Angefasst: Das Firefox-Handy: Das ist das ZTE Open
ZTE Open im Test Das taugt das Firefox-Handy
Als die Open-Source-Organisation Mozilla Ende 2012 ein eigenes Handy-Betriebssystem ankündigte, war die Neugier groß. Wie wird die Software wohl aussehen? Was wird sie können? Und vor allem: Kann das neue Betriebssystem mit der etablierten Konkurrenz von Apple (iOS) und Google (Android) mithalten?
Das Konzept jedenfalls war interessant: Rund ums Web sollte die Software entwickelt werden, auf Standards wie HTML5 aufbauen. Entsprechend groß war das Interesse, als auf dem Mobile World Congress im Januar die ersten Geräte mit Mozillas Handy-Software zu sehen waren. Zwar lief noch nicht alles rund, aber Hard- und Software waren ja auch noch nicht richtig fertig.
Das hat sich geändert: In einigen Ländern kann man beispielsweise das Open des chinesischen Herstellers ZTE kaufen. Das Angebot klingt verlockend, denn für nur 69 Euro bekommt man ein Smartphone ohne Vertragsbindung. Zwar ist es in Deutschland noch nicht erhältlich, doch eines der spanischen Exemplare konnten wir uns für einen Test bereits besorgen.
Zuerst fällt die Verpackung auf, die Firefox und nicht ZTE in den Vordergrund stellt. Das liegt nahe, denn die Marke ist bestens bekannt und hat einen guten Ruf. Das Handy, das wir aus dem Karton heben, entspricht den Erwartungen: Klein und leicht ist es, wiegt nur 120 Gramm, ist relativ dick und sieht nach dem Material aus, aus dem es ist: Plastik.
130 Megabyte interner Speicher
Um das Gerät betriebsbereit zu machen, müssen Rückendeckel und Akku entfernt werden, damit man Zugang zum Speicherkarten-Steckplatz und dem Platz für die Sim-Karte bekommt. Ohne zusätzliche Speicherkarte ist das Gerät allerdings fast wertlos: Der interne Speicher bietet nur rund 130 Megabyte Platz, die zur Installation von Apps genutzt werden. Fotos, Videos und Musik müssen dagegen auf einer microSD-Karte gesichert werden. Maximal 32 GB kann man so ins Handy stecken.
Als das Open wenig später betriebsbereit ist, zeigt es eine typische Smartphone-Optik. Ausgehend von einem Startbildschirm, der nur Tag und Uhrzeit anzeigt, kommt man durch seitliches Wischen entweder zu einer Linksammlung (links) oder zu den Apps (rechts), die in vier Reihen zu je vier Symbolen angeordnet sind. Am unteren Bildschirmrand steht eine Leiste mit App-Symbolen, die in jeder Ansicht verfügbar ist.
Ärger mit dem Touchscreen
So einfach, wie sich das anhört, lässt sich das System auch begreifen und bedienen. Schnell fällt dabei aber die geringe Auflösung des nur 320 x 480 Pixel anzeigenden Bildschirms auf. Wer die hochauflösenden Bildschirme eines HTC One oder iPhone 5 gewöhnt ist, empfindet das als sehr störend. Vor allem das Lesen von Webseiten macht damit keinen Spaß.
Dasselbe gilt für E-Mails, die auf dem groben Display nur schwer lesbar sind, wenn sie nicht als reiner Text gesendet, sondern mit HTML formatiert sind. Noch schlimmer wird es allerdings, wenn man versucht, selbst Texte in die Bildschirmtastatur zu tippen. Schon die Eingabe eines Passworts kann zum Geduldsspiel werden, weil der Touchscreen ungenau und manchmal langsam reagiert.
Dürfte gerne schneller sein
Aber Geschwindigkeit ist ohnehin kein Attribut, mit dem sich das ZTE Open brüsten kann. Bevor sich beispielsweise die Bildersammlung aufbaut, vergehen gut zwei Sekunden. Das hört sich nicht nach viel an, ist auf Dauer aber doch nervig. Das Betriebssystem verlangt der Hardware in der uns vorliegenden Version 1.0 offenbar zu viel ab. Immer wieder sind grafische Elemente zu sehen, die sich nur zögerlich bewegen. Windows Phone hatte bei seiner Vorstellung von vier Jahren auf ähnlicher Hardware keine Leistungsprobleme.
Kein Grund zur Begeisterung ist auch die eingebaute Kamera. Die magere Auflösung von drei Megapixeln ist dabei nicht das größte Problem. Schwerer wiegt, dass die deutliche Auslöseverzögerung schnelle Schnappschüsse vereitelt. Zudem leiden Fotos unter einem deutlichen Blaustich und zeichnen sich nicht durch besondere Schärfe aus.
Während die Verbindung zum Mobilfunknetz in der Regel gut klappte und, je nach Netzausbau, mit UMTS oder HSDPA auch ordentliche Geschwindigkeiten erreichte, gab sich das W-Lan-Modul zögerlich, zeigte uns manche Drahtlos-Netzwerke nicht an, ließ sich mit ihnen aber verbinden, nachdem wir den Namen der Netzwerke explizit eingegeben hatten.
Fazit
"Never trust a 1.0", traue niemals der ersten Version, dieser Spruch gilt leider auch für die erste Version des Firefox OS, so wie sie auf dem ZTE Open installiert ist. Das neue Betriebssystem hat einige interessante Ansätze, kann wegen seiner diversen Schwächen aber nicht überzeugen. Sicher kann man argumentieren, dass ein solches Minimal-Smartphone auch nicht mit den Ansprüchen verwöhnter Kundschaft in Ländern wie Deutschland mithalten muss.
Aber mit einem solchen Gerät, das immer wieder hakt, einen unterdurchschnittlichen Bildschirm und eine ebensolche Kamera mitbringt, wird man auch potentielle Nutzer in Schwellenländern nicht begeistern können. Zumindest nicht, wenn diese auch Zugriff auf günstige Android-Handys oder beispielsweise Nokias Einstiegsgeräte der Asha-Serie haben. Letztere mögen zwar keine echten Smartphones sein, aber wirklich smart ist auch das ZTE One nicht.