Neues Microsoft-Betriebssystem Was Sie über Windows 8 wissen müssen
Windows 8: Mit seinen kachelartigen Programmsymbolen für Touchscreens optimiert
Foto: SPIEGEL ONLINEWindows 8 ist da - endlich. Mit seiner konsequenten Ausrichtung auf Touchscreens und Gestensteuerung macht es vieles anders, moderner und oft auch besser als seine Vorgänger. Doch bevor man sich auf die neue Software einlässt, sollte man sich informieren: was sie braucht, um zu funktionieren, welche Varianten es gibt, wie sie sich unterscheiden und was sie kosten. Wir haben das Wichtigste zusammengetragen.
Diese Hardware brauchen Sie
Sonderlich hohe Anforderungen stellt Windows 8 nicht an die Computer, auf denen es laufen soll. Als Grundsatz gilt: Wenn auf dem Rechner Windows 7 läuft, funktioniert auch Windows 8. Aber eben nur grundsätzlich. Eine Einschränkung, die viele Notebooks dann doch nur begrenzt tauglich macht, ist die minimale Bildschirmauflösung, die man braucht, um Apps aneinander andocken zu können, also den Bildschirm für zwei gleichzeitig laufende Apps aufzuteilen. Um diese Funktion zu nutzen, braucht man eine Auflösung, die bei Fernsehern als HD-Ready bezeichnet wird und 1366 x 768 Bildpunkte beträgt.
Zu viel für etliche Notebooks, die beispielsweise 1280 x 800 Punkte anzeigen. Sie sind für Windows 8 nur bedingt geeignet. Theoretisch läuft Windows 8 sogar mit 1024 x 768 Bildpunkten. Empfehlenswert ist das nach unseren Tests aber nicht.
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Die übrigen Anforderungen sind dagegen für die meisten Rechner der letzten Jahre leicht zu schaffen: Der Prozessor muss mit einem Gigahertz (GHz) ticken, der Arbeitsspeicher mindestens zwei GB groß sein, auf der Festplatte werden 20 GB benötigt. Außerdem muss der PC ans Internet angeschlossen sein (für die Aktivierung, zum Herunterladen von Updates während der Installation und zum Laden von Apps).
Die verschiedenen Geschmacksrichtungen von Windows
Microsoft hat eine Kunst daraus gemacht sein PC-Betriebssystem in so vielen unterschiedlichen Versionen anzubieten, dass für Anwender nur schwer zu durchschauen ist, welche davon man denn nun braucht und welche nicht. Allein für Endanwender offeriert das Unternehmen fünf verschiedene Varianten:
Windows RT,
Windows 8,
Windows 8 N,
Windows 8 Pro,
Windows 8 Pro N
Darüber hinaus gibt es 32-Bit- und 64-Bit-Versionen sowie sogenannte OEM- beziehungsweise Systembuilder-Versionen, die eigentlich nur für PC-Hersteller gedacht sind, sich aber auf jedem PC installieren lassen. Sie sind meist deutlich billiger als die Normalversionen.
Die wichtigsten Unterschiede der fünf Grundversionen:
- Windows 8 Pro bietet gegenüber Windows 8 einige Zusatzfunktionen wie etwa die BitLocker-Verschlüsselung, Fernwartungsfunktionen und die Anbindung an Firmennetzwerke.
- Die mit einem "N" gekennzeichneten Varianten sind um Medienfunktionen beschnitten, enthalten beispielsweise keinen Mediaplayer. Die Existenz dieser Variante geht auf eine Auflage der EU-Kommission zurück, die ein Windows ohne Microsofts Mediaplayer fordert, damit Kunden die freie Wahl haben, welche Mediensoftware sie installieren. Faktisch haben die N-Versionen aber keine relevante Bedeutung. Wer doch eine erwischt, kann die fehlende Software als Media Feature Pack kostenlos herunterladen.
- Windows RT läuft nur auf Rechnern mit ARM-Chips (vor allem Tablets), während alle als Windows 8 betitelten Versionen einen Intel-kompatiblen Prozessor voraussetzen (das kann auch ein AMD-Chip sein).
- Auf Windows RT-Rechnern läuft keine herkömmliche Windows-Software, die für Maus und Tastatur programmiert wurde. Nur Applikationen, die für RT angepasst wurden, funktionieren. Microsoft liefert derzeit eine Vorabversion von Office Home & Student 2013 RT mit. Die Vollversion wird als kostenloses Update nachgeliefert, sobald sie verfügbar ist.
