Schlechte Kritiken: Beim Blackberry-Hersteller liegen die Nerven blank - DER SPIEGEL
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Schlechte Kritiken Beim Blackberry-Hersteller liegen die Nerven blank

In wenigen Tagen beginnt der Verkauf des Playbook. Erste Testberichte attestieren dem Blackberry-Tablet Schwachstellen, was den Konzern offenbar nervös macht. Auf bohrende Fragen eines Reporters reagierte der Firmenchef dünnhäutig - und beendete das Interview abrupt.
RIM-Co-Chef Mike Lazaridis: Reagierte unwirsch auf unangenehme Journalistenfragen
RIM-Co-Chef Mike Lazaridis: Reagierte unwirsch auf unangenehme Journalistenfragen

RIM-Co-Chef Mike Lazaridis: Reagierte unwirsch auf unangenehme Journalistenfragen

Foto: ROBERT GALBRAITH/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eigentlich gilt Mike Lazaridis als netter, umgänglicher Mann. Der Co-Chef des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM) ist meist ruhig und gelassen, geht auf Pressekonferenzen und in Interviews auf die Fragen seines Gegenübers ein - normalerweise. Als er aber am Mittwoch von einem BBC-Reporter auf die Probleme seiner Firma mit einigen arabischen Staaten und Indien befragt wurde, brach er das Gespräch harsch ab.

Das eigentliche Thema des Interviews war das Playbook, der Tablet-PC des kanadischen Konzerns, der ab kommender Woche in den USA in den Handel kommt. Dann aber stellte der Reporter Rory Cellan-Jones Fragen, die Lazaridis offensichtlich unangenehm waren. "Kommen wir jetzt zu den Sicherheitsproblemen, die sie in einigen Ländern haben", leitete er seine Frage ein.

Einige Regierungen hatten in den vergangen Monaten Zugriff auf die verschlüsselten Datenverbindungen der populären Blackberry- Smartphones gefordert. Die Regierungen begründeten die Begehrlichkeiten damit, dass Sicherheitsbehörden die Möglichkeit haben müssen, terroristische Aktivitäten zu verfolgen. Falls RIM sich den Forderungen nicht beuge, würde man die Geschäfte des Unternehmens im jeweiligen Land unterbinden. RIM wiederum versuchte sich solche Androhungen mit dem Argument zu entziehen, man habe selbst keinen Zugriff auf die vor fremden Blicken geschützten Mitteilungen, könne deshalb auch anderen keinen Einblick gewähren.

"Das ist unfair"

Auf diese Probleme angesprochen, reagierte Lazaridis dünnhäutig, bezeichnete den Fragesteller als unfair und erklärte, es gebe bei Blackberrys kein Sicherheitsproblem. Vielmehr habe man die sicherste Plattform der Welt, sei einzigartig. Außerdem seien Blackberrys "Kultprodukte, die gleichermaßen von Staatsführern, Prominenten, Normalos und Teenagern genutzt werden". Man sei einfach "zu erfolgreich". Damit wollte sich Cellan-Jones aber nicht abspeisen lassen und fragte noch einmal nach: "Können sie unseren Zuschauern garantieren, dass sie ihre Blackberrys in ihren Ländern sicher benutzen können?" Lazaridis Reaktion: "Das Interview ist beendet".

Warum der RIM-Manager auf die naheliegenden Fragen so gereizt reagierte, ist aus dem Videomitschnitt der BBC  nicht ersichtlich. Möglich, dass er auf die Fragen einfach nicht vorbereitet war, weil ein anderes Thema für das Gespräch vereinbart war. Eine Entschuldigung kann das aber nicht sein. Möglich aber auch, dass Lazaridis derzeit einfach unter großem Druck steht, weil die Einführung des Playbook für seine Firma extrem wichtig ist. Im Smartphone-Bereich nämlich verliert RIM trotz seines treuen Kundenstammes kontinuierlich Marktanteile an Firmen, die schneller und besser auf den Touchscreen-Trend reagiert haben. Mit dem Blackberry-Tablet will das Unternehmen sich nun ein zweites Standbein in einem hart umkämpften und derzeit noch von Apple dominierten Markt schaffen.

Was noch fehlt

Doch die ersten Testberichte aus den USA sind alles andere als überschwänglich. Die größten Kritikpunkte: So fehlen dem Playbook ein E-Mail-Programm und ein Kalender, eigentlich Kernkompetenzen des Unternehmens. Playbook-Besitzer müssten ihre Nachrichten deshalb umständlich via Webbrowser abfragen. Zudem funktioniere das Tablet nur via W-Lan und sei eigentlich nur im Zusammenspiel mit einem Blackberry richtig zu gebrauchen. Vor allem aber wird das Fehlen etlicher Programme bemängelt, an die sich viele Tester auf anderen Plattformen offenbar schon gewöhnt haben. Dabei kann RIM die für eine Produkteinführung eigentlich stattliche Zahl von 3000 Playbook-Apps vorweisen. Doch darunter fehlen wichtige Kernfunktionen wie die Videochat-Software Skype, eine Navigations- App oder das extrem populäre Spiel "Angry Birds".

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Blackberry-Tablet: RIM stellt das Playbook vor

Foto: ROBERT GALBRAITH/ REUTERS

Trotzdem gibt kaum ein Tester das Blackberry-Tablet verloren. Der Tenor der Tester: RIM hat das Produkt zu früh veröffentlicht, kann und muss nachbessern. Techcrunch  fasst das so zusammen: "Hier ist viel Raum für Verbesserungen, aber es gibt auch viele Hinweise auf solche Verbesserungen - die relativ schnell kommen könnten".

Was ist wichtig?

Tatsächlich hat RIM bereits etliche Updates angekündigt. So will der Konzern fehlende Funktionen wie E-Mail und Kalender im Sommer per Software-Auffrischung nachliefern. Ebenso ist bereits eine Version mit eigenem Mobilfunk-Modul geplant, die unabhängig von W-Lan oder Blackberry online gehen kann.

Doch die Aussicht auf künftige Updates wird wohl kaum jemanden dazu verführen, sich jetzt schon ein Playbook zu kaufen. Abzuwarten bleibt jedenfalls, wann das Unternehmen sein Tablet in anderen Staaten anbieten wird. Vielleicht wartet RIM ja auch, bis zumindest die größten Mängel beseitigt sind.

Mit dem Frühstart jedenfalls hat sich der Konzern keinen Gefallen getan - ebenso wenig wie Geschäftsführer Mike Lazaridis mit seinem Auftritt vor der BBC-Kamera. Denn damit hat er das Thema, dass er offensichtlich so gerne unter den Teppich kehren wollte, ungewollte wieder in den Fokus gerückt: Wie steht es eigentlich um die Forderungen einiger Ländern, den Datenverkehr der Blackberrys mithören zu wollen? Gab es da nicht noch Klärungsbedarf?