DVD-Filmbeileger: Tarantinos Powerfrauen - DER SPIEGEL
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DVD-Filmbeileger Tarantinos Powerfrauen

Die Auswahl der Filmbeileger zur Monatsmitte bedient jeden Geschmack: gut inszenierte Politthriller, flockige Liebeskomödien, tragische Psychogramme, coole Roadmovies - und ein echter Tarantino. SPIEGEL ONLINE hilft Ihnen, das richtige Filmprogramm für die länger werdenden Nächte zusammenzustellen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Computer Bild 

"Year oft the Gun", USA 1991. Regie: John Frankenheimer. Darsteller: Andrew McCarthy, Sharon Stone. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

Ende der siebziger Jahre recherchiert der US-Autor David Raybourne (Andrew McCarthy) mit Hilfe der abenteuerlustigen Fotoreporterin Alison King (Sharon Stone) in Rom über die linksterroristischen "Roten Brigaden". Ohne es zu wissen, entwirft er dabei einen Roman über den nur allzu realen Plan zur Entführung des ehemaligen Ministerpräsidenten Aldo Moro. Als die Terroristen von seiner Geschichte Wind bekommen, geraten die beiden Journalisten in höchste Gefahr, während in der Stadt die Stimmung immer weiter hochkocht.

John Frankenheimer bescherte Hollywood mit "Sieben Tage im Mai" oder "Der Zug" (beide 1964) einige unsterbliche Thriller-Klassiker, bevor er 1968 durch das tödliche Attentat auf seinen Freund Robert F. Kennedy aus der Bahn geworfen wurde. Nach Alkoholismus und etlichen Misserfolgen fand er erst Ende der neunziger Jahre mit "Ronin" (1998) wieder zu seiner alten Form zurück.

Der Politthriller "Year oft the Gun" ist ein Vorgeschmack darauf, obwohl die originelle Filmidee ab und an in Plattitüden über den damaligen Terrorismus versandet. Aber das immer wieder hervorblitzende Genie des Altmeisters Frankenheimer hält die Spannung hoch genug, um bis zum Ende dabeizubleiben. Wer anschließend mehr über dessen Werk wissen möchte, kann sich im "Filmlexikon 2009" informieren, das als Nachschlagewerk ebenfalls auf der DVD bereit liegt.

Bis 27. September im Handel

Funk Uhr 

"My Big Fat Greek Wedding", USA 2002. Regie: Joel Zwick. Darsteller: Nia Vardalos, John Corbett. FSK: ohne Beschränkung. Format: 1,85:1 (16:9). Heftpreis: 1,10 Euro

Mit der locker-flockig-herzerwärmenden Liebeskomödie will die TV-Programm-Zeitschrift "Funk Uhr" auf ihr neues Layout aufmerksam machen. Der Plot: Die Griechin Toula (Nia Vardalos) und ihr Bräutigam Ian (John Corbett) stolpern bei ihren Hochzeitsvorbereitungen über die krassen Unterschiede ihrer Familien. Schlimm genug, dass Toulas Lover weder Grieche noch Katholik und überdies Vegetarier ist, was eine Reihe mehr oder weniger amüsanter Kulturkollisionen heraufbeschwört.

369 Millionen Dollar konnte TV-Regisseur Joel Zwick seit 2002 mit der autobiografischen Geschichte seiner Hauptdarstellerin einfahren, die von Tom Hanks Ehefrau Rita Wilson entdeckt wurde. Vom Erfolg inspiriert brachte Hanks im Jahr darauf das TV-Spin-Off "My Big Fat Greek Life" als Fortsetzung mit fast identischer Besetzung an den Start, hielt damit aber nur sieben Folgen lang durch.

Die in beiden Produktionen angehäuften Klischees treiben zwar so manchem Griechen Tränen in die Augen, doch unterm Strich bleibt das alles sehr harmlos und garantiert durchgängig nette Unterhaltung.

Bis 17. September im Handel

PC Action 

"In My Skin", F 2002. Regie: Marina de Van. Darsteller: Marina de Van, Laurent Lucas. Format: 1,85:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 7,90 Euro.

