Windows-Installation auf dem Mac - DER SPIEGEL
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Installationsanleitung Sieben Tipps für Windows 8.1 auf dem Mac

Apple hilft nur auf neueren Mac-Modellen bei der Windows-Installation. Besitzer älterer Rechner bleiben außen vor, und Windows 8.1 unterstützt Apple noch gar nicht. Das Fachmagazin "c't Windows" erklärt, wie man das Microsoft-System dennoch installiert, selbst auf älteren Macs.
Von Thomas Kaltschmidt
Windows 8.1: Mit etwas Mühe läuft das Kachelsystem auf dem Mac
Windows 8.1: Mit etwas Mühe läuft das Kachelsystem auf dem Mac

Windows 8.1: Mit etwas Mühe läuft das Kachelsystem auf dem Mac

Foto: Heise
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auf einem Mac lässt sich mit Hilfe von Apples Boot-Camp-Assistent mit wenig Aufwand Windows installieren. Beim Start hat man dann die Wahl zwischen OS X und Windows. Das Windows-System läuft ohne Virtualisierung oder Emulation und deshalb mit voller Grafik- und Rechenleistung.

Apple hinkt bei der Unterstützung aktueller Windows-Versionen allerdings regelmäßig hinterher. Für Windows 8 stehen die nötigen Treiber zwar inzwischen bereit, aber nur für bestimmte Mac-Modelle. Schon einen Mac mini von 2010 hält Apple in Sachen Windows 8 außen vor. Windows 8.1 unterstützt Apple noch gar nicht. Je nach Macintosh-Modell genügen jedoch wenige Kniffe, damit das Kachel-Betriebssystem auf dem Mac läuft.

So installieren Sie Windows 8.1 auf Ihrem Mac, Schritt für Schritt erklärt:

1. Den Mac vorbereiten

Voraussetzung ist ein Intel-Mac mit Mountain Lion oder Mavericks. Auf älteren Macs mit optischem Laufwerk benötigt man zudem eine Windows-7-Installations-DVD. Bringen Sie OS X auf den neuesten Stand, und installieren Sie alle verfügbaren Updates.

Wichtig ist zunächst, die Boot-Camp-Nomenklatur zu verstehen:

  • Der Boot-Camp-Assistent lädt die passenden Windows-Treiber auf den Mac, bereitet die Windows-Partition vor und startet die Installation. Der Assistent ist im Ordner "Programme/Dienstprogramme" zu finden.
  • Die Boot-Camp-Support-Software lädt man entweder mit dem Assistenten automatisch oder manuell von der Apple-Support-Seite . Darin enthalten sind Windows-Treiber und Apple-Tools, um die Mac-Hardware besser unter Windows nutzen zu können. Es gibt mehrere Versionen: 5.x  enthält Windows-8-Unterstützung, eignet sich jedoch nur für aktuellere Macs. Betagtere Rechner (etwa ab Mitte/Ende 2010 und älter) erwarten die Support-Software in Version 4.x . Die ist für Windows XP bis Windows 7 geeignet, nicht für Windows 8 oder 8.1. Das Herunterladen der Treiber von Hand ist manchmal notwendig, denn mitunter findet der Boot-Camp-Assistent die passenden Treiber nicht.

Zudem benötigt man ein Windows-8.x-Installationsmedium und einen passenden Lizenzschlüssel. Das direkte Aufspielen einer heruntergeladenen Upgrade-Lizenz ist möglich. Allerdings lehnt Windows dann die spätere Aktivierung ab. Mit einem Trick kann man das umgehen.

Die Aktualisierung auf Windows 8.1 ist über den Store von Windows 8 erhältlich. Die komplette Image-Datei kann man zwar mit einem Trick herunterladen, das hilft Upgradern aber nicht. Microsoft fragt gleich zu Beginn der Installation den Lizenzschlüssel ab und weist Upgrade-Keys zurück. Upgrader kommen also nicht umhin, erst Windows 8 aufzuspielen und dann 8.1 aus dem Store zu holen.

2. Die richtige Windows-Version wählen

Nehmen Sie auf jeden Fall die 64-Bit-Version von Windows, damit das System auf mehr als vier GByte Speicher Zugriff hat. Starten Sie den Boot-Camp-Assistenten auf dem Mac. Die Option für das Erzeugen eines USB-Sticks fehlt allerdings in älteren Macs, etwa dem von uns untersuchten Mac mini von 2010, in dem noch ein optisches Laufwerk eingebaut ist. Diese Einschränkung ist willkürlich, denn natürlich kann es immer praktisch und vor allem schneller sein, von einem USB-Bootstick zu installieren.

