Faltbares Smartphone: Das ist Samsungs Galaxy Fold
Falt-Handy Galaxy Fold Ein Vormittag mit dem spektakulärsten Smartphone der Welt
Der Preis ist eine Ansage: 2000 Euro will Samsung für ein Galaxy Fold haben, wenn es im Mai in den Handel kommt. Nicht 1999 Euro und auch nicht 1999,99 Euro. Damit stellt der Smartphone-Marktführer klar: Wer sich dieses Gerät kaufen will, muss es sich auch leisten können.
Für das viele Geld bekommt man etwas, das mich erst einmal stark an Nokias Communicator aus der Zeit der Jahrtausendwende erinnert: Sehr lang und schmal ist das Gerät, aber auch sehr dick. Daumendick ungefähr. Es passt in die Hosentasche, ragt dann aber oben heraus. Schließlich besteht es im Grunde aus zwei Smartphones, die aufeinanderliegen.
Fast wie aus der Zeit gefallen wirkt auch das äußere Display. Klar, es ist brillant und scharf, aber auch von einem extrabreiten Rahmen eingefasst und mit 4,6 Zoll für heutige Verhältnisse winzig.
Doch das äußere Display ist ohnehin nur eine Art Schaufenster für das, was es drinnen zu sehen gibt - und das ist eine Menge. Denn klappt man das Galaxy Fold auf, was auch einhändig funktioniert, entfaltet sich ein riesiger Bildschirm. Mit 7,3 Zoll ist er fast so groß wie der eines iPad mini. Das Seitenverhältnis von 4:3 - so wie bei alten Fernsehern - ist ungewohnt.
Faltbares Smartphone: Das ist Samsungs Galaxy Fold
Aber ungewohnt ist am Galaxy ohnehin fast alles - und das ist gut so. Nach etlichen Jahren, in denen sich Smartphones nur in Details weiterentwickelt haben, sind Geräte wie das Fold wieder etwas grundsätzlich Neues, Anderes. Wenn die Hersteller es richtig machen - im Moment ist das neben Samsung vor allem Huawei -, könnte daraus eine neue Generation von Smartphones entstehen.
Die Theorie
Die Entwicklung, sagt mir ein Samsung-Sprecher, der mich einen halben Vormittag lang mit meinem Testgerät begleitet, habe zehn Jahre gedauert. Erst neue Kunst- und Klebstoffe hätten die Konstruktion eines derart flexiblen Bildschirms ermöglicht, wie er für das Falt-Handy nötig ist.
Ansonsten aber ist das Fold aus den gleichen Bausteinen aufgebaut, die beispielsweise auch im Galaxy S10 Plus stecken, so wie der Prozessor von Qualcomm. Für Apps, Fotos, Musik und Videos stehen 512 Gigabyte (GB) im Gerät zur Verfügung, der Arbeitsspeicher ist zwölf GB groß. Auch lässt es sich kabellos aufladen und kann mit Gigabit-WLAN sowie LTE mit bis zu 1,2 Gigabit pro Sekunde umgehen - sollte man ein Netz finden, das so etwas schafft.
Galaxy S10 im Test: Das können die neuen Samsung-Smartphones
Wie ein Overkill wirkt die Bestückung mit insgesamt sechs Kameras: Das Trio auf der Rückseite entspricht dem im Galaxy S10 Plus, innen steckt eine 12-Megapixel-Kamera für Selfies, der ein 8-Megapixel-Tiefensensor für Unschärfeeffekte zur Seite steht. Dazu kommt eine weitere Selfie-Kamera mit 10 Megapixeln auf der Vorderseite. Offensichtlich wollte man sicherstellen, dass man mit dem Galaxy Fold immer fotografieren kann, egal, wie man es dreht und wendet.
Technisch verwundert nur ein Detail: Wasserdicht ist das Falt-Samsung nicht. Dabei sollte das in dieser Preisklasse zur Standardausstattung gehören.
Die Praxis
Nach zwei Stunden mit dem Vorseriengerät frage ich mich: Warum hat Samsung das Galaxy Fold bisher nur hinter Glas gezeigt? Das mechanisch filigran aufgebaute Scharnier meines Testgeräts braucht zwar ein wenig Kraft, lässt das Falt-Display aber zuverlässig und geschmeidig aufklappen.
Das Galaxy Fold beim Aufklappen
Foto: SPIEGEL ONLINEDie Falte in der Mitte des Bildschirms ist klar zu sehen - bei der richtigen Beleuchtung und aus dem richtigen Blickwinkel. Beim normalen Umgang mit dem neuen Galaxy aber fällt sie mir überhaupt nicht auf. Das macht mich stutzig. Hier hatte ich die große Schwäche des Galaxy Fold erwartet. Tatsächlich aber stört mich die leichte Unebenheit an diesem Vormittag überhaupt nicht. Es dauert nicht lange, bis ich sie weitgehend vergessen habe und stattdessen ausprobiere, wozu man den großen Bildschirm benutzen kann.
Apps im XL-Format
Das sind zunächst einmal daran angepasste Apps. Einige Google-Apps, wie der Chrome-Browser, Maps, Gmail und der Kalender gehören dazu, und auch Netflix hat seine App angepasst. Wegen des 4:3-Formats werden Filme im modernen 16:9-Format deshalb mit schwarzen Balken oben und unten dargestellt, die aber nicht so dick sind wie befürchtet. Zudem werden Untertitel bei diesem Format im Schwarzraum unter dem Film eingeblendet.
Die vier Farbvarianten des Galaxy Fold
Foto: SPIEGEL ONLINE"App Continuity" nennt Samsung eine Technik, die bei solchen Apps dafür sorgt, dass sie sich genau wie der Bildschirm auf- und zuklappen und dabei unterbrechungsfrei weiterlaufen - egal, ob das Handy auf- oder zugeklappt ist. Als Beispiel spiele ich das Rennspiel "Asphalt 9", bei dem ich ein Rennen auf dem großen Display anfange und nach dem Zuklappen auf dem Außendisplay weiterspielen kann - wenn mein virtueller Rennwagen bei dem Manöver nicht aus der Spur fliegt.
Die große Frage: Ist das noch ein Smartphone?
Nach einem Vormittag mit dem Galaxy Fold hat sich meine Meinung zu faltbaren Smartphones geändert. Vielleicht sind sie doch mehr als bloß eine Spielerei von Ingenieuren. Die paar Stunden mit dem Gerät haben mir gezeigt, dass es einen praktischen Nutzen hat, vor allem aber Spaß macht, so einen Faltbildschirm zu haben. Vieles funktioniert schon jetzt gut, und man kann davon ausgehen, dass Google die nächste Android-Version für Falt-Smartphones optimieren wird.
So nebenbei könnten Geräte wie das Galaxy Fold auch Googles Tablet-Problem lösen. Anders als für iPads gibt es für Android-Tablets kaum wirklich gut an den größeren Bildschirm angepasste Apps. Das könnte sich ändern, wenn mehr Smartphones mit XL-Bildschirmen erhältlich sind.
Bleibt nur die Frage, ob man einem Gerät wie dem Galaxy Fold überhaupt gerecht wird, wenn man sie als faltbare Smartphones bezeichnet. Sind es nicht eigentlich eher faltbare Tablets, mit denen man auch telefonieren kann?