Überhaupt nicht nett präsentiert sich dagegen das drastische Drama um die junge, erfolgreiche Beraterin Esther (Marine de Van), die sich während einer Party verletzt und erst Stunden später ihre tiefen Wunden entdeckt. Aus dem anfänglichen Entsetzten entwickelt sie eine blutige Obsession, in deren Verlauf sie sich immer neue Wunden zufügt, um ihrer Gefühllosigkeit für sich selbst zu entrinnen. Trotz aller Mühe kann auch Ihr Freund Vincent (Laurent Lucas) nicht verhindern, dass sie einem selbstzerstörerischen Wahn verfällt.

Ganz und gar keinen platten Horrorfilm, sondern eher das Psychogramm eines traurigen Absturzes zeigt die Kurzfilmmacherin Marina de Van als Autorin, Regisseurin und Hauptdarstellerin in ihrem ersten Langfilm. Ohne in splatterhafte Details abzugleiten, inszeniert sie stellenweise kaum erträgliche Szenen, die geschickt mit der Fantasie des Zuschauers spielen und so einen extrem verstörenden und bewegenden Film schaffen.

Als Belohnung durfte sie 2009 mit Sophie Marceau und Monica Bellucci für 13 Millionen Dollar das Psychodrama "Don't Look Back" fertig stellen, dessen Erscheinen hierzulande noch in den Sternen steht, aber nach "In My Skin" mit Spannung erwartet werden kann.

Bis 13. Oktober im Handel

PC Go 

"Lonesome Jim", USA 2005. Regie: Steve Buscemi. Darsteller: Casey Affleck, Liv Tyler. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 6 Jahre. Heftpreis: 6,99 Euro.

Auf der Grundlage einer autobiographischen Geschichte erzählt der vornehmlich als Darsteller tragischer Verlierertypen bekannte Steve Buscemi ("Fargo") in seinem dritten eigenen Spielfilm das Schicksal des Kleinstädters Jim (Casey Affleck), der nach dem gescheiterten Versuch einer Schriftstellerkarriere in sein Elternhaus zurückkehren muss. Dort angekommen möchte er möglichst schnell wieder abhauen, bis er die schöne Anika (Liv Tyler) kennenlernt und so einen Grund findet, sich das Ganze noch einmal zu überlegen.

Mittlerweile sieht man Casey Affleck ("Ocean's Eleven") immer öfter ohne seinen großen Bruder Ben, auch wenn er dessen Filmpartnerinnen gerne übernimmt, wie hier Liv Tyler ("Herr der Ringe"), die eine ganz ähnliche Rolle bereits ein Jahr zuvor neben Ben Affleck in "Jersey Girl" spielte. Das kam Steve Buscemi vielleicht gar nicht so ungelegen, denn mit einem Budget von nur einer halben Million Dollar muss man wohl auf Bewährtes zurückgreifen. Trotzdem hat er am Ende einen feinen, subtilen Independent-Film aus dem Hut gezaubert, der hierzulande ruhig etwas mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Bis 1. Oktober im Handel

PC Magazin 

"In Your Eyes", USA 2004. Regie: Trae Briers. Darsteller: Caleeb Pinkett, Angie Ruiz. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 12 Jahre. Preis: 6,99 Euro.

Das zweite Filmbeilegermagazin des WEKA-Verlags wendet sich in diesem Monat dem Gesellschaftsdrama zu und legt die tragische Liebesgeschichte über den Afroamerikaner Yusef (Caleeb Pinkett) und seine mexikanische Sandkastenliebe Cece (Angie Ruiz) auf die Scheibe. Den Kinderschuhen entwachsen wird ihnen ihre Liebe zu Beginn ihrer College-Zeit bewusst. Sie geraten in die Schusslinie blutiger Bandenkriege zwischen Latinos und Schwarzen.

Irgendwo zwischen "Romeo und Julia" und "West-Side-Story" versuchte Trae Briers als Jungregisseur nicht nur seine Erfahrungen als Produktionsassistent der TV-Serie "Charmed", sondern auch aus seiner eigenen Jugend umzusetzen. Immerhin schaffte es Briers, alle Kitsch-Klippen erfolgreich zu umschiffen und so ein mitunter romantisches Rassendrama ohne erhobenen Zeigefinger abzuliefern.

