Smartphone-Schutzhülle So wird das iPhone zum Abenteuerhandy
Auch wenn sie offenbar extrem populär sind: Ich mag keine Handy-Schutzhüllen. Sie sind unpraktisch, machen das Smartphone klobig, verändern sein Design und stören, wenn man es aus der Tasche ziehen will. Aber auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas gibt es einen weiteren Grund, aggressiv auf die bunten Kunststoffhüllen zu reagieren. Gefühlt Hunderte Aussteller in jeder Messehalle widmen sich der Verschleierung von Smartphones.
An den meisten dieser Exponate kann man getrost vorbeigehen. Nicht aber an denen der Firma Lifeproof aus dem kalifornischen San Diego. Denn die verspricht Erstaunliches für ihr Produkt. Bis zwei Meter Tiefe soll es wasserfest sein und auch die militärische Spezifikation MIL STD-810F-516.5 einhalten, was bedeutet, dass es einen Sturz aus zwei Meter Höhe auf Beton aushalten müsste.
Zudem erfüllt die Hülle die sogenannte IP-68-Spezifikation für Schutz gegen das Eindringen von Staub und Schmutz und hält angeblich jede Menge Schnee und Eis von ihrem Inhalt fern. Sie ist speziell für das iPhone 4 und 4S konstruiert, mit gutem Grund. Apples Handy ist mit seinen Vorder- und Rückseiten aus Glas nicht gerade für den Einsatz unter Extrembedingungen prädestiniert.
Linsen schützen die Kamera
Der Zusammenbau geht recht schnell, wobei man durchaus Kraft aufwenden muss, um alle Verbindungen von Ober- und Unterhälfte dicht zu schließen. Für eine als besonders robust angepriesene Hülle ist das Lifeproof Case ungewöhnlich schlank, schmiegt sich eng an das Handy an. Einer der Vorteile der Konstruktion: Der Touchscreen lässt sich problemlos bedienen. Das Versprechen, das Handy sei auch unter Wasser noch bedienbar, wird nur eingeschränkt eingelöst. Tatsächlich musste ich meist mehrfach auf Icons tippen, um sie zu aktivieren.
Dabei sollte gerade das gut klappen, denn die Hülle wird explizit als besonders gut tauglich für Unterwasser-Video- und Fotoaufnahmen angepriesen. Über dem Objektiv der iPhone-Kamera sind im Lifeproof Case zwei dünne Glaslinsen angebracht, die dafür sorgen sollen, dass man im Wasser eine gute Aufnahmequalität erreicht. Ausprobieren konnte ich das in Las Vegas nicht. Auf dem Stand des Herstellers waren aber iPhone-Unterwasser-Videos von erstaunlicher Qualität zu sehen.
Spaß am Falltest
Der Falltest machte schnell so viel Spaß, dass ich ihn etliche Male wiederholte, schon der Reaktionen umstehender Messebesucher wegen, die sich fragten, warum da jemand sein iPhone zerstören will. Genauso wenig konnte der Wüstensand dem Gerät etwas anhaben. Zwar sah die Hülle nach einem Bad im Sand sehr unansehnlich aus, doch ließ sich der Dreck problemlos mit Wasser abwaschen.
Auch das Eintauchen in einen großen Becher Eistee überstand das iPhone in seiner neuen Schutzhülle vollkommen klaglos. Nur der Klingelton war kaum noch zu hören, als das Gerät versenkt war. Telefonieren konnte ich dagegen auch mit dem klatschnassen Handy: Mikrofasereinlagen machen Mikrofon und Lautsprecher für Schallwellen durchlässig, halten das Wasser aber draußen.
Sogar an diejenigen, die beim Schwimmen Musik hören wollen (warum auch immer), hat der Hersteller gedacht: Der Hülle liegt ein wasserdichtes Kopfhörer-Anschlusskabel bei. Wasserdichte Kopfhörer muss man allerdings separat erwerben.
Versteckte Kosten
Das Versprechen, iPhones gegen viele Umwelteinflüsse zu schützen, Wasser, Schmutz und Stöße abzuhalten, löst das Lifeproof Case jedenfalls ein. Mein Handy funktioniert auch nach dem Test noch bestens. Schwierig war es nur, das Case wieder auseinanderzubekommen, um das iPhone herauszunehmen, so fest saßen die Verbindungen.
Empfehlenswert ist die Schutzhülle also - billig aber nicht. Hersteller Lifeproof hat noch keinen Vertriebspartner in Deutschland, liefert Bestellungen aus seinem Webshop aber auch nach Europa. Dann wird der Versand sehr teuer. Zu dem Kaufpreis von 80 Dollar addiert der Hersteller mindestens 33 Dollar Versandkosten. Mit 113 Dollar (89 Euro) ist das Lifeproof Case dann wahrlich kein Schnäppchen . Umso weniger, als man in der Regel noch 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer auf den Gesamtpreis entrichten muss. Was aber immer noch billiger ist als die Reparatur eines abgesoffenen Apple-Handys.