Technik-Gadgets, die man lieben oder hassen kann - DER SPIEGEL
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Technik lieben oder hassen Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

2019 war ein tolles Jahr. Zumindest für die Netzwelt. An Themen hat es mir jedenfalls nie gemangelt, manchmal aber an der Zeit, über all die tollen, schrecklichen oder irren Gadgets zu schreiben, die mir in die Finger kamen. Das will ich heute nachholen, sozusagen im Schnelldurchlauf.

Eins meiner Lieblings-Gadgets ist ausgerechnet eine Jeansjacke. Und zwar die "Trucker Jacket With Jacquard By Google" von Levi's. Sieht aus wie jede andere Jeansjacke, ist aber Hightech. In den Stoff des linken Ärmels sind feine Metallfäden eingewebt, die den Ärmelaufschlag zu einem TouchPad machen. Über den kann ich mein Handy fernsteuern, ohne es aus der Tasche zupfen zu müssen. Und weil die Technik dafür in einem kleinen abnehmbaren Plastikkästchen steckt, kann man die Jacke trotzdem normal waschen.

Levi's Trucker Jacket with Jacquard

Levi's Trucker Jacket with Jacquard

Foto: Matthias Kremp/ Der Spiegel

Zugegeben, viel kann man damit noch nicht machen, außer die Musik zu steuern, die Fußgängernavigation zu beeinflussen und ähnliches. Aber dieses Beispiel zeigt auf wunderbare Weise, wie Technik unsichtbar und doch jederzeit abrufbar sein kann.

Nichts ganz wie Ambilight: TV-Hinterleuchtung mit der Hue Play HDMI Sync Box von Philips

Nichts ganz wie Ambilight: TV-Hinterleuchtung mit der Hue Play HDMI Sync Box von Philips

Foto: Matthias Kremp/ Der Spiegel

Alles andere als unsichtbar ist dagegen, was Philips mit der Hue Play HDMI Sync Box macht. Das kleine schwarze Kästchen soll die vernetzten Lampen der Firma mit dem Bild synchronisieren, das gerade auf dem Fernseher angezeigt wird. Läuft im Film also jemand über eine grüne Wiese, schalten die Lampen auch auf grün um. So soll der Effekt der Ambilight-Fernseher mit Geräten anderer Hersteller nutzbar werden.

Beim Test konnte mich das leider nicht überzeugen. Die Lampen schalteten zu langsam um und gaben die Farbigkeit des TV-Bildes, anders als bei echtem Ambilight, nur grob wieder.

Huaweis Mate 30 Pro: Tolles Android-Smartphone, dem Googles Play Store fehlt

Huaweis Mate 30 Pro: Tolles Android-Smartphone, dem Googles Play Store fehlt

Foto: Matthias Kremp/ Der Spiegel

Überhaupt nicht wiedergegeben werden Google-Apps und -Dienste auf dem neuen Mate 30 Pro von Huawei. Und das ist wirklich tragisch. Denn ansonsten ist es eines der besten Smartphones des Jahres. Die Kamera ist herausragend gut, die Leistung des Geräts mehr als ausreichend und die gesamte Ausstattung sehr gut. Sogar das neue Android 10 ist darauf installiert. Ohne Google-Dienste aber fehlt der Zugang zu vielen Apps, die mir wichtig sind.

Foto: Matthias Kremp/ Der Spiegel

Wichtig ist mir auch der Zugang zu vielen Videostreamingdiensten. Bisher war das Apple TV die einzige Box, die alle mir wichtigen Dienste liefern konnte. Mit dem Fire TV Cube hat sich das dieses Jahr geändert. Und das aus einem einfachen Grund: Seit einem Softwareupdate kann Amazons TV-Box jetzt neben Netflix, Prime Video und all den Mediatheken auch auf Apple TV+ zugreifen.

Kabellose Kopfhörer aus dem AliExpress-Shop: Ohne das Display hätten sie nur zwölf Euro gekostet

Kabellose Kopfhörer aus dem AliExpress-Shop: Ohne das Display hätten sie nur zwölf Euro gekostet

Foto: Matthias Kremp/ Der Spiegel

Absolut nicht zugreifen sollte man allerdings bei so manchem Gadget, das auf der chinesischen Handelsplattform AliExpress angeboten wird. Für eine Recherche meines Kollegen Markus Böhm  habe ich dort ein paar Dinge bestellt. Während ich mit der selbstklebenden Kupferfolie zufrieden bin, die sehr schnell geliefert wurde, kann ich vor den kabellosen In-Ohr-Kopfhörern nur warnen, die ich gleichzeitig geordert habe.