Einen mit dem Microsoft-Hilfsprogramm Windows-8-Setup-Tool  selbst erzeugten USB-Bootstick wollte der Boot-Camp-Assistent nicht als Ersatz akzeptieren. Auch auf anderem Wege erzeugte USB-Bootsticks mit Windows 8 brachten nur Fehlermeldungen, etwa dass die Partition nicht kompatibel ist.

Der Boot-Camp-Assistent nimmt auf älteren Macs mit optischem Laufwerk erst mit einer eingeschobenen Windows-7-DVD die Arbeit auf und legt die Windows-Partition an.

3. Die Partition einrichten

Als Partitionsgröße schlägt Apple 20 GByte vor, entsprechend verkleinert sich die interne Mac-Partition. 20 GByte sind allerdings viel zu knapp bemessen, nehmen Sie besser 100 GByte oder mehr. Im Nachhinein lässt sich die Partition zwar löschen, man kann aber nicht die Größe verändern.

Warten Sie, bis der Assistent die Windows-Partition angelegt hat, und tauschen Sie beim nachfolgenden Neustart die Windows-7- gegen eine Windows-8-DVD aus (um das Medium auszuwerfen, die linke Maustaste gedrückt halten).

4. Treiber laden

Der Boot-Camp-Assistent bietet auf älteren Macs nur Treiber für Windows 7 an. Laden Sie die neueren 5.x-Treiber daher auf der Apple-Support-Seite  herunter, und packen Sie sie auf eine externe Festplatte oder einen USB-Stick. Dieses Medium muss FAT32-formatiert sein, weil OS X von Haus aus im NTFS-Dateisystem zwar lesen, aber nicht schreiben kann.

Um ohne Zutun des Boot-Camp-Assistenten von der Windows-8-DVD zu booten, hält man die Alt-Taste beim Start gedrückt, bis der Boot-Manager die möglichen Startvolumes anzeigt. Klicken Sie das optische Laufwerk an. Vergessen Sie beim Neustart nicht, die vorbereitete Windows-Partition zu wählen, damit die Windows-8-Installation zu Ende gebracht werden kann.

Ein Teil der Hardware unseres Mac Mini 2010 wurde in Windows 8 korrekt unterstützt - darunter zwei angeschlossene Bildschirme mit Full-HD-Auflösung und W-Lan. Bluetooth-Tastatur und -Maus wurden allerdings nicht erkannt, daher mussten kabelgebundene Versionen her. Im Falle der Maus sogar eine PC-Variante.

Die Boot-Camp-Support-Treiber 5.x für Windows 8 ließen sich nicht mit dem Setup-Programm installieren, es meckerte einen nicht unterstützten Mac an. Es gelang aber, einzelne Setup-Programme in den Unterordnern zu starten und zu installieren. Welche Treiber passen und welche nicht, muss man durch Recherchieren und Experimentieren selber herausfinden. Das ist aber keine große Hürde.

Dabei hilft der Geräte-Manager von Windows. Bewegen Sie den Maus-Cursor in die rechte, obere Ecke, und klicken Sie auf das Lupen-Icon des erscheinenden "Charms"-Menüs. Nach Eingabe von "Geräte-Manager" in das Suchfeld und bei vorgewähltem Eintrag "Einstellungen" wird der passende Eintrag angezeigt. Alternativ tippen Sie auf dem Startbildschirm einfach den Suchbegriff direkt ein, die Eingaben landen im Suchfeld. Der Geräte-Manager listet die gesamte Hardware geordnet nach Kategorien wie Grafikkarte, Eingabegeräte und Netzwerkadapter auf. Gelbe oder rote Warnhinweise machen Problembereiche deutlich. Klappen Sie die kleinen Dreiecke aus, um Hersteller und Produkt zu identifizieren.

Der Windows-8-Treiber für Ethernet funktionierte beispielsweise auf dem Mac mini 2010 nicht. Der neuere Broadcom-Netzwerktreiber aus der Apple-Sammlung (Version 5.x) passte dagegen.

Wenn die Apple-Treiber nicht reichen, lohnt sich ein Blick auf die Herstellerseite der einzelnen Komponenten. Glücklicherweise besteht die von Apple verbaute Hardware im Wesentlichen aus Standard-PC-Komponenten, daher kann man aktuellere Windows-8-Treiber von der jeweiligen Herstellerseite laden und nachinstallieren.

