Angespielt: Assassin's Creed - Revelations - DER SPIEGEL
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Angespielt: Assassin's Creed - Revelations

Angespielt Assassin's Creed - Revelations

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Es könnte so schön sein: Ein in die Jahre gekommener Ezio Auditore, Protagonist der letzten beiden Spiel der "Assassin's Creed"-Reihe, macht sich auf seine letzte Reise, erkundet Istanbul, findet mystische Artefakte und springt wie immer über die Dächer. Diesen Teil des Spieles gibt es und er ist wie immer äußerst gelungen. Denn der graubärtige Mann mit dem leicht amüsierten Grinsen ist eine tolle Gestalt, ein liebenswerter Protagonist mit Ecken und Kanten. Und er beherrscht noch immer das freihändige Klettern an allen Gebäuden, erklimmt noch immer die höchsten Türme der Stadt, um sich von dort mit einem beherzten Sprung in den nächsten Strohhaufen zu werfen. Er ist immer noch der schleichende, der elegante Meuchelmörder, der führende Köpfe einer Weltverschwörung verfolgt und aus dem Verkehr zieht. Wäre das alles, wäre "Assassin's Creed: Revelations" ein vielleicht etwas in die Jahre gekommenes Spiel, das aber wieder großartig gewesen wäre.

Doch leider scheinen die Entwickler von Ubisoft ihrer Formel nicht mehr getraut zu haben. Ein neuer Teil, so sahen sie es wohl, braucht auch neue Spielelemente. Und von denen gibt es einige. Sie rangieren zwischen guten Ideen wie den in der Stadt gespannten Seilen, die Ezio als schnelle Seilbahn nutzen kann, mittelmäßigen Ideen wie einem Haken, der beim Klettern hilft, etwas größere Lücken zu überbrücken und den man eigentlich nie einsetzt, weil man seine Existenz vergisst und schlechten Ideen, wie der Verteidigung von Assassinen-Unterschlüpfen.

Letzeres Element funktioniert in Form eines Tower-Defence-Spiels: Ezio ist hier vor allem Befehlshaber und platziert Einheiten, Waffen und Straßensperren in einer kleinen Straße und muss so Angreifer abwehren. Abgesehen von einer extrem hakeligen Umsetzung stört das auch den sonst so eleganten Spielfluss. Denn eigentlich muss Ezio immer in Bewegung sein, das Hocken auf einem Dach entspricht nicht seinem Naturell. Und zusätzlich hat man immer das Gefühl, dass Ezio alleine gegen diese Gegner deutlich mehr ausrichten könnte, als es sämtliche kommandierten Einheiten können.

Eine weitere fragwürdige Entscheidung betrifft die Geschichte. "Assassin's Creed" schleppt seit dem ersten Teil eine Rahmenhandlung mit sich herum, die den Entwicklern aus nicht nachvollziehbaren Gründen immer wichtiger zu werden scheint. Sie dreht sich kurz zusammengefasst um eine Weltverschwörung, gegen die jedes Dan-Brown-Buch wie purer Realismus wirkt. Sie umspannt Jahrtausende, handelt von Zeitreisen und den Erinnerungen der Familie eines Barmannes der Gegenwart namens Desmond. Der durfte bisher in jedem Spiel kurz auftauchen und einen überflüssigen Part spielen, der Spieler sofort wünschen ließ, dass man sofort wieder in die Renaissance zurückkehren darf. Diesmal bekommt er mehr Raum in einer Zwischenwelt und sorgt für lähmend langweilige Momente, in denen man eigentlich auch nur eines möchte: Zurück nach Istanbul reisen und Desmond in seiner Zwischenwelt zu vergessen.

"Assassin's Creed: Revelations" ist kein schlechtes Spiel, aber eins, dem es im krassen Gegensatz zum letztjährigen "Brotherhood" an einer klaren Linie mangelt, vielleicht auch am Vertrauen der Entwickler zu ihrem Produkt. Und das ist schade, denn Ezio Auditore hätte einen runderen Abschied verdient gehabt.

"Assassin's Creed: Revelations" von Ubisoft, für PC, Playstation 3 und Xbox 360, ab 40 Euro; USK: Ab 16 Jahren

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