Photoshop für Tablet und Smartphone: Touch-Apps von Adobe - DER SPIEGEL
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Adobe-Programme Das taugen die Photoshop-Apps für Tablet und Smartphone

Bilder auf Mobilgeräten bearbeiten? Läuft. Doch die Touch-Apps von Adobe stehen noch immer im Schatten ihrer ausgewachsenen Vorläufer für den Desktop. Das Fotomagazin "Docma" gibt einen Überblick.
Adobes Touch-Apps für Android und iOS stehen noch immer im Schatten ihrer ausgewachsenen Vorbilder für den Desktop
Adobes Touch-Apps für Android und iOS stehen noch immer im Schatten ihrer ausgewachsenen Vorbilder für den Desktop

Adobes Touch-Apps für Android und iOS stehen noch immer im Schatten ihrer ausgewachsenen Vorbilder für den Desktop

Foto: DOCMA/ Michael J. Hußmann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vor etwa drei Jahren hatte Adobe Touch-Apps für Android und iOS eingeführt. Doch schon Ende 2012 wurde ein große Teil davon wieder zurückgezogen, Adobe hatte die Weiterentwicklung zugunsten einer veränderten Strategie für Tablets und Smartphones eingestellt. Inzwischen sind jedoch wieder mehr als 20 Apps verfügbar, auch wenn nicht alle davon noch gepflegt werden.

"Color Lava for Photoshop" und "Eazel for Photoshop" für jeweils 2,69 Euro hatte Adobe als Companion-Apps für Photoshop CS5 eingeführt, mit denen man auf dem iPad Farben mischen beziehungsweise Bilder malen und über das Netzwerk an Photoshop übertragen kann. Allerdings wurden diese Apps seit 2011 nicht mehr aktualisiert.

Von den übrigen Produkten sind einige gratis, andere kostenpflichtig, während wieder andere nur als Teil der Creative Cloud genutzt werden können und daher den Abschluss eines Abos erfordern. Zusätzliche Funktionen können die Nutzer über In-App-Käufe erwerben.

Während Adobe den Markt der professionellen Bildbearbeitung dominiert, so weit es Desktop-Anwendungen betrifft, ist der Hersteller bei den Touch-Apps nur ein Anbieter unter vielen. Adobe hat allerdings auch nicht versucht, seinen Desktop-Boliden Photoshop aufs Tablet zu portieren; vielmehr sind es bislang drei Apps, die jeweils Teilaspekte von Photoshop aufgreifen und mit einer Touch-Oberfläche nutzbar machen: Photoshop Express, Photoshop Touch und Photoshop Mix.

Photoshop Express

Photoshop Express: Die Grundversion lässt sich durch In-App-Käufe erweitern

Photoshop Express: Die Grundversion lässt sich durch In-App-Käufe erweitern

Foto: DOCMA/ Michael J. Hußmann

Die älteste der drei Apps ist kostenlos; sie konkurriert vor allem mit Googles ebenfalls gratis angebotenem Snapseed, das weit mehr Funktionen hat. Der Schwerpunkt von Photoshop Express liegt in der Verbesserung von Tablet- und Smartphone-Aufnahmen, aber auch von höher aufgelösten Fotos externer Kameras. Bilder lassen sich unter anderem nachschärfen und im Kontrast verbessern; Schatten und Lichter können individuell optimiert, die Farbtemperatur korrigiert und (nach einem In-App-Kauf) das Rauschen unterdrückt werden.

Auch eine automatisierte Rote-Augen-Retusche gehört zum Funktionsumfang. Hautunreinheiten oder durch Staub auf dem Sensor verursachte Flecken lassen sich durch einfaches Antippen wegstempeln. Zusätzlich zu den 22 mitgelieferten Looks bietet Adobe kostenpflichtige Premium-Looks als In-App-Kauf an. Zum Schluss können Nutzer die Ausrichtung korrigieren und das Bild mit einem festen oder frei gewählten Seitenverhältnis beschneiden.