Deren Sound ist so schlecht, dass ich sie nach wenigen Sekunden wieder aus den Ohren genommen habe. Verpackung, Design und Verarbeitung erinnern zudem an eine Beigabe aus einer Cornflakes-Packung. Dafür sind selbst 15 Euro zu teuer gewesen.

Das Dual-Screen-Smartphone LG G8X ThinQ

Das Dual-Screen-Smartphone LG G8X ThinQ

Foto: Matthias Kremp/SPIEGEL ONLINE

Das absolut wahnsinnigste Gadget, das mir in diesem Jahr zwischen die Finger gekommen ist, ist aber ein kleiner Adapter. Den braucht man, um das Doppelbildschirmhandy LG G8X ThinQ aufladen zu können, wenn man es mit seinen zwei Bildschirmen benutzt. Weil der Adapter sehr klein ist und magnetisch am Handy hängt, geht er leicht verloren. So leicht, dass ich gleich mal schauen muss, wo meiner abgeblieben ist...

Seltsame Digitalwelt: Antreten zum Digitaltest im Bordbistro
von Martin U. Müller

Der letzte ICE zwischen Berlin und Hamburg, Bordrestaurant. Drei Bahnmitarbeiter sitzen auf den roten Restaurantsesseln und tippen fast zwei Stunden lang mehr oder weniger ratlos auf ihren Tablets herum. Ihr Arbeitgeber hat neue Kassen eingeführt, mobile Systeme, die alles besser machen sollen. Doch die beiden lästern an diesem Abend, nichts scheint zu klappen.

Die Gäste müssen am Tisch der Bahner antreten, um etwas zu bestellen: Sie sind Testpersonen und bekommen das auch zu spüren. Ein Mann soll unbedingt mit Kreditkarte bezahlen, damit man auch das mal am Tablet ausprobieren kann. Ein anderer bekommt von einem mobilen Bondrucker die Kassenzettel der vergangenen Stunden wie eine Kette um den Hals gehängt.

Es fliegen Begriffe wie "EKV-Nummer" und "Bewirtschafter-Login" durch das Restaurant. "Was für ein Scheißdreck", fasst einer der drei Angestellten die Meinung der Bordgastronomen zusammen: Als dann noch ein Gast per Kreditkarte Trinkgeld geben will, verzweifelt sein Kollege endgültig: "Um Gottes Willen, ich weiß nicht wie das geht."


App der Woche: "Snowman Story"
getestet von Tobias Kirchner

Foto: Odencat

Passend zu den Feiertagen gibt es mit "Snowman Story" ein liebevolles und weihnachtliches Spiel rund um die Abenteuer eines Schneemannes. Dieser will nicht im Frühling schmelzen und macht sich auf den Weg in den Norden. Damit er dort ankommt, müssen kreative Rätsel gelöst werden, die manchmal gar nicht so leicht sind und notfalls auch übersprungen werden können. Auf der Reise warten zudem witzige Charaktere und eine herzerwärmende Geschichte, die immer unterhaltsam bleibt - der perfekte Zeitvertreib für die Weihnachtstage.

Gratisversion, werbefreie Variante für 2,29 Euro, von Odencat, mit In-App-Käufen: iOS , Android 


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Giant surveillance balloons are lurking at the edge of space " (Englisch, sieben Leseminuten)
    Man muss nicht unbedingt Raketen in die Umlaufbahn schießen, um die Erde von ganz weit oben überwachen zu können, klärt "Ars Technica" auf. Mit einer neuen Generation von Stratosphärenballons geht das auch weniger aufwendig.
  • "How much is that new VR headset really sharing about you? " (Englisch, fünf Leseminuten)
    VR-Brillen erfassen genau, wie sich ihre Träger bewegen. Manch einem macht das Sorgen, vor allem bei Headsets der Facebook-Tochterfirma Oculus. Diane Hosfelt hat sich mal genauer angeschaut, wie es bei der Oculus Quest um die Privatsphäre der Nutzer steht.
  • "Das GPS war aus - woher weiß Google trotzdem, wo ich bin? " (zehn Leseminuten)
    "Zeit Online" hat seine Leser nach ihren digitalen Ängsten gefragt - und bekam mehr als 200 Rückmeldungen. "Die mit Abstand häufigste Einsendung betrifft die Vermutung, Firmen wie Facebook oder Amazon könnten heimlich Gespräche mithören", schreibt Eike Kühl - und erklärt, warum Werbenanzeigen auch ohne Lauschangriff erschreckend passend sein können.

Ich wünsche Ihnen wunderschöne Feiertage,

Matthias Kremp

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Foto: rawpixel on Unsplash

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