- Auf Windows RT-Rechnern lässt sich Software nur aus dem Windows Store heraus installieren. Programme, die auf CD, DVD oder USB-Stick vorliegen, lassen sich nicht installieren.
Wie Windows 8 mit Touchscreen funktioniert
Windows 8 ist dafür optimiert worden, auf berührungsempfindlichen Bildschirmen zu laufen. Dazu wurde der altbekannte Desktop in den Hintergrund geschickt und durch eine neue Startseite ersetzt, auf der große Kacheln Programme und Apps repräsentieren. Microsoft hat hier das von Windows Phone 8 bekannte Prinzip der Live Tiles übernommen, die Inhalte dynamisch aus dem Netz nachladen. So können auf einer Kachel beispielsweise Wetterinformationen, Börsenkurse oder die neuesten Tweets von Freunden angezeigt werden.
Steuerung im Überblick: Acht neue Gesten für Windows 8
Für den Umgang mit diesen Kacheln und Windows-8-Apps hat Microsoft ein ganz neues System von Fingergesten eingeführt. Weil die ganz anders sind als das System von Maus und Tastatur, nach dem ältere Windows-Versionen gesteuert wurden, legen viele Hardware-Hersteller ihren Touchscreen-Computern Merkblätter zur Gestensteuerung bei. Die acht wichtigsten Windows-8-Gesten haben wir in einigen Animationen zusammengefasst.
Wie Windows 8 ohne Touchscreen funktioniert
Wichtig für alle, die einen älteren Computer auf Windows 8 aktualisieren wollen: Auch ohne Touchscreen lässt sich die Software bedienen. Für jede Fingergeste gibt es ein Äquivalent für Maus und Tastatur. So komfortabel, intuitiv und schnell wie per Touchscreen lässt sich der Start-Screen damit aber nicht bedienen. Man kann sich bei Microsoft informieren , wie man die Maus bewegen muss, um die gekachelte Windows-Oberfläche zu steuern.
Ohnehin ist es auch bei Touchscreen-Geräten empfehlenswert, Maus und Tastatur noch nicht zum Recycling zu bringen. Spätestens wenn man den Desktop aufruft, sich dort durch Menüstrukturen hangelt oder mit herkömmlichen Windows-Programmen arbeitet, wünscht man sich die alten Eingabegeräte zurück. Eine Zwischenlösung bietet Logitech mit dem Wireless Rechargeable Touchpad T650 an, das für 80 Euro eine Gestensteuerung ohne Touchscreen ermöglicht.
So können Sie mit Windows 8 DVDs abspielen
Microsoft selbst schreibt: "Windows 8 und Windows 8 Pro enthalten keine DVD-Wiedergabefunktionalität." Bei vielen neuen Computern ist das kein Problem, da sie ohnehin oft keine DVD-Laufwerke enthalten. Der Konzern empfiehlt, bei Bedarf im Windows Store nach einer App zu suchen. Eine gute und kostenlose Möglichkeit, sich einen solchen Player außerhalb von Microsofts Onlineshop zu besorgen, ist der universelle VLC-Player .
So bekommen Sie das Mediacenter
Viele Windows-User haben sich daran gewöhnt, mit Windows und einem TV-USB-Stick am Rechner fernzusehen oder den PC als Videorecorder zu nutzen. Windows 8 fehlt auch diese Funktionalität. Das dafür nötige Media Center muss separat erworben und installiert werden. Wer auf diese Möglichkeiten nicht verzichten will, sollte jetzt zulangen: Das sogenannte Windows 8 Media Center Pack gibt es noch bis zum 31. Januar 2013 als kostenlosen Download. Bis zu fünf Lizenzen für die Software kann sich jeder Microsoft-Kunde auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite bestellen.
So kommen Sie zum neuen Windows
Zur Einführung bietet Microsoft Windows 8 Pro zu Sonderpreisen an. Bis zum 31.1. kostet die Software, die sich über alle Windows-Versionen ab XP installieren lässt, als Download 29,99 Euro und als Paket mit DVD 59,99 Euro. Als OEM-Vollversion kostet Windows 8 im Handel etwa 85 Euro, Windows 8 Pro etwa 125 Euro. Wer nach dem 2. Juni 2012 einen PC mit Windows 7 gekauft hat, kann für 14,95 nachrüsten.