Photoshop Touch

Photoshop Touch: Diese App kommt dem "großen" Photoshop am nächsten

Photoshop Touch: Diese App kommt dem "großen" Photoshop am nächsten

Foto: DOCMA/ Michael J. Hußmann

Wenn eine App als Touch-Version von Photoshop gelten könnte, dann wäre es diese, auch wenn sich der Funktionsumfang wie die Arbeitsweise von der Desktop-Anwendung unterscheidet. Das merkt man natürlich auch an den Kosten: Photoshop Touch ist schon für 8,99 Euro (iPad), 7,99 Euro (Android-Tablets) beziehungsweise 4,99 Euro (Smartphones) erhältlich.

Photoshop Touch: Die Gradationskurve lässt sich getrennt für Rot, Grün und Blau verbiegen.

Photoshop Touch: Die Gradationskurve lässt sich getrennt für Rot, Grün und Blau verbiegen.

Foto: DOCMA/ Michael J. Hußmann

Die App unterstützt mehrere Ebenen mit neun Mischmodi und einer regelbaren Deckkraft, wenn auch keine Einstellungsebenen. Eine Tonwertkorrektur und RGB-Gradationskurven sowie Filter sind verfügbar, darüber hinaus so mächtige Funktionen wie eine freie Verformung, für die sich das Touch-Interface ideal eignet. Nutzer können Text in eigenen Ebenen hinzufügen und Verläufe anlegen.

Speziell die iOS-Version von Photoshop Touch hat in Apples Store einige schlechte Bewertungen wegen mangelnder Stabilität erhalten. Auch in unserem Test stürzte die App bisweilen ab - zu einem Datenverlust kam es dabei allerdings nicht.

Photoshop Mix

Photoshop Mix: Eine Spezialität dieser App ist die Überblendung zweier Bilder

Photoshop Mix: Eine Spezialität dieser App ist die Überblendung zweier Bilder

Foto: DOCMA/ Michael J. Hußmann

Die neueste Photoshop-App ist nur als Bestandteil der Creative Cloud erhältlich, einschließlich deren Version für Fotografen. Bislang ist die App allerdings iOS vorbehalten, Android wird noch nicht unterstützt. Die Funktionen von Photoshop Mix sind sehr speziell, können den Leistungsumfang der anderen Apps aber gut ergänzen. Der Name verweist auf die Möglichkeit, zwei Bilder in Ebenen zu laden, die sich dann mit einer Maske zu einer Montage überblenden lassen.

Daneben bietet Photoshop Mix rudimentäre Funktionen zur Bildverbesserung mit den Parametern "Belichtung", "Kontrast", "Klarheit" und "Sättigung". Eine Auswahl von Looks steht zur Wahl und natürlich lassen sich die Bilder ausrichten und mit freiem oder festem Seitenverhältnis beschneiden.

Photoshop Mix: Die App beherrscht auch eine Perspektivkorrektur.

Photoshop Mix: Die App beherrscht auch eine Perspektivkorrektur.

Foto: DOCMA/ Michael J. Hußmann

Eine Besonderheit dieser App sind server-basierte Funktionen, für die eine Internetverbindung nötig ist. Unter der Schaltfläche "Weitere" verbergen sich eine automatische Korrektur perspektivischer Verzerrungen, eine Verwacklungskorrektur und eine Funktion für das inhaltsbasierte Füllen.

Dazu werden die Bilder an Adobes Server geschickt, auf dem die eigentliche Bildverarbeitung stattfindet. Zur weiteren Bearbeitung in Photoshop können Sie das Ergebnis auch als PSD-Datei in die Creative Cloud laden; umgekehrt lassen sich Photoshop-Dateien aus der Cloud importieren.

