"Mass Effect: Andromeda" im Test: Was taugt das Weltraumspiel? - DER SPIEGEL
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Science-Fiction-Spiel: Die Welt von "Mass Effect: Andromeda"

Videospiel "Mass Effect: Andromeda" Planeten haben viel Zeit

Die "Mass Effect"-Trilogie hat Millionen Videospieler zu begeisterten Raumfahrern gemacht. Ihr Abschluss aber war eine Enttäuschung. Versöhnt das neue "Andromeda" Fans und Entwickler wieder?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Planeten sind gewaltig
Planeten strahlen weit
Planeten sind allmächtig
Planeten haben viel Zeit"

So besingt Liedermacher Rainald Grebe in "Planeten" etwas lethargisch die Anziehungskraft von Himmelskörpern. Viel Zeit hatte auch Entwickler Bioware für "Mass Effect: Andromeda". Nach kosmischen Maßstäben sind die fünf Jahre seit dem letzten Teil der Videospielreihe zwar noch nicht mal ein Zucken. Für die Fans der "Mass Effect"-Trilogie aber muss sich die Entwicklungszeit für den Nachfolger wie eine Ewigkeit angefühlt haben.


Spoiler-Hinweis: Dieser Artikel geht nur grob auf die Geschichte von "Mass Effect: Andromeda" ein. Dafür wird im nächsten Absatz das Ende von "Mass Effect 3" erwähnt.


2012 veröffentlichte Bioware das letzte der Abenteuer um Commander Shepard - und das entpuppte sich für viele Fans als Enttäuschung. Das Rollenspiel hatte Spielern große Entscheidungsfreiheit versprochen - am Ende blieb davon nur ein trauriges Deus Ex Machina übrig. Alle Entschlüsse, die der Spieler über drei Teile hinweg getroffen hatte, wurden in Minuten von einem allmächtigen Gottwesen revidiert.

Um sich von dem faden Beigeschmack des großen Finales freizumachen, gibt es nun einen radikalen Schritt: raus aus der Milchstraße, rein in die titelgebende Andromeda-Galaxie.

Tiefgefrorene Astronauten haben sich an Bord gigantischer Raumschiffe auf eine 600 Jahre lange Reise in das neue Sternensystem gemacht. Ihr Ziel: intergalaktisches Neuland. Im Grunde genommen also eine perfekte Manifestation des Spielers, der sich in den Spielen der Reihe wie die Crew des Raumschiff Enterprise immer auf einer Mission befand: "Dorthin zu gehen, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist."

Anfangen ist mühsam

"Planeten sind einsam
Planeten sind scheu
Planeten treiben ziellos umher
Planeten sind so
Planeten sind so
Planeten sind so
Uninteressant"

Langeweile - das ist ein Wort, das die ersten Stunden von "Mass Effect: Andromeda" passend beschreibt. Nach der Auswahl eines Charakters steht zwar ohne Umschweife die Ankunft in der neuen Galaxie an. Die zur Kolonisation ausgewählten Planeten entpuppen sich aber nicht als Paradiese, sondern als lebensfeindliche Staubklumpen. Dann wird erst einmal fürchterlich viel geredet - mit Charakteren, deren Gesichter ebenso fürchterlich animiert wurden und deren Schicksale kaum berühren.

Im Anschluss erbt der Spieler auf plumpe Art und Weise das Amt des "Pathfinder", um für die Kolonisten ein Habitat zu finden, die bösen Aliens zu Klump zu schießen, neue Begleiter zu rekrutieren - und mal wieder hinter das Geheimnis alter Alien-Artefakte zu kommen.

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Science-Fiction-Spiel: Die Welt von "Mass Effect: Andromeda"

"Mass Effect: Andromeda" ist ein Mix aus Rollenspiel und Shooter geblieben, nur diesmal mit Hüpfen. Nach der Entschlackung der letzten beiden Teile haben sich die Macher zudem entschieden, dem Spieler wieder mehr Statistikmenüs zumuten zu können. Dementsprechend werden eifrig Erfahrungspunkte in Talentbäumen verteilt und Ausrüstungswerte verglichen.

