Virtual Reality Oculus stellt fertige Brille und Spezialcontroller vor
Oculus-CEO Brendan Iribe: Das ist das Serienmodell der Oculus Rift
Foto: Robert Galbraith / REUTERSIn einer zur Party-Location ausgebauten alten Lagerhalle in San Francisco hat die US-Firma Oculus am Donnerstagabend Details zur Virtual-Reality-Brille Rift bekannt gegeben. Oculus-Chef Brendan Iribe holte dabei weit aus: Er erklärte, wie er mit Computerspielen aufgewachsen ist, sie geliebt hat. Dabei habe es ihn jedoch immer genervt, dass man eben nur vor einem Bildschirm saß. "Dein Gehirn weiß: Du bist nicht drin, du sitzt nur davor." Mit Virtual Reality und der Oculus-Rift-Brille soll sich das nun ändern.
Eines der größten Probleme hat Oculus mithilfe eines großen Partners gelöst: Microsoft. Ein Manager des Softwarekonzerns sagte in San Francisco: "Die Rift wird nativ mit Windows 10 zusammenarbeiten." Komplizierte Treiberinstallationen, wie bisher mit den Entwicklermodellen der Brille nötig, muss man mit dem Serienmodell also nicht fürchten.
Außerdem wurde angekündigt, dass die Rift mit einem Xbox-One-Controller von Microsoft geliefert wird. Das macht es Entwicklern leicht, weil es damit einen Standard-Controller für VR-Spiele geben wird, an den diese angepasst werden können.
Oculus-Mitgründer Palmer Luckey zeigt den Oculus-Touch-Controller
Foto: Robert Galbraith / REUTERSDie große Überraschung der Veranstaltung war allerdings der VR-Controller Oculus Touch. Das neue Gerät, das paarweise ausgeliefert wird, soll es ermöglichen, die Hände in der Virtuellen Realität ähnlich zu benutzen wie im echten Leben. So wird man damit virtuelle Gegenstände aufheben und benutzen, Handzeichen geben und virtuelle Geräte bedienen können.
Datenbrille von innen: Was in der Oculus Rift steckt
Das auf der Pressekonferenz erstmals gezeigte Serienmodell der Oculus-VR-Brille ist im Gegensatz zu den Entwicklermodellen deutlich leichter. Mit der bisher mühsamen Anpassung an die Kopfgröße soll es vorbei sein. Das Produktionsmodell passt sich automatisch an. Ebenso wurde es vereinfacht, den Linsenabstand anzupassen. Iribe sagte außerdem, das Design sei so angepasst worden, dass die Rift auch von Brillenträgern benutzt werden kann.
Mindestens so wichtig wie die Hardware sind aber die Spiele, die es für das Gerät geben wird und die letztlich ausschlaggebend für den Erfolg sein werden. Eines der ersten Spiele für die Rift wird der Weltraum-Shooter "Eve Valkyrie" sein, bei dem man in den Pilotensitz eines virtuellen Weltraum-Jägers steigt und sich in Schlachten im All beweisen muss. Ein Trailer, der das Gameplay zeigt, offenbart, dass das Spiel beeindruckende grafische Qualitäten hat und etliche physikalische Gesetze ignoriert.
Zehn Millionen Dollar für neue Spiele
Computerbrille: Das neue Modell der Oculus Rift
Als zweites wurde das Rollenspiel "Chronos" gezeigt, in dem man als einsamer Kämpfer durch Labyrinthe eilt und gegen fremdartige Kreaturen kämpfen muss. "Edge of Nowhere" ist ein Action-Adventure, das in der Antarktis spielt und ausschließlich für VR entwickelt wurde. Nur kurz erwähnt wurden die folgenden Spiele, die allesamt auf der E3 vorgestellt werden sollen: "Damaged Core", "VR Sports Challenge", "Esper", "AirMechVR" und "Lucky's Taale".
Wie wichtig Oculus neue Spiele sind, zeigt die Mitteilung, dass das Unternehmen unabhängige Entwickler mit zehn Millionen Dollar unterstützen will, um die Entwicklung neuer VR-Spiele zu beschleunigen.
Neben Spielen wird es zu der VR-Brille eine Benutzeroberfläche namens Oculus Home geben, über die man Spiele starten und neue Spiele ausprobieren kann. Neben der VR-Variante wird man die Software auch auf dem PC nutzen können. Zudem werden Xbox-Spiele über einen PC auf die Rift gestreamt werden können.
Dass Oculus diese Details gerade jetzt bekannt gibt, ist kein Zufall. In wenigen Tagen wird in Los Angeles die wichtigste Spielemesse des Jahres, die E3, beginnen, SPIEGEL ONLINE wird vor Ort dabei sein. Konzerne wie Microsoft und Sony, aber auch Spielehersteller wie Electronic Arts, nutzen diese Gelegenheit traditionell, um ihre neuen Produkte, Spielekonsolen, Zubehör und vor allem Spiele anzukündigen.
Mit der vorgezogenen Veranstaltung wollte der VR-Brillen-Hersteller offenbar sicherstellen, dass seine Botschaft die ungeteilte Aufmerksamkeit von Presse und Bloggern bekommt, bevor sich diese auf die Neuheiten der E3 konzentrieren.
Der Oculus-Mitgründer rief die Teilnehmer zwar dazu auf, das Gerät auf der E3 auszuprobieren, warnte aber gleichzeitig: Die Rift "ist nur der Anfang". Damit dürfte er recht haben. Doch die für Anfang 2016 geplante Einführung der Rift könnte dafür sorgen, dass Virtual Reality vom Nischenthema zum Massenprodukt wird - wenn der Preis stimmt. Doch dieses feine Detail bleibt weiter unklar - und wurde in San Francisco nicht einmal erwähnt.