Lightroom mobile

Seit Lightroom 5.4 hat Adobe seiner Desktop-Anwendung eine Touch-App zur Seite gestellt, die allerdings wie Photoshop Mix den CC-Abonnenten vorbehalten bleibt - auch weil die für die Nutzung nötige Synchronisation auf die Infrastruktur der Creative Cloud zurückgreift. Immerhin steht Lightroom mobile auch in einer Android-Version bereit.

Lightroom mobile: Zeigt Metadaten der Bilder und ein dynamisch aktualisiertes Histogramm an

Lightroom mobile: Zeigt Metadaten der Bilder und ein dynamisch aktualisiertes Histogramm an

Foto: DOCMA/ Michael J. Hußmann

Bevor man die App in irgendeiner Weise nutzen kann, muss man zunächst die Synchronisation mit der Desktop-Version von Lightroom aktivieren. Dazu gibt man eine oder mehrere Sammlungen frei. Ordner können nicht freigegeben werden und auch Smart-Sammlungen lassen sich nicht synchronisieren. Um den begrenzten Speicher des mobilen Geräts nicht unnötig zu belasten, werden die Bilddaten als Smart-Vorschau in die Creative Cloud geladen. Lightroom mobile zeigt Thumbnails der synchronisierten Dateien, lädt sie aber erst herunter, wenn man ein Bild zur Bearbeitung auswählt - es sei denn, man aktiviert die Offline-Bearbeitungsoption für die betreffende Sammlung. Die benötigt allerdings mehr Speicher. Die in der Touch-App gewählten Entwicklungseinstellungen werden ebenfalls synchronisiert, so dass man am Desktop-Computer dasselbe Bild sehen und weiterarbeiten kann.

Lightroom mobile: Gut ist beispielsweise der individuelle Weißabgleich gelöst

Lightroom mobile: Gut ist beispielsweise der individuelle Weißabgleich gelöst

Foto: DOCMA/ Michael J. Hußmann

Neben der Übernahme von Bildern auf den Desktop-Rechner durch eine Synchronisation gibt es die Möglichkeit, lokale Dateien auf dem Tablet oder Smartphone zu importieren, die dann wiederum mit dem Desktop synchronisiert werden. Die Gesamtheit aller synchronisierten Bilder kann man auch in einem beliebigen Webbrowser auf der Site lightroom.adobe.com  betrachten, nachdem man sich dort mit einer Adobe-ID angemeldet hat.

Die Entwicklungseinstellungen in Lightroom mobile sind gegenüber der großen Version stark eingeschränkt; es fehlen beispielsweise eine Gradationskurve und eine fein justierbare Rauschunterdrückung, Objektivkorrekturen und die Option einer Kamerakalibrierung. Auch die vorhandenen Einstellungen sind gegenüber dem Desktop-Pendant stark vereinfacht, und die Vorgaben lassen sich nicht durch benutzerdefinierte Presets erweitern. Immerhin kann man die Entwicklungseinstellungen eines Fotos auf ein anderes übertragen. Für eine erste Beurteilung der Aufnahmen und eine Entwicklung der Rohdaten zu einem vorzeigbaren Resultat reichen die Möglichkeiten jedoch aus. Lightroom mobile empfiehlt sich also insbesondere für die grobe Vorarbeit, während die Feinarbeit die Domäne von Lightroom bleibt.

Lightroom mobile: Die Vorgaben-Liste ist lang, lässt sich aber nicht durch eigene Presets erweitern

Lightroom mobile: Die Vorgaben-Liste ist lang, lässt sich aber nicht durch eigene Presets erweitern

Foto: DOCMA/ Michael J. Hußmann

Fazit

Adobes aktuelles Portfolio an Apps zur Bildbearbeitung lässt noch kein klares Konzept erkennen. Mit Lightroom mobile verfolgt Adobe gleichwohl einen sehr nützlichen Ansatz. Die diversen Touch-Apps mit "Photoshop" im Namen könnten ein überzeugenderes Produkt sein, wenn sie zu einer einzigen App zusammen gefasst wären und auf In-App-Käufe verzichten würden.