Bis 1. Oktober im Handel

TV Movie 

"Death Proof - Todsicher", USA 2007. Regie: Quentin Tarantino. Darsteller: Kurt Russell, Zoe Bell. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Als wohl exklusivsten Film der Woche finden wir den erst zwei Jahr alten Horror-Roadmovie von Quentin Tarantino ("Pulp Fiction") mit einem stattlich gealterten Kurt Russell ("Die Klapperschlange") in der Rolle des narbengesichtigen Stuntman Mike. Auf den ersten Blick harmlos und fast schon charmant verwandelt sich der Liebhaber PS-starker Sportwagen alsbald in einen durchgeknallten Serienkiller, der seinen Groll gegen die Frauenwelt ungehemmt auszuleben weiß. Doch eines Tages gerät Mike an die falschen Mädels und wird selbst zum Gejagten in einem irrwitzigen Duell.

Ursprünglich im Duo mit Robert Rodriguez' "Planet Terror" (2007) als Hommage an das Grindhouse-Kino der siebziger Jahre produziert, findet Tarantinos Meisterwerk in einer um dreißig Minuten verlängerten Einzelfilm-Fassung heute mühelos den Weg in die Herzen seines Publikums. Diesmal sind eindeutig die Frauen am Zuge, wenn es darum geht, gemein, gnadenlos und von einem coolen Soundtrack untermalt die Racheengel zu spielen. Zoe Bell zeigt, was sie als Stunt-Double von Uma Thurman in "Kill Bill" gelernt hat und wird dabei von einer nicht minder spielfreudigen Crew begleitet.

Trotz durchweg guter Kritiken war der Film in Deutschland der am schlechtesten besuchte Tarantino-Streifen überhaupt und konnte auch weltweit sein 67-Millionen-Dollar-Budget bei weitem nicht einspielen. Vielleicht landet er deshalb schon so schnell auf dem Cover der Filmbeileger-Magazine - seine Fans werden erfreut zugreifen.

Bis 17. September im Handel

Kurz und knapp - was der Kiosk in diesem Monat noch zu bieten hat

AudioVideoFoto Bild 

"City by the Sea", USA 2002. Regie: Michael Caton-Jones. Darsteller: Robert De Niro, James Franco. FSK: 12 Jahre. Format: 2,35:1 (16:9). Heftpreis: 3,90 Euro

Robert De Niro ("Heat") spielt den New Yorker Vollblutpolizisten Vincent LaMarca, der für Job und Karriere bereits vor Jahren seine Familie verlassen hat. Kein Wunder, denn als Sohn eines hingerichteten Kleinkind-Mörders wollte er alles besonders gut machen. Als jedoch sein eigener, mittlerweile drogenabhängiger Sohn Joey (James Franco) unter Mordverdacht steht, muss er sich seiner verdrängten Vergangenheit stellen. Fazit: Kitschfreies Familiendrama mit Krimi-Atmosphäre und zwei starken Hauptdarstellern.

Bis 6. Oktober im Handel

DVD Magazin 

"Confession of Pain", HK 2006. Regie: Andrew Lau Wai-Keung; Alan Mak. Darsteller: Tony Leung Chiu-Wai, Takeshi Kaneshiro. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,99 Euro.

Ähnlich wie in ihrem mehrteiligen Meisterwerk "Infernal Affairs" (2002/2003) spielt das Regieduo Lau und Mak auch hier wieder spannungsreich mit Verwicklungen zweier enger Freunde aus dem Polizei- und Drogenmilieu Hongkongs. Anfangs noch erfolgreiche Fahnder, trennen sich die beruflichen Wege von Bong (Takeshi Kaneshiro) und Hei (Tony Leung Chiu-Wai), als Bongs Frau Selbstmord begeht. Bong beendet seine Karriere, wird zu einem versoffenen Privatdetektiv. Die Freundschaft der ehemaligen Kollegen kann das jedoch nicht erschüttern, bis Heis Frau ausgerechnet Bong engagiert, um den mysteriösen Mord an ihrem Vater aufzuklären. Ein verwirrendes Versteckspiel beginnt, das kein gutes Ende nehmen kann.

