Windows 10 Wie soll der Nachfolger des Internet Explorer heißen?
Einer für alle: Der neue Microsoft-Browser soll auf dem Handy ebenso laufen wie auf einem TV
Foto: MORRIS MAC MATZEN/ REUTERSRedmond/Shenzhen - Mit Windows 10 wird bei Microsoft eine Ära im Web zu Ende gehen: Nach 20 Jahren soll der Standard-Webbrowser des Systems nicht mehr Internet Explorer heißen. Diese Rolle soll künftig ein neuer, modernerer Browser übernehmen, den der Konzern derzeit unter dem Namen "Project Spartan" entwickelt.
Dieser werde zahlreiche neue Funktionen haben und deshalb auch einen neuen Namen bekommen, bestätigte Microsoft-Manager Oliver Gürtler der Deutschen Presse-Agentur. Den Internet Explorer (IE) werde es aber trotzdem weiterhin geben. Er werde in einigen Windows-Versionen für Unternehmenskunden integriert sein.
Zuvor hatte das Technologie-Blog "The Verge " Microsofts Marketingchef Chris Capossela zitiert, demzufolge Microsoft nach einem neuen Namen für den Browser sucht. "Wir müssen das Ding benennen", sagte Capossela.
Der IE hatte einen schlechten Ruf
Windows - die Chronologie: Von Windows 1 bis Windows 10
Mit dem Internet Explorer hatte Microsoft nach dem Sieg über Netscape im "Browser-Krieg" einst Marktanteile weit jenseits von 80 Prozent, stagnierte aber technisch. Insbesondere die Version 6 hatte bei Web-Entwicklern einen äußerst schlechten Ruf. Zur Cebit 2011 startete Microsoft selbst die Aktion "IE 6 Countdown", um die Anwender auf den Umstieg auf eine neuere Version zu bewegen. In den vergangenen Jahren verlor der IE gegenüber Mozillas Firefox und Googles Chrome an Boden.
Sein neues Betriebssystem Windows 10 will Microsoft im Sommer auf den Markt bringen. Der zuständige Manager Terry Myerson nannte in einem Blog-Eintrag am Dienstag (Ortszeit) aber kein konkretes Datum. Er bekräftigte jedoch, dass das neue Windows den Nutzern von Windows 7 und 8.1 ein Jahr lang kostenlos angeboten werde.
Mit Windows 10 will Microsoft eine einheitliche Plattform für PC, Smartphones und Tablets anbieten. In den ersten Vorabversionen war der neue Browser aber noch nicht enthalten.
Im Smartphone-Markt ist Windows ein Nischensystem
Für das Smartphone-Geschäft gab Microsoft auf der Entwicklermesse WinHEC im chinesischen Shenzen eine Partnerschaft mit Lenovo bekannt. Im Sommer werde der chinesische PC-Hersteller Smartphones mit Microsofts Windows auf den Markt bringen, schrieb Myerson. Unklar blieb, ob dabei das aktuelle Windows Phone oder das neue System Windows 10 zum Einsatz kommen soll. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona kündigte Microsoft zuletzt Windows-Smartphones von insgesamt 35 Herstellern an.
Im Geschäft mit Smartphones hatte Microsoft mit seinen Betriebssystemen bislang nur mäßigen Erfolg. Mit Abstand führt Google mit seinem Android-System den Markt an, gefolgt von Apples iOS. Marktforscher gehen jedoch davon aus, dass Microsoft mit seiner neuen Plattform bis 2018 immerhin einen Marktanteil von 5,6 Prozent erreichen könnte.
Sprachsteuerung für den Webbrowser
Myerson kündigte in Shenzhen auch an, dass der Smartphone-Aufsteiger Xiaomi einigen seiner Nutzer anbieten werde, Windows 10 zu testen. Xiaomi, einer der größten und am schnellsten wachsenden Smartphone-Anbieter in China, setzt bisher auf Android. Da Google-Dienste wie Gmail in China nicht verfügbar sind, arbeitet Xiaomi allerdings mit einer Android-Version ohne Zugang zu den Google-Services.
Mit dem Betriebssystem Windows 10 soll Microsoft nach eigenem Willen ein großer Sprung in eine neue Generation von Geräten gelingen. Die digitale Sprachassistentin Cortana werde ein Highlight des Systems sein, sagte Gürtler. Cortana werde weit über die Fähigkeiten der einfachen Sprachsteuerung hinausgehen. Als selbstlernendes System soll das System umfangreiche Assistenzaufgaben erledigen können und soll auch wesentlicher Bestandteil des neuen Browsers von Microsoft werden.