Ifa 2018: Roboter temi ist halb Tablet und halb Tablett - DER SPIEGEL
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Roboter temi auf der Ifa Dieser Butler muss noch üben

Der Roboter temi rollt durch die Wohnung, nimmt Befehle entgegen und steuert das Smarthome. Auf der Ifa wollen seine Entwickler erklären, warum er mehr als ein Bildschirm auf Rädern und seinen stolzen Preis wert ist.
Roboter und persönlicher Assistent: temi
Roboter und persönlicher Assistent: temi

Roboter und persönlicher Assistent: temi

Foto: temi
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Schriftsteller William Gibson steht im Ruf, die Zukunft voraussagen zu können wie kaum ein Zweiter. Er selbst weist das stets zurück , aber Cyberspace, Reality TV, Virtual und Augmented Reality hat Gibson so früh beschrieben, dass er mitunter ein eigenes Vokabular dafür erfinden musste. In Halle 26 auf dem Berliner Messegelände steht nun etwas vor mir, das aus Gibsons jüngstem Roman "Peripherie" stammen könnte: Temi, der Roboter mit dem Bildschirmgesicht, erinnert mich an den Wheelie Boy aus dem Buch - einen fahrenden Telepräsenzroboter, dessen Bildschirm am Ende einer roten Plastikstange befestigt ist.

Die Firma Double  hatte so etwas schon 2016 vorgestellt, temi ist nun so etwas wie die Edelvariante davon. Der Roboter ist einen Meter groß, fährt auf Rollen und besteht ansonsten aus einem Tablet und einem Tablett. Auf Letzterem kann er leichte Gegenstände durchs Haus transportieren oder wahlweise das Handy kabellos aufladen. Aber wichtiger ist der Bildschirm, der ihn wie einen Wheelie Boy zum Telepräsenz-Bot macht. Zu einem recht mobilen, der zudem aufs Wort gehorcht, jedenfalls mehr oder weniger.

temi kann Haustieren ausweichen, aber keine Treppen steigen

"Wir wollten einen Grund schaffen, das Smartphone beiseitezulegen, wenn man nach Hause kommt", sagt Danny Isserles von der Firma, die temi entwickelt hat und so heißt wie das Produkt.

Ein persönlicher Assistent soll temi sein: Auf Zuruf kommt er angerollt, den Bildschirm immer auf den Benutzer ausgerichtet, startet Videotelefonate oder Musik, steuert vernetzte Haushaltstechnik oder fotografiert. Kurz: Er tut, was ein Smartphone oder ein smarter Lautsprecher wie Amazons Echo oder Googles Home auch kann, nur eben überall im Haus. Mit Teppichboden soll er ebenso gut klarkommen wie mit Holzboden, auch Türschwellen sollen kein Problem darstellen. Nur Treppen sind für ihn unüberwindbar. Dafür soll er Haustieren, Kleinkindern und anderen Hindernissen selbstständig und zuverlässig ausweichen.

Die Abstellfläche auf der Rückseite von temi ist auch ein Lade-Pad fürs Smartphone.

Die Abstellfläche auf der Rückseite von temi ist auch ein Lade-Pad fürs Smartphone.

Foto: temi

Er kann seinem Besitzer folgen, die vorher gelernten Wege zum Beispiel in die Küche oder das Wohnzimmer nehmen - oder man verbindet sich von unterwegs per App mit temi und steuert den Roboter per Smartphone durchs eigene Haus. In der Vorstellung der Entwickler schafft das eine tiefergehende Verbindung zur Familie daheim als ein Skype-Gespräch übers Smartphone.

Die Sprachausgabetechnik, mit deren Hilfe temi zum Beispiel aktuelle Nachrichten vorliest, kommt von Google. Das Betriebssystem des Tablets basiert auf Android, die Lautsprecher sind von Harman Kardon (und machen ordentlich Lärm). Bisher kann temi nur die smarten Leuchten von Philips Hue steuern. Weitere Smarthome-Anwendungen sollen aber folgen, dafür sollen externe Entwickler sorgen. Selbst entwickelt ist hingegen das Lidar-System zur Navigation. Der Akku soll etwa acht Stunden halten, dann fährt temi in seine Dockingstation, so wie man das von Rasenmäher-Robotern kennt.

Verkaufsstart im Oktober

Eine Art künstliche Persönlichkeit entwickelt temi - anders als zum Beispiel Ankis Cozmo oder Sonys Roboterhund Aibo - nicht. "Das ist kein Spielzeug", sagt Isserles. Neben dem Einsatz im Privatbereich könne temi auch in Unternehmen verwendet werden, in denen es häufig Videokonferenzen gibt.

temi auf der Ifa in Berlin

temi auf der Ifa in Berlin

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die kurze Vorführung auf der Ifa am Mittwochnachmittag läuft nicht ganz rund. Ohne stabiles WLAN ist temi nicht zu gebrauchen, außerdem versteht er nicht immer, was man ihm sagt. Wer ab und zu Apples Siri verwendet, kennt das Problem. Außerdem sind es nur Vorserienmodelle, die über den Stand von temi rollen. Aber als Isserles sagt, "temi, mach ein Foto", antwortet der Roboter "Okay, mach dich bereit" und richtet seine Kamera auf das Gesicht. Das Bild landet dann direkt auf dem gekoppelten Smartphone.

Ist das die 1500 Euro wert, die temi kosten wird? Auf dem Markt gebe es derzeit nichts Vergleichbares, behauptet Isserle. Aber wer eher selten das Bedürfnis hat, Videotelefonate zu führen und dabei die Hände frei zu haben, der wird vielleicht doch eher zum Smartphone oder Tablet greifen - oder sich einfach Smartspeaker in mehrere Räume stellen. Das wäre in der Summe immer noch günstiger.

temi soll bald Deutsch lernen

Am ersten Oktober wird der Verkauf von temi beginnen, online und in Berlin zum Beispiel im berühmten KaDeWe. Die eigentliche Lieferzeit wird dann aber noch einmal sechs Wochen betragen. Bisher versteht und spricht der Roboter nur Englisch und Chinesisch, aber im Laufe der kommenden vier bis sechs Monate sollen 25 weitere Sprachen hinzukommen.

Fans von William Gibson werden sich möglicherweise freuen, dass schon wieder etwas Wirklichkeit wird, was der Autor schon vor Jahren beschrieben hat. Wobei die Welt, die Gibson in "Peripherie" beschreibt, abgesehen von den Telepräsenz-Robotern ziemlich fürchterlich ist. Alle anderen dürften sich gut überlegen, ob dieser Roboter ihren Haushalt wirklich bereichert.