Phänomen "League of Legends" Dieses Onlinespiel füllt ein WM-Stadion
Cosplayer als "League of Legends"-Charaktere: 27 Millionen Spieler pro Tag
Foto: Thomas Lohnes/ Getty Images40.000 Zuschauer werden am Wochenende zum WM-Endspiel ins Stadion nach Seoul fahren. Allerdings gibt es dort diesmal kein Fußballspiel zu sehen, sondern zehn Menschen am Computer.
Es wird das Endspiel des World Championships 2014 im Spiel "League of Legends" (LoL). "LoL", ein Team-Rollenspiel, gilt als derzeit beliebtestes Onlinespiel. Angeblich spielen es weltweit 27 Millionen Menschen - pro Tag. Das WM-Finale findet nun in jener Arena statt, in der die deutsche Nationalelf 2002 im Halbfinale mit 1:0 gegen Südkorea gewann.
Die Spieler, die sich Sonntag per Maus und Tastatur messen, sind Profis. Sie spielen nicht nur in ihrer Freizeit, sondern verbringen bis zu 14 Stunden täglich mit dem Team-Rollenspiel. "LoL" ist ihr Beruf. Zumindest so lange, wie sie und das Spiel noch erfolgreich genug sind.
Einige Hundert Spieler weltweit bekommen vom "LoL"-Hersteller Riot Games ein regelmäßiges Gehalt , damit sie ihr Training finanzieren können. Hinzu kommt die Aussicht auf hohe Preisgelder. Eine Million Dollar winkt allein dem Fünferteam, das das WM-Finale gewinnt. Selbst die Dritt- und viertplatzierten Mannschaften nehmen noch jeweils 150.000 Dollar mit nach Hause.
Nicht nur Spielehersteller wie Riot Games inszenieren ihre Spiele im Stil großer Sportarten. Auch manche Medien analysieren "LoL"-Spiele wie Sportpartien: Die "New York Times" veröffentlichte kürzlich ein Video, mit dem sich die Bewegungen von 100.000 Spielern in 10.000 Partien nachvollziehen ließen, innerhalb von 30 Sekunden .
"League of Legends" studieren und zum Beruf machen
Selbst im Bereich College-Sport hat "LoL", das 2009 als Free-to-play-Spiel veröffentlicht wurde, seinen Platz gefunden. Die Robert Morris University in Chicago vergibt seit diesem Sommer Stipendien an talentierte Spieler, im Wert von fast 19.000 Dollar pro Jahr. Einer von 35 dafür Ausgewählten ist Chung, ein 20-Jähriger aus San Francisco. Mit seinen Teamkameraden trainiert er regelmäßig in einem 100.000 Dollar teuren Klassenraum samt riesigem Video-Screen.
Einige Jahre zuvor hatte das Spielen Chung noch Probleme gebracht: Er verbrachte zehn Stunden pro Tag am Computer, die Schulnoten wurden schlechter, die Eltern wütend. "Ich hätte niemals im Leben gedacht, dass ich durch das Spielen eines Spiels mal ein Stipendium bekomme", sagt Chung heute.
Profis brauchen bestimmte Fähigkeiten
Spiele wie "LoL" und "Dota 2" haben heute kaum noch etwas mit Klassikern wie "Pac-Man" und "Donkey Kong" gemeinsam, die sich binnen Minuten lernen ließen. Wer bei "LoL" Erfolg haben will, braucht schnelle Reaktionen, muss aber auch kommunikationsfähig sein, da es sich um ein Teamspiel handelt. Gemeinsam gilt es, Strategien zu entwickeln und die nächsten Schritte des gegnerischen Teams vorauszuahnen. Dabei hilft es, möglichst viel über die Fähigkeiten der über hundert wählbaren Spielfiguren zu wissen.
"Zwischen den Standardspielern und den weltbesten Spielern gibt es einen riesigen Unterschied", sagt Whalen Rozelle, der E-Sport-Chef bei Riot Games, in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Jeder Spieler - unabhängig davon, wie gut er selbst ist - weiß zu würdigen, wie gut die Top-Spieler sind. Das merkt man an den technischen Fähigkeiten, aber zum Beispiel auch, wenn es um die Zusammenarbeit mit den Teamkollegen geht."
90 Prozent der Spieler sind 15- bis 25-Jährige
Von seinem Stipendium abgesehen, ist Chung ist ein typischer "LoL"-Spieler. Riot Games zufolge zieht das Spiel vor allem Männer zwischen 15 und 25 an, sie stellen 90 Prozent der Spielerschaft. "Derzeit gibt es kein Top-Team, bei dem eine Frau in der Startaufstellung steht", sagt Whalen Rozelle. Die meisten Profispieler seien zwischen 17 und 24.
Dass ein Großteil der "LoL"-Profis Asiaten sind, erklärt Rozelle einerseits mit der Infrastruktur in Ländern wie Südkorea. Viele E-Sport-Teams würden dort von großen Konzern gesponsert, ihnen würden sogar Trainer zur Seite gestellt. Ein zweiter Punkt sei die besondere Hingabe der Spieler. "Koreanische Spieler werden mit dem Wunsch groß, E-Sport-Stars zu werden, Computerspieler sind ihre Idole", meint Rozelle. "In Europa wächst man auf und will Fußballstar werden. Erst später merkt man vielleicht beim 'LoL'-Spielen, dass dies ein Beruf sein könnte."