein deutliches Upgrade ist der neue Gehäuserahmen aus dunkel eloxiertem Metall. Er sorgt für Stabilität und gibt dem OnePlus 2 einen edlen Look.
Heißer Kopf, kalte Füße
Wie schon das OnePlus One ist auch das neue Modell technisch bestens ausgestattet: Der 1,8 GHz schnelle Achtkern-Prozessor hat mit nichts Mühe. Nur seine eigene Hitze macht ihm etwas zu schaffen, wenn er aufwendige Spiele oder HD-Filme ablaufen lassen soll. Das OnePlus 2 wird dann im oberen Bereich sehr warm. Ein echtes Problem war das im Test aber nicht.
Problematisch könnte für manche Nutzer eher sein, dass sich der Speicher nicht erweitern lässt. Derzeit liefert OnePlus das 2 mit 64 Gigabyte aus. Das dürfte für viele Anwender reichen, aber für manche, die etwa viele Videos oder große Musiksammlungen dabei haben wollen, wird das nicht genug Speicherplatz sein.
Ein hübscher Rücken: Das OnePlus 2 fühlt sich an wie weiches Schleifpapier
Foto: SPIEGEL ONLINEBestens ausgestattet ist das 2 dagegen mit Netzwerkfunktionen. LTE, Bluetooth 4.1 und auch Gigabit-WLAN sind eingebaut. Der 5,5-Zoll-Bildschirm mit der Full-HD-Auflösung 1920 x 1080 liefert ein ordentliches Bild. Mit den höher auflösenden und kontrastreicheren Displays der Top-Smartphones von Samsung und LG kann er aber nicht mithalten.
Mit einem "O" die Kamera starten
Als Betriebssystem läuft auf dem OnePlus eine als Oxygen OS bezeichnete Android-Variante. Genau wie Motorola es beispielsweise beim "Moto G" macht, bleibt Googles System hier weitgehend unverändert. Das hat den Vorteil, dass Googles Updates recht schnell angepasst werden können.
Ein paar Extras gibt es dann aber doch. Zum Beispiel kann man die Kamera aus dem Ruhemodus aktivieren, indem man auf den dunklen Bildschirm ein "O" zeichnet. Kritzelt man stattdessen ein "V", wird die Taschenlampenfunktion des Blitzes aktiviert.
Das ist alles ganz nett, aber wenn man gerade das Moto G benutzt hat, dem ein Schwenk aus dem Handgelenk genügt, um die Kamera zu starten, sind diese Gesten etwas umständlich. Immerhin, man kann sie abschalten.
Einem weiteren Extra hat OnePlus einen eigenen Schalter spendiert: Links ist ein Dreifach-Schieberegler angebracht, mit dem man festlegen kann, wie sehr das Handy stören darf: Nur wenn Termine anstehen, "nur bei wichtigen Unterbrechungen" oder immer, wenn eine neue Nachricht eintrifft. Eine hübsche Idee.
Schnell in die Zukunft
An der Kamera des OnePlus 2 gibt es nichts auszusetzen. Sie startet fix, stellt per Laser-Autofokus sehr schnell scharf. Ein optischer Bildstabilisator gleicht kleinere Wackler aus.
Die Bildqualität der 13-Megapixel-Kamera kann es beinahe mit der des iPhone 6 aufnehmen, die Farben sind kräftig, die Detailgenauigkeit ist prima, nur der Kontrastumfang könnte etwas größer sein. Auffällig ist, dass HDR-Aufnahmen sehr lange dauern. Da sind Konkurrenzmodelle schneller.
Statt einer herkömmlichen USB-Buchse baut OnePlus im Modell 2 einen neuen USB-Typ-C-Anschluss ein. Dessen Stecker kann man nicht mehr falsch einstöpseln, weil er beidseitig nutzbar ist. Da er außerdem genug Strom übertragen kann, um sogar Notebooks aufzuladen und genug Bandbreite für eine rasend schnelle Datenübertragung hat, ist er die Technik der Zukunft.
Ein Anschluss mit Zukunft: Das USB-C-Kabel des OnePlus 2
Foto: SPIEGEL ONLINEAber wie das mit der Zukunft eben ist, ist sie noch nicht da. Bei mir jedenfalls ist das mit dem OnePlus 2 gelieferte USB-C-Kabel derzeit das einzige seiner Art. Wenn ich es im Büro liegen lasse, kann ich das Handy zuhause nicht aufladen. Bei der Bestellung eines OnePlus 2 sollte man deshalb gleich einen Adapter zum Anschluss an herkömmliche USB-Kabel für zehn Euro mitbestellen - oder im Fachhandel ein zweites USB-C-Kabel zu kaufen.
Fazit
Mit einem Preis von 399 Euro in der Version mit 64 Gigabyte ist das OnePlus 2 kein Preisbrecher, anders als sein Vorgänger. Trotzdem ist das Smartphone günstig. Mir ist kein Konkurrenzmodell bekannt, das zu diesem Preis eine solche Ausstattung bietet. Selbst von Low-Cost-Marken bekommt man in diesem Preisbereich nur Geräte mit halb so viel Speicher, einem älterem Android oder einer schlechteren Netzwerk-Ausstattung.