E-Sport: Sportkommentatoren als Helden
E-Sport Der Geek als Entertainer
Populäre Sportarten leben von ihrer medialen Inszenierung. Je fester die Regeln im kulturellen kollektiven Gedächtnis eingespeichert sind und je besser die jeweiligen Wettbewerbe aufbereitet werden, umso relevanter wird ein Sport. Die Anhänger kompetitiver Computerspiele bemühen sich seit rund zehn Jahren, diesem Prinzip nachzukommen, um so gesellschaftliche Aufmerksamkeit zu gewinnen. Und mittlerweile gelingt es ihnen immer häufiger.
Ein vorläufiger Höhepunkt wurde vergangenes Jahr erreicht, als die Betaphase des Nachfolgers von "Starcraft", dem 98er Echtzeitstrategie-Hit, online ging. Damit startete nicht nur eine neue Zeitrechnung für die Spieler. Es war auch der Beginn der heute verblüffend dynamischen Show-Welt des "Starcraft II"-Shoutcastings. Schon vor Jahren, in der Spätphase des Originalspiels, hatten einige Hobby-Kommentatoren Replays von Matches mit eigenen Tonspuren versehen und als Video hochgeladen. Dank schneller Internetverbindungen, intuitiver Bearbeitungssoftware und Youtube lässt sich das heute bei "Starcraft II" wesentlich direkter und unmittelbarer umsetzen.
Die lang erwartete Ankunft des Nachfolgers und mit ihr einer neuen Szene von internationalen Profi-Gamern erzeugte ohnehin den perfekten Sog in der Community. Binnen weniger Wochen sind die Shoutcasts so von einem Experiment zu einer Institution geworden. Enthusiastische Geeks in ihren frühen Zwanzigern zerschlagen dabei alle Klischees von Schüchternheit und fehlender Rhetorik und mutieren zu einer Mischung aus Videospiel-Analyst und Entertainer. Was vor Jahren noch unmöglich schien, ist jetzt wirklich geworden: Ein komplexes Computerspiel wird in einen derart zugänglichen Kontext gestellt, dass sich die Begeisterung auch auf Wenig-Spieler und Nicht- Gamer überträgt.
Erstmals in der Videospielgeschichte ist das Zusehen mindestens ebenso populär wie das Teilnehmen. Die beliebtesten Shoutcaster, darunter der Brite John Bain alias Total Biscuit und der US-Amerikaner Mike Lamond alias HuskyStarcraft, generieren mit jedem neuen Video innerhalb weniger Tage bis zu 250.000 Views auf Youtube.
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Allerdings floriert die Szene nur in englischer Sprache - deutsche Pendants gibt es zwar, sie bleiben aber weit hinter dem Glamour der angloamerikanischen Caster zurück. Und besprochen werden von den westlichen Kommentatoren fast nur Replays aus Europa und Nordamerika.
In Anbetracht der vielen Profi-Gamer und "Starcraft II"-Fans in Südkorea verwundert das. Doch die gesellschaftlichen und sprachlichen Barrieren der beiden Kulturkreise sowie die Unterschiede in der jeweiligen E-Sport-Infrastruktur sind weiterhin schwer zu überwinden. Die Computerspiel-Showmaster des Westens werden aber bestimmt bald auch nach Fernost unterhaltsame Brücken schlagen.