Offenbar hat sich Bioware auch am eigenen Mittelalter-Rollenspiel "Dragon Age: Inquisition" orientiert. In der Folge sammelt der Spieler zentnerweise Rohstoffe, um eigene Waffen und Rüstungen zu bauen.

Der Mix funktioniert noch

"Planeten wissen nicht, wie sie heißen
Wenn sie's wüssten
Was hätten sie davon?
Planeten sind eher unauffällig
Denken: ich geh schon mal
Vielleicht merkt's ja keiner
Planeten zeigen überhaupt keine Leistungsbereitschaft
Denken, wer halb anständig aussieht, kriegt seine Umschulung in den Arsch geschoben"

Mutig wirkt "Mass Effect: Andromeda" nach den ersten 15 Stunden nicht. Neue fürchterlich verzerrte Gesichter, bekannte Konflikte mit exotischen Aliens. Dennoch entfaltet das Spiel nach der zähen Eingewöhnungsphase eine Sogwirkung. Die Mischung aus Erkunden, Kämpfen, diplomatischen Verstrickungen, Entscheidungen und dem obligatorischen Beischlaf mit den Crewmitgliedern funktioniert immer noch so gut wie in den wunderbaren Vorgängerspielen.

Neuerungen bietet "Mass Effect: Andromeda" aber auch - und die beziehen sich auf den Forschergedanken. Mit dem Omnitool, einem Computer am Handgelenk, kann der Spielcharakter nun seine Umwelt scannen. Dadurch erfährt er nicht nur einiges über Flora und Fauna der unbekannten Welten. Er bekommt auch Hinweise auf neue Technologie und die Schwachstellen von Gegnern. Auch Rätsel müssen mit der Mechanik gelöst werden. Ein Trick, den sich die Macher bei den "Batman"-Spielen oder dem letzten "Witcher"-Teil abgeschaut haben.

Was tun auf dem neuen Planeten?

Und dann sind da ja noch die Planeten selbst. Die Welten, auf denen der Spieler landen kann, müssen für die nachfolgenden Space-Siedler urbar gemacht werden. Dabei wartet eine Entscheidung auf den "Pathfinder": Sollen militärische Posten errichtet werden? Oder Forschungsstationen?

Im eigenen Raumschiff namens "Tempest", das im Verlauf des Spiels mit neuen Begleitern bevölkert wird, reist der "Pathfinder" von System zu System - auf der Suche nach intelligentem Leben, interessanten Gesprächspartnern und laufenden Zielscheiben. In einer Sternenkarte fliegt der Spieler in der Ich-Perspektive von Himmelskörper zu Himmelskörper wie in einer privaten Planetariumsvorstellung.

Wirklich betreten lässt sich aber nur ein Teil der Planeten. Die anderen werden, natürlich, gescannt. Geht es doch hinunter, bieten sich aber spektakuläre Aussichten, vom Sonnenaufgang über Felsformationen in der Wüste bis zu Gewitterschauern über den Säuretümpeln einer Giftwelt.

"Und doch schau ich gern zu ihnen auf
Ich schaue so gern zu den Planeten auf
Ich schaue so gern zu ihnen auf"

Letztlich machen es die Entwickler einem schwer, "Andromeda" gut zu finden. Durch den schwerfälligem Auftakt, technische Unzulänglichkeiten und eine oftmals überfordernde Menge an Aufgaben verstellt Bioware den Blick auf die DNA des Spiels. Dabei ist die unverkennbar jene von "Mass Effect". Man braucht Geduld, um das zu merken. Doch das Warten lohnt sich. Und Planeten haben ja viel Zeit.


"Mass Effect: Andromeda" von Bioware, für Playstation 4, Xbox One und PC, ca. 60 Euro; USK: Ab 16 Jahren

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