Bis 23. September im Handel

SFT 

"An American Crime", USA 2007. Regie: Tommy O'Haver. Darsteller: Ellen Page, Catherine Keener. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 4,50 Euro.

Tragisch präsentiert sich die filmische Aufarbeitung eines grausamen Verbrechens, das 1965 die USA erschütterte. Gestresste Schausteller hatten während der Saison zwei Töchter bei der verarmten, aber kinderreichen Gertrude Baniszewski (Catherine Keener) geparkt. Was für die Mädchen als unterhaltsame Abwechslung vom Alltag beginnt, wird jedoch zu einem Alptraum, als die überforderte Pflegemutter all ihre Frustrationen an der 16-jährigen Sylvia Likens (Ellen Page) abreagiert. Nach mehreren Strafexzessen sperrt sie Sylvia in den Keller, wo sie wochenlang - auch unter Beteiligung der Nachbarskinder - zu Tode gefoltert wird.

Bis 29. September im Handel

Widescreen Vision 

"Fusion Factor", USA 2002. Regie: Joseph Zito. Darsteller: Dylan Walsh, Alison Eastwood. Format: 1,78:1 (16:9). FSK: 16 Jahre und "Battle of Kingdoms", China/HK/J/ROK 2006. Regie: Jacob Cheung. Darsteller: Andy Lau, Ahn Sung-ki. Format: 2,35:1 (16:9). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 6,50 EUR.

In dem eher komisch als schockierend wirkenden Katastrophenfilm "Fusion Factor" staunen wir über die Auswirkungen eines gefährlichen Technikexperiments, mit dem eine alternative Energiequelle erschlossen werden soll. Zeitungsreporter Matt Nash (Dylan Walsh) kommt dabei skrupellosen Managern des streng geheimen Projekts auf die Spur, die wenig Rücksicht darauf nehmen, dass ihre gigantischen Maschinen das nahe liegende Los Angeles unsanft durchschütteln. Steckt dahinter womöglich ein perfider Plan der sich vom Energiewandel bedroht fühlenden Ölindustrie?

Im zweiten Film finden wir ein schwertbewehrtes, aber wohl deutlich ernsthafter gemeintes Schlachtenepos mit Hongkong-Star Andy Lau ("Running out of time") in der Hauptrolle. In der preisgekrönten 16-Millionen-Dollar Produktion verteidigt er im antiken China als Heerführer namens Ge Li den Stadtstaat Liang gegen die Eroberung durch das Nachbarreich Zhao, weckt aber durch seine ersten Erfolge schnell Neid in den eigenen Reihen und muss schließlich gegen alle gleichzeitig kämpfen. Dazu lässt Jacob Cheng nach der Vorlage eines populären Comics gigantische Statistenheere spektakulär aufeinander prallen, was Action- und Fantasy-Freunden einen erfüllten Filmspaß mit allerlei Schwertergeklirr, sirrendem Pfeilregen und tollen Kostümen bietet. Fans anderer Filmgenres werden jedoch irgendwann die Vorspultaste suchen.

Bis 6. Oktober im Handel

Der volle Überblick - Die Tabelle mit allen DVD-Beilegern bis Ende September

Die Tabelle mit allen DVD-Beilegern bis Ende September

Zeitschrift Film Preis (Euro)
AudioVideoFoto Bild City by the Sea 3,90
Computer Bild Year of the Gun 3,70
DVD Magazin Confession of Pain 3,99
Funk Uhr My Big Fat Greek Wedding 1,10
PC Action In My Skin 7,90
PC Go Lonesome Jim 6,99
PC Magazin In Your Eyes 6,99
SFT An America Crime 4,50
TV Movie Death Proof - Todsicher 3,50
Widescreen Vision Fusion Factor / Battle of Kingdoms 6,50

Der nächste DVD-Überblick erscheint Ende September.

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