"Hearthstone": Kostenloses Kartenspiel für iPad und PC im Test - DER SPIEGEL
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Neues Blizzard-Spiel: So spielt sich "Hearthstone"

Blizzard-Titel "Hearthstone" Zocken ohne Abzocke

Nur wer zahlt, siegt - so funktionieren viele vermeintliche Gratisspiele auf iPad und Co. Bei "Hearthstone" ist das anders: Das Sammelkarten-Duell macht auch Spaß, wenn man kein Geld ausgibt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Aus der Sicht von Kioskbetreibern ist klar, was es derzeit zu sammeln gilt: Fußballbildchen für das Panini-Album zur WM in Brasilien. Doch in diesem Frühjahr bekommen Götze, Özil und Co. Konkurrenz aus der Spielewelt: Ähnlich begehrt wie die Ballzauberer sind derzeit Blutmagier, Windlords und Feuerfürsten. Sie existieren als digitale Sammelkarten in "Hearthstone: Heroes of Warcraft ", das Millionen Menschen anlockt. Auf dem iPad ist "Hearthstone" aktuell das beliebteste Gratisspiel.

Dahinter steckt Blizzard Entertainment, die Firma, die mit "Diablo", "Starcraft" und "World of Warcraft" schon diverse Verkaufshits programmierte. Nun hat Blizzard erstmals ein Freemium-Mobilspiel veröffentlicht: ein prinzipiell kostenloses Spiel, in dem sich auch echtes Geld ausgeben lässt. Zunächst gibt es "Hearthstone" für iPad, PC und Mac, im Laufe des Jahres soll es auch für iPhones und Android-Smartphones erscheinen.

Im Kern geht es bei "Hearthstone" darum, möglichst viele Karten zu sammeln und aus dem Gesamtangebot ein starkes Set zusammenzustellen - einen maximal 30-köpfigen Kader von Fantasy-Kreaturen, mit dem man in Duelle gegen andere Spieler zieht.

In dieser Hinsicht erinnert das Spiel an eine Digitalvariante des bekannten Sammelkartentitels "Magic: The Gathering ", wobei "Hearthstone" einsteigerfreundlicher ist. Nach einem einstündigen Tutorial mit Computergegnern kennt man alle Regeln und kann online gegen echte Opponenten antreten (einen Eindruck davon, wie "Hearthstone" funktioniert, liefert unsere Fotostrecke).

Regelstreitigkeiten gibt es nie

Gegenüber Offline-Kartenspielen punktet "Hearthstone" mit Komfortfunktionen: So wird in jeder Runde angezeigt, welche Kreaturen noch Aktionen durchführen können. Regelstreitigkeiten fallen weg, und auch figurenspezifische Effekte verrechnet das Spiel automatisch. Optisch und von den Soundeffekten wirkt "Hearthstone" wie aus einem Guss, Kampfhandlungen werden mit netten Animationen visualisiert.

Abseits der rundenbasierten und taktischen Duelle ist es der Sammeltrieb, der motiviert. Noch eine Runde, noch ein Kartenpaket: Das ist der typische Gedanke, mit dem Stunde um Stunde vergeht. Schließlich gilt es, neun Helden und mehrere hundert Karten freizukämpfen. In der Spielwelt mag man dabei weniger versinken als bei "World of Warcraft", aber ein guter Grund für eine schnelle Partie "Hearthstone" findet sich immer.

Wie andere Freemium-Titel finanziert sich das Spiel durch In-App-Käufe. Das Spiel bietet also die Option, für einen virtuellen Vorteil echtes Geld auszugeben. Bei "Hearthstone" kann man sich Karten kaufen, für 2,69 Euro etwa bekommt man zwei Pakete mit je fünf Karten, von denen zumindest eine besonders gut oder selten ist.

Wer kein Geld ausgibt, kann mithalten

Mit den Einkäufen ist es zwar möglich, seine Sammlung schnell zu vergrößern. Allerdings bedeutet das nicht, dass man häufiger gewinnt. Pakete lassen sich auch erspielen, und in den Online-Zweikämpfen braucht es vor allem gut zusammengestellte Karten und eine vernünftige Taktik.

Damit unterscheidet sich "Hearthstone" von anderen Spielen mit In-App-Käufen, in denen es reicht, mehr Geld als der Kontrahent auszugeben, um ihn etwa in einer Highscore-Liste abzuhängen. "Pay to win" ("Zahle, um zu gewinnen") nennt sich dieses bei vielen Spielern verhasste Prinzip.

Auf Holzhammer-Bezahlhinweise wie Pop-ups verzichtet "Hearthstone". Man hat die Kaufoption beim Spielen durchaus im Hinterkopf, fühlt sich aber nicht dauernd gedrängt, sie nutzen zu müssen. Gute Spieler können wochenlang Spaß haben und mithalten, ohne einen Cent auszugeben.

Dauerhafte Internetverbindung nötig

Einen Kritikpunkt gibt es allerdings auch bei "Hearthstone": Zum Spielen ist immer eine Internetverbindung nötig. Eine Bahnfahrt ist also der falsche Ort, um sich durchs Tutorial zu kämpfen. Anders als etwa in "Quizduell" sind auch keine asynchronen Partien möglich, sprich: Duelle, bei denen die Spieler zeitversetzt den nächsten Zug machen.

Verzichten muss man bei "Hearthstone" auch auf Tauschgeschäfte mit anderen Spielern. Ein internes Crafting-System bietet lediglich die Chance, aus ungeliebten Karten neue herzustellen. Wen bei Kartenspielen also schon immer mehr das Tauschen gereizt hat, der ist auch künftig mit "Pokémon" oder "Magic: The Gathering" besser bedient. Oder eben mit Panini-Bildern.