Angespielt: Fallout
Atomkrieg, Paranoia und schwarzer Humor: Mehr als zehn Jahre ist es nun her, dass "Fallout" die Welt der Computer-Rollenspiele auf den Kopf gestellt hat. Das damals im Genre führende kalifornische Black Isle-Studio tauschte Ritter, Elfen und Orks gegen Ghule, Supermutanten und Plünderer, erfand eine Welt, die sich nach einem Atomkrieg neu entdeckte. Neue Gesellschaftsformen entstanden in den Ruinen der Städte, in den Bunkern des Westens der USA. Aus diesem ersten Teil ist eine Reihe entstanden, die Höhen und Tiefen erlebt hat, die fast eingemottet worden wäre und mit "Fallout 3" und einem neuen Entwicklerstudio zumindest zu kommerziellen Ehren kam. Vielen Fans war die Ernsthaftigkeit des nach Washington verlegten Ödlands zu wenig "Fallout" und zu viel 9/11. "New Vegas" dagegen ist eine Rückkehr zum alten Charme der Reihe. Eine Rückkehr an die Westküste, in eine Landschaft, die vielfältiger ist, absurder als das politische Washington.
Spieler schlüpfen in die Rolle eines Kuriers, der erschossen wird, vergraben und nach kurzer Zeit wieder aus dem Grab geholt und reanimiert wird. Sein Ziel: Herauszufinden, wer ihn ermorden wollte und warum. Die Reise führt durch die Mojave-Wüste und zu den Resten von Las Vegas, wo der Strip immer noch danach strebt, seine alte Größe wieder zu erlangen. Die Reise führt auch durch verschiedene Gesellschaftsentwürfe, durch Diktaturen, Demokratien, Utopien. Spieler können sich diesen anschließen oder sie hintergehen. Sie können böse sein oder gut, sie können experimentieren. Sie können das Spiel lösen, ohne viele Kämpfe bestehen zu müssen, fast nur über Dialoge, sie können aber auch waffenstarrend alles über den Haufen schießen, was sich bewegt. Es ist diese Freiheit, die "Fallout: New Vegas" so besonders macht und bei der man die Handschrift des damit beauftragten Spielestudios merkt: Obsidian, bei dem viele Menschen beschäftigt sind, die schon die ersten beiden Teile der Reihe gestalteten. Sie sorgen für den alten Charme und übersetzen ihn in eine neue Zeit.
Das hat aber auch seine Schattenseiten, denn wer "New Vegas" spielt, muss in Kauf nehmen, dass immer wieder kleine Fehler auftreten, selten sogar Aufgaben nicht gelöst werden können, weil das Spiel abstürzt oder es mit der Art und Weise nicht klar kommt, mit der man spielt. Zudem wirkt die Grafik etwas veraltet, die Figuren nicht ganz so schön, wie man es vielleicht von der neuesten Spielegeneration gewohnt ist.
Dennoch: "Fallout: New Vegas" ist ein faszinierendes Spiel voller Möglichkeiten, angesiedelt in einer Welt, in der viel möglich und vieles überraschend ist. Es ist eine glaubhafte Welt, voller skurriler Begebenheiten, voller kleiner Geschichten, die manchmal nur über wenige Sätze erzählt werden und doch viel aussagen. "New Vegas" ist ein Spiel, das man trotz seiner Fehler spielen sollte. Es ist kein technisches Wunderwerk, aber ein eine kreative Meisterleistung.
"Fallout: New Vegas" von Bethesda, für PC, Playstation 3 und Xbox 360, ab 40 Euro; USK: Ab 18 Jahren
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