Open Compute Project: Facebook verschenkt seine Stromspar-Tricks - DER SPIEGEL
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Facebooks Super-Computer: Mehr Effizienz für Rechenzentren

Foto: NORBERT VON DER GROEBEN/ REUTERS

Open Compute Project Facebook verschenkt seine Stromspar-Tricks

Energieverbrauch um ein Drittel gesenkt, Kosten um ein Viertel: Das Social Network Facebook hat ein Vorzeige-Rechenzentrum mit besonders effizienten Servern entwickelt. Jetzt hat der Konzern seine Technik veröffentlicht - und als Open-Source-Projekt zum Nachbauen bereitgestellt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eigentlich war das Projekt wohl ein ganz egoistisches: Facebook wollte Kosten sparen. Firmen wie Google, Microsoft, Apple und eben auch Facebook, betreiben riesige Rechenzentren, um die millionenfach auf sie einprasselnden Anfragen ihrer Kunden möglichst verzögerungsfrei abarbeiten zu können. Aufbau und Betrieb solcher Großrechenzentren sind allerdings eine gewaltige Aufgabe, bei der es um Millionenbeträge geht. Zwei Jahre hat ein kleines Team von Facebook-Technikern an seiner Version eines besonders effizienten und besonders sparsamen Rechenzentrums gearbeitet - jetzt werden die Früchte dieser Arbeit verschenkt.

Die Neuigkeit gab Facebook-Gründer Marc Zuckerberg am Donnerstag im Hauptquartier seiner Firma im kalifornischen Palo Alto bekannt. Gleichzeitig mit der Veröffentlichung von Bauplänen und Spezifikation für die von Facebook entwickelten Server und Rechenzentren startete das Unternehmen das Open Compute Project . Im Rahmen dieser Initiative sollen Interessierte nicht nur eigene Rechner und Rechenzentren auf Basis der Facebook-Vorlagen bauen, sondern diese auch verbessern und weiterentwickeln. Das Verfahren ist an die Prinzipien von Open-Source-Software wie Linux angelehnt und auf Hardware übertragen worden.

In einem Rechenzentrum, das Facebook in der Stadt Prineville in Oregon nach seinen neuen Entwürfen aufgebaut hat, sei der Stromverbrauch im Vergleich zu vergleichbaren Rechneranlagen des Unternehmens um 38 Prozent geringer, heißt es auf der Facebook-Seite zu dem Projekt . Die Kosten hätten dadurch um 24 Prozent gesenkt werden können.

Schönheit muss nicht sein

Dass Facebooks Vorstoß in der Computerbranche auf großes Interesse stößt, steht angesichts solcher Zahlen außer Zweifel. Bei der Veranstaltung am Donnerstag sollen Vertreter von Firmen wie DreamWorks, VMWare, Delta Airlines, Dell und Apple anwesend gewesen sein. Allesamt Firmen, die bereits große Rechenzentren betreiben und dankbar jeden Vorschlag aufgreifen dürften, die Kosten für Neuinstallationen und den Betrieb von Altanlagen zu senken.

Und da hat Facebook einiges zu bieten. In den 18 Monaten, die sie Zeit hatten, haben die Techniker des Unternehmens eigene Server, sogar eigene Hauptplatinen und Netzteile entwickelt. Die einzige Vorgabe dabei lautete: Es muss nicht schön sein, sondern effizient. Jonathan Heiliger, Vice President Technical Operations, bei Facebook erklärt da so: "Wir haben diese Server für uns, für Facebook gemacht. Und deshalb müssen sie für uns schön sein. Und das heißt, dass sie effizient sind, sehr billig und ehrlich gesagt auch zuverlässig."

Um drei Kilo abgespeckt

Das Ergebnis: Bei Facebooks Servern wurde alles weggelassen, was nicht unbedingt notwendig war. Sie haben keine Steckplätze, die sie nicht unbedingt benötigen, Anschlüsse die ein Server nicht nutzt, wurden weggelassen. Das direkt spürbare Resultat ist eine Gewichtseinsparung von drei Kilogramm pro Rechner. Scherzhaft bemerkt ein Facebook-Mitarbeiter, das würde auch die Arbeit im Rechenzentrum leichter machen, weil die Techniker nicht mehr so schwer schleppen müssen.

Vor allem aber sorgt die Reduktion an Bauteilen dafür, dass die Server weniger Strom verbrauchen und weniger Abwärme produzieren. Um die Abwärme weiter zu reduzieren, wurden zudem Netzteile mit einer Effizienz von 94,5 Prozent entwickelt, ein im PC-Bereich ungewöhnlich guter Wert, der dafür sorgt, dass bei der Umwandlung des Stroms aus der Steckdose in die vom Computer benötigten Spannungen weniger Energie in Form von Wärme verlorengeht.

Die Bauanleitungen liegen bereit

Neben dem Design der Server hat Facebook aber auch die Schränke, in denen die Server gestapelt werden, selbst entwickelt. Ebenso wurden für das Open Compute Project eine eigene Klimatisierungstechnik und ein Akkusystem für den Fall von Stromausfällen entwickelt. Die Bauanleitungen für sämtliche Komponenten der sparsamen Rechenzentren, sind ab sofort für jedermann frei zugänglich von der Seite des Open Compute Project herunterladbar, inklusive aller Spezifikationen und der CAD-Dateien zum Nachbauen.

Nun wird es interessant werden zu sehen, welche Firmen sich künftig an Facebooks Vorlagen orientieren und welche womöglich zur Verbesserung der Designs beitragen werden.

Oder ob das ganze Projekt zwar wohlwollend aufgenommen, dann aber doch von niemandem weiter verfolgt und letztlich im Sand verlaufen wird. Aber das wäre der denkbar schlechteste Ausgang. Die Branche hat ein Geschenk bekommen - sie sollte es nutzen.