meinung •Glück aus der Schachtel Kommt spielen!
Szene aus dem Spiel des Jahres »Dorfromantik«
Foto: Spiel des JahresWeizenfelder, kleine Dörfer, grüne Wälder, blaue Flüsse. Aus Sechseckfeldern wächst beim Spiel des Jahres »Dorfromantik« allmählich eine idyllische Landschaft. Ein Wohlfühlspiel. Nichts engt ein, nichts stresst. Man spielt miteinander statt gegeneinander und muss noch nicht mal bis zu Ende bleiben: Wenn einem etwas dazwischenkommt, kann man aus- und problemlos später wieder einsteigen, die anderen können trotzdem weitermachen. Langweilig ist es trotzdem nicht. Beim Plättchenpuzzeln immer wieder den gemeinsamen Highscore zu knacken, kann herausfordernd sein.
Mit dem flauschigen Thema steht »Dorfromantik« nicht allein da. In vielen Spielen geht es recht friedlich zu. Aber selbst, wenn es härter gegeneinander geht, bleibt man ja in fiktionalen Welten. Man kann Spielen deshalb für biedermeierlichen Eskapismus halten, als Verschanzen in der Komfortzone – und es insgesamt als etwas kindischen Zeitvertreib abtun.
Das wäre grundfalsch. Denn gerade ihre Leichtigkeit verleiht Brettspielen eine Relevanz, die weit über das Spielerische hinausgeht. Mykhailo Maljutenko veranstaltet in der Ukraine regelmäßig Spieletreffs. Er sagt, dass Brettspiele ihm sogar während der russischen Angriffe halfen – er brachte Kindern im Luftschutzbunker das Würfelspiel »Ganz schön clever« bei, bei dem man erzielte Zahlen und Farben taktisch sinnvoll auf einem Block eintragen muss.
Gegen die Angriffe waren seine Spielerunden machtlos, aber nach Siegpunkten zu streben, Glück zu haben, etwas zu schaffen, das tat allen gut. »Brettspiele haben mir das Leben gerettet«, sagt Maljutenko, und er meint das ernst.
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Spannende Videogames: Zwölf neue Spiele, um der Tristesse zu entkommenVon Matthias Kreienbrink10 Min
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Brettspiele lösen natürlich keine Probleme. Aber sie bieten Probleme, die sich lösen lassen. Angesichts einer Welt, die voll von Problemen ist, die sich eben nicht ohne Weiteres lösen lassen, ist das schon sehr viel – und alles andere als nur nettes Beiwerk. Denn wer spielt, reduziert nicht nur die Komplexität der Welt für eine Weile auf ein erträgliches Maß.
Beim Spielen können wir uns selbst und andere neu erleben – und die tröstliche Erfahrung machen, dass sich in diesem geschützten Raum alle an gemeinsame Regeln halten. Das Vertrauen auf diese Verlässlichkeit bleibt und strahlt heilsam zurück auf das Leben jenseits des Spieltischs.
Maren Hoffmann, Redakteurin im Ressort Job und Karriere bei manager magazin und SPIEGEL, ist Mitglied der »Spiel des Jahres«-Jury.