Leider kommen nicht alle Treiber mit einem Setup-Programm. Um den Treiber manuell zu installieren, wählen Sie im Geräte-Manager das Menü "Aktion/Legacyhardware hinzufügen" und dann "Hardware manuell aus einer Liste wählen und installieren".

5. Windows an Retina-Display und Thunderbolt anpassen

Auf neueren Macs (etwa ab Ende 2010) hat man weniger Arbeit, denn Windows 8 unterstützen diese bereits, die Apple-Treibersammlung 5.x lässt sich mit einem Klick installieren. Das bedeutete auf einem 15-Zoll-Mac-Book Pro mit Retina-Display von Mitte 2012 beispielsweise, dass der Grafiktreiber den hochauflösenden Retina-Schirm und USB-3.0- sowie Thunderbolt-Festplatten unterstützte.

Angesichts der höheren Bildschirm-Auflösung sollte man in den "Anzeige-Einstellungen" (am schnellsten über die Suche zu finden) eine Skalierung von 200 Prozent wählen, damit die Bedienoberfläche und vor allem Steuerelemente sowie Fenster in der klassischen Desktop-Ansicht nicht zu klein erscheinen. Die meisten Programme unterstützen die Skalierungsfunktion, mitunter sehen Icons und andere Grafiken jedoch unscharf aus. Die Steuerung der Helligkeit von Bildschirm und Tastatur sowie der Lautstärke klappte wie vom Mac gewohnt über die dafür vorgesehenen Funktionstasten. Ein ähnlich positives Bild zeigte sich auf einem 21,5-Zoll-iMac von Ende 2012. Windows 8 ließ sich problemlos installieren und nutzen.

Beim Upgrade auf 8.1 gibt es allerdings zu beachten, zunächst alle angebotenen Windows-System-Updates zu installieren. Im Test reichte ein aus nicht ersichtlichen Gründen abgebrochenes Update, um nicht auf den Microsoft-Store zugreifen zu können beziehungsweise das 8.1-Update nicht zu sehen. Erst als wir das .Net-Framework-Update 4.51 von Hand nachinstallierten, funktionierten der Online-Store und das 8.1-Update wie gewünscht. Auf unseren neueren Testgeräten harmonierte Windows 8.1 ohne Treiberaktualisierung.

6. Windows-8-kompatible Eingabegeräte wählen

Die Kachel-Bedienoberfläche von Windows 8.x kann man zwar auch mit einer simplen Maus bedienen, deutlich komfortabler geht es aber mit Gesten. Die Mac-Eingabegeräte wie Magic Mouse und Magic Trackpad erlauben zwar Scroll- und Zoom-Gesten in Windows 8.x, richtig gut klappt das aber nicht. Der Inhalt im Internet-Explorer oder der Karten-App scrollte viel zu schnell, offensichtlich werden die Signale als normale Maus- und Scrollradbewegungen weitergeleitet und nicht als Windows-8-Gesten.

Entsprechend werden die neuen Gesten wie der Aufruf des Hauptmenüs ("Charms") mit Such-Option durch horizontales Wischen vom rechten Rand in die Mitte gar nicht erkannt. Hier helfen Windows-8-kompatible Eingabegeräte weiter, beispielsweise das Touchpad T650 von Logitech. Damit macht die neue Kachel-Oberfläche gleich deutlich mehr Spaß, das Scrollen geht hier präzise und flüssig von der Hand. Das Eingabegerät ist allerdings nicht mit OS X kompatibel.

7. Virtualisierung als Alternative

Um die Boot-Camp-Installation nicht zu gefährden, kann man Windows 8.x natürlich auch in einem Virtualisierer wie Parallels Desktop 9 oder VMware Fusion 6 installieren. In Ersterem ist die 3-D-Grafik-Performance sogar so gut, dass viele Spiele darin akzeptabel laufen. Die aktuellen Versionen bringen so weit alles mit, um die Mac-Hardware bis zu USB-3.0-Laufwerken und Facetime-Kamera zu nutzen.

Der Artikel ist im Sonderheft "c't Windows" erschienen, hier haben wir eine gekürzte Version veröffentlicht. Ein Inhaltsverzeichnis des Hefts finden Sie hier . Der Heise-Verlag bietet auch eine Bestellmöglichkeit .