Verschlüsselungshandy: Das Blackphone 2 im Test
Blackphone 2 im Test Das Anti-Späh-Smartphone
Die Vorgabe ist klar: Das Blackphone 2 soll es Angreifern so schwer machen wie nur möglich. Mehr kann man von einem Smartphone, das "kompromisslosen Datenschutz" bieten soll, nicht verlangen. Denn absolute Sicherheit gegen Hackerangriffe gibt es nicht. Aber man kann es Spähern wie denen von der NSA schwer machen, indem man sein Handy, seine Nachrichten und seine Gespräche verschlüsselt. Genau das tut das Blackphone 2.
Die Basis dafür bildet ausgerechnet Googles Android-Betriebssystem, das nicht gerade als Beispiel für besten Datenschutz gilt. Das allerdings wurde von den Entwicklern, darunter Phil Zimmermann, der die Verschlüsselungssoftware PGP (Pretty Good Privacy) erfunden hat, stark modifiziert. So stark, dass sie ihm am Ende einen eigenen Namen gaben: Silent OS.
Eine wichtige Komponente dieses Systems ist das sogenannte Sicherheitscenter. Im Grunde handelt es sich dabei um ein eigenes Einstellmenü für fast alle sicherheitsrelevanten Aspekte des Handys.
Selbst entscheiden: Im Sicherheitscenter lässt sich die Stärke das Datenschutzes einstellen
Und dazu gehört einiges. So kann man hier einstellen, dass sich die Daten auf dem Blackphone 2 notfalls aus der Ferne löschen lassen, falls es gestohlen wird oder verloren geht. Der Haken daran: Der Löschbefehl kann nur ankommen, wenn das Gerät online ist. Es genügt also, die Sim-Karten zu entfernen, um diesen Schutz auszuhebeln.
Ab Werk verschlüsselt
Aber selbst dann sind die Daten einem Dieb oder Finder nicht schutzlos ausgeliefert, denn der Speicher des Blackphone 2 ist ab Werk verschlüsselt. Bei anderen Android-Smartphones muss man eine solche Verschlüsselung in der Regel manuell aktivieren. Geschützt werden davon allerdings nur die Daten im internen Speicher des Blackphone 2. Alles, was man auf einer eventuell eingelegten Speicherkarte ablegt, bleibt davon unberührt.
Ein wichtiges Extra ist die Möglichkeit, im Sicherheitscenter für jede installierte App einzustellen, auf welche Daten und Dienste sie zugreifen darf, auf welche nicht und bei welchen sie erst nachfragen muss, bevor sie sie nutzen darf. Damit kann man Apps einschränken, die sich bei der Installation allzu großzügige Rechte einräumen lassen. Mit Android 6 Marshmallow wird man das auch auf anderen Handys tun können, doch dieses Update wird wohl erst 2016 für aktuelle Geräte verfügbar sein.
Verschiedene Räume auf dem Handy
Ein anderes Extra sind die sogenannten Spaces. Das sind virtuelle Homescreens, der sich nach den eigenen Bedürfnissen konfigurieren lässt. So kann man beispielsweise einen privaten Space einrichten, in dem man Apps und sich selbst viele Freiheiten lässt. Hier kann man auch mal ein Spiel ausprobieren oder eine App aus einem alternativen App Store laden.
Für Berufliches aktiviert man stattdessen lieber höhere Sicherheitseinstellungen, verbietet beispielsweise die Nutzung nicht firmenkonformer Apps. Eine Verbindung zwischen den Spaces gibt es nicht, sodass eine eventuell in den privaten Space eingeschleppte Schadsoftware nicht auf die Firmendaten zugreifen kann.
Zwischen den Spaces kann man ohne Neustart beliebig wechseln, IT-Administratoren können sie per Fernsteuerung konfigurieren. Ein bisschen erinnert dieses System an Blackberrys Balance, bei dem man ebenfalls zwischen privaten und beruflichen Inhalten wechseln kann.
Das 72-Stunden-Versprechen
Eine Kernfunktion des Blackphone 2 ist jedoch die verschlüsselte Kommunikation. Die wird über die vorinstallierte App Silent Phone abgewickelt, die Nachrichten und Gespräche verschlüsseln kann. Das funktioniert jedoch nur mit Gesprächspartnern, die auch die Silent-Phone-App nutzen und ein Abo gebucht haben, das ab zehn Dollar pro Monat kostet. Im Preis des Blackphone 2 ist ein Einjahresabo inklusive 100 monatlicher Gesprächsminuten im Wert von 155 Dollar enthalten.
Technische Daten
| Hersteller | Silent Circle |
|---|---|
| Modell | Blackphone 2 |
| Maße (Millimeter) | 152 x 76 x 8 |
| Gewicht | 165 Gramm |
| Sprechzeit | k.A. |
| Standby | k.A. |
| Display-Diagonale | 5,5 Zoll |
| Display-Auflösung | 1920 x 1080 |
| Prozessor | 1,7 GHz Octacore |
| Arbeitsspeicher | 3 GB |
| Massenspeicher | 32 GB |
| Speichererweiterung | microSD |
| Kamera (hinten/vorne) | 13 MPx / 5 MPx |
| Mobilfunktechnik | LTE |
| W-Lan | 802.11 a/b/g/n/ac |
| Bluetooth | 4.0 LE |
| Betriebssystem | Silent OS 1 |
| Besonderheiten | Verschlüsselungs- und Sicherheitsfunktionen |
| Preis (Euro) | 875 |
Hinsichtlich der Sicherheit gegenüber Hackerangriffen wirbt Silent Circle zudem mit einem großen Versprechen: Jede Sicherheitslücke, die bekannt wird, will man binnen 72 Stunden per Update schließen. Zumindest bei der Stagefright-Lücke hat das Unternehmen lange vor Google einen Patch für die Blackphone-Geräte der ersten Generation verteilt.
Fazit
Wegen der Hardware muss man das Blackphone 2 nicht kaufen. Vergleichbare Android-Smartphones mit 5,5-Zoll-Display, Octa-Core-Prozessor, 32-Gigabyte-Speicher und 13-Megapixel-Kamera bekommt man anderswo günstiger. Immerhin liegt es mit 875 Euro preislich auf Augenhöhe mit einem iPhone 6s Plus.
Wer es darauf anlegt, kann viele der Sicherheitsfunktionen mithilfe von Apps zudem auch selbst auf einem Android-Smartphone installieren. Das allerdings wäre sehr aufwendig, ist nur von Experten zu leisten und wird keinen so tief greifenden Schutz bieten wie das Silent OS.
Was dem Blackphone 2 allerdings fehlt, ist eine Möglichkeit, E-Mails verschlüsselt zu versenden und zu empfangen. Hier haben Blackberrys einen klaren Vorteil, wobei man mit aktuellen Modellen auch Android-Apps nutzen kann.