Samsung Gear Live: Test der neuen Google-Smartwatch - DER SPIEGEL
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Smartwatch-Test: Samsung Gear Live ausprobiert

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Samsung Gear Live im Test Hallo Uhr! Verstehst du mich?

Samsung hat eine der ersten Uhren mit dem neuen Betriebssystem Android Wear vorgestellt. Am Rande der Google I/O konnten wir die Gear Live ausprobieren: Wie schlau ist die Smartwatch wirklich?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der erste Eindruck ist positiv. Samsungs Gear Live fühlt sich gut an, nicht so billig wie es ihr Hauptmaterial, Plastik, vermuten lässt. Am Arm getragen schmiegt sie sich gut an. Offenbar ist die Wölbung der Unterseite gut der menschlichen Anatomie angepasst. Der mit 1,63 Zoll winzig erscheinende Amoled-Bildschirm ist brillant und funktioniert auch im Freien gut. Es gibt nur einen Knopf, den zum Einschalten. Alles andere erledigt man am Touchscreen oder per Sprachbefehl.

Schon während der Ersteinrichtung bekommt man innerhalb der Android-Wear-App eine kleine Anleitung zu sehen, die die grundlegenden Gesten der Uhr erklärt. Einmal aufs Display tippen oder den Arm heben beendet den Ruhezustand. Indem man von unten nach oben über das Display wischt, arbeitet man sich durch die verschiedenen Benachrichtigungen, die auf der Uhr eingegangen sind.

Google weiß, wohin ich will

Mit einem Wisch nach rechts wird eine zweite Informationsebene aufgerufen. Wird beispielsweise gerade der Wetterbericht angezeigt, gelangt man mit der Handbewegung zu einer Vier-Tage-Vorschau. Je nach Benachrichtigungstyp gibt es unterschiedlich viele solcher Ebenen. Hat man beispielsweise gerade am PC oder Smartphone bei Google oder Google Maps eine Adresse gesucht, wird auf der Uhr die voraussichtliche Fahrtzeit dorthin angezeigt.

Ein erster Wisch nach rechts fördert eine Karte mit der Route zutage, nach einem zweiten bekommt man die Option "Navigation starten", die bei unserem Testgerät nicht funktionierte - möglicherweise ein Fehler in der Vorab-Software. Problemlos konnte ich aber ein weiteres Mal nach rechts wischen, um die Option "Auf Telefon öffnen" auszuprobieren, welche auf dem gekoppelten Handy den Assistenten Google Now mit der entsprechenden Routenempfehlung öffnet.

Die Uhr versteht nur deutliche Ansagen

Die Option, eine Anwendung auf dem Handy zu öffnen, tauchte während des kurzen Tests ohnehin immer wieder auf. Sie zeigt, dass Smartwatches mit Android Wear nicht ganz so schlau sind, wie man es sich wünschen würde. Die vermeintlich klugen Uhren sind eben doch in erster Linie ein zweiter Bildschirm, der Informationen wiedergibt, die auf dem Telefon gespeichert sind oder empfangen werden.

Diese Aufgabe erledigt Android Wear sehr lässig. Im Grunde handelt es sich um ein System geordneter Informationskarten, die von der Uhr übersichtlich präsentiert werden. Wie vermutet, basiert das System auf den Infokarten der Google-Now-App, die es für Android und iOS gibt. Allerdings werden auf dem kleinen Bildschirm nicht alle, sondern nur die wichtigsten Informationen wiedergegeben. Sonst würde das Lesen auf dem kleinen Display zu anstrengend. So jedoch lassen sich die Infohäppchen schnell aufnehmen.

Ausgerechnet die Sprachsteuerung, die dem Nutzer das lästige Tippen auf den Bildschirm abnehmen soll, funktioniert nicht vollkommen zuverlässig. Um brauchbare Ergebnisse zu erzielen, muss man auf eine deutliche Aussprache achten. Aber selbst dann sind die Ergebnisse oft unbefriedigend, was womöglich auch an der geringeren Tiefe der Datenverknüpfung beim deutschen Google liegt. Ein Beispiel: Die Frage nach der aktuellen Abflugzeit eines Linienflugs beantwortet die US-Version mit aktuellen Angaben über etwaige Verspätungen. Die deutsche Version liefert eine Liste von Webseiten, auf denen man sich die gewünschten Informationen selbst zusammensuchen soll.

Vorläufiges Fazit

Abgesehen von diesem Manko fehlen der Gear Live und Android Wear vor allem noch Apps. Mindestens zwanzig Anbieter sollen ihre Programme bereits an das neue System angepasst haben. Für die Allgemeinheit werden diese Apps aber erst Anfang Juli erhältlich sein, wenn die Android-Smartwatches von Samsung und LG in den Versand gehen.

Abgesehen von diesem leicht erklärbaren Mangel sind es zwei Dinge, die meine Begeisterung für die neue Smartwatch mindern. Zum einen der noch eingeschränkte Nutzen: Statt das Handy aus der Tasche zu ziehen, muss ich jetzt den Arm heben und mit Wischbewegungen von einer Meldung zur nächsten scrollen.

Zum anderen ist es die Akkulaufzeit. Samsung sagt selbst, dass nicht mehr als ein Tag drin ist - und selbst das wird wohl nur klappen, wenn man die Uhr lediglich maßvoll verwendet. Für Android-Wear-Anwender bedeutet das, dass sie künftig nicht mehr nur ihr Handy, sondern auch ihre Uhr regelmäßig an die Steckdose anschließen müssen.



Samsungs Gear Live und LGs Konkurrenzmodell G Watch sind im Google Play Store für jeweils 199 Euro erhältlich.