"Fifa" und "Pro Evolution Soccer": Das kickt mich - DER SPIEGEL
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Fifa gegen "PES": Rasenkriege

Foto: Electronic Arts

"Fifa" und "Pro Evolution Soccer" Das kickt mich

Der Konsolenfußball hat sein eigenes Lokalderby: "Pro Evolution Soccer" oder "Fifa"? Seit Jahren entzweit die Frage die Fans. SPIEGEL-ONLINE-Sportredakteur und St.-Pauli-Fan Mike Glindmeier ließ die beiden aktuellen Top-Titel gegeneinander antreten - mit überraschendem Ergebnis.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Endlich Meister mit dem FC St. Pauli werden! Selten war ich diesem Traum so schnell so nah wie in diesem Jahr.

Zumindest in "Fifa 2011".

Kaum ist das Spiel gestartet, steht mein St. Pauli so auf dem Platz, wie ich mir das wünsche. Umfangreiche Lizenzen, einfache Menüführung, gute Daten zu Spielereigenschaften und taktischer Ausrichtung - alles sehr nah an der Realität. Ein großer Umbau des Teams bleibt mir erspart, es kann losgehen. Saisonauftakt in Bremen.

Die Spieler sehen superrealistisch aus, die Grafik ist gewohnt brillant. Ungewohnt brillant ist mein Spiel: Es dauert keine vier Minuten, da setzt sich Marius Ebbers als einzige Spitze durch die Mitte durch und netzt eiskalt ein. Das ging einfach - zu einfach. Nach 90 Minuten steht es 5:1 für St. Pauli, Ebbers hat vier Tore auf seinem Konto, und ich beschließe trotz des erhabenen Gefühls der Tabellenführerschaft, den Schwierigkeitsgrad von Anfänger auf Amateur zu stellen.

Das erhöht den Spielspaß allerdings kaum. Es folgen Kantersiege am Millerntor gegen den VfB Stuttgart (4:2) und in Mönchengladbach (3:1).

Wie sehr das Spiel bis dahin an der Realität dieser Saison vorbeigeht, merke ich bei einem Blick auf die Tabelle. Bayern marschiert mit makelloser Bilanz vorneweg, Mainz ist dem Abstieg bedrohlich nah, und Ebbers liegt schon nach wenigen Spieltagen nahezu uneinholbar an der Spitze der Torjägerliste.

Als sich der Stürmer dann verletzt, muss ich plötzlich vom Augen-zu-und-durch- auf Passspiel umsteigen - was mit dem FC St. Pauli eine Qual ist. Hier offenbart sich die größte Schwäche von "Fifa 2011". Die Spieler wirken behäbig, die Pässe beliebig, und an Zweikampfsiege ist trotz Amateurmodus kaum noch zu denken. Mag sein, dass Dauerdaddler das alles über Taktik, Formationen und die richtige Dosierung der Hilfsfunktionen steuern können. Doch dazu hab ich jetzt weder Lust noch Zeit.

Nach drei herben Klatschen und einer 1:4-Niederlage im Derby gegen den HSV ist es Zeit für einen Flankenwechsel. Auf zu "Pro Evolution Soccer 2011" ("PES11").

PES 2011 - wehe, wenn man Pässe spielt

"PES11" macht mir den Einstieg ein bisschen schwerer. Die Menüführung ist komplizierter, und den Traum von der Meisterschaft mit dem FC St. Pauli kann ich mir hier nicht erfüllen. Hersteller Konami hat es zwar geschafft, Lizenzen für die Spielerdaten von FC Bayern München und Werder Bremen zu bekommen - nur für eine real anmutende Bundesliga-Saison reichte es leider doch nicht.

Ich spiele also als FC Barcelona.

Flach spielen - hoch gewinnen: Dieser Spruch soll mein Motto für das Freundschaftsspiel gegen Real Madrid sein. Die Gegner werden von einem Kollegen auf meiner Couch gesteuert. Wir können es kaum erwarten, die neue Passsteuerung endlich auszuprobieren. Durch gutes Timing beim Drücken der Passtaste sollen die Zuspiele noch genauer beim Mitspieler ankommen, außerdem kann man die Richtung durch Ausrichten des linken Sticks beeinflussen. Klingt revolutionär und kompliziert - und ist es auch.

Schon nach wenigen Minuten im Duell zweier Mannschaften wird klar, dass das neue System eine Liga zu hoch für uns Anfänger ist. Zauberer Lionel Messi spielt Pässe in die Mixed Zone, die Zuspiele des Strategen Cristiano Ronaldo lösen Entsetzen und Blessuren auf den Rängen aus. Und das alles im zweitleichtesten Modus. Irgendwie würgt Kollege Gegner den Ball doch noch zum 1:0-Endstand für die Königlichen über die Linie. Freuen kann er sich nach dem Gruselkick aber nicht.

Im nächsten Spiel vereinen wir unsere sagenhaften Passfertigkeiten und treten mit Manchester United gegen Juventus Turin an. Und siehe da - gemeinsam sind wir zwar nicht stark, aber schon stärker. Im Gegensatz zum menschlichen Duell liegt die Fehlpassquote jetzt deutlich unter 90 Prozent, und am Ende gewinnen wir sogar 2:1.

Dabei fällt uns einiges positiv auf. Aber dazu mehr im Fazit.

Fazit - zwei streiten, der dritte gewinnt

Im Gegensatz zu "Fifa 2011" wirken die "PES11"-Spieler in ihren Bewegungen wesentlich dynamischer. Distanzschüsse verhungern zumindest bei ungeübten "Fifa 2011"-Spielern meist auf dem Weg zum Tor - bei "PES11" können sie zu wunderschönen Torerfolgen werden. Und wenn dann mal ein Pass ankommt, entwickeln sich spektakuläre Torszenen.

Uns Anfängern macht auf Anhieb "PES11" mehr Spaß. Allerdings fehlen uns schon nach kurzer Zeit die Originaldaten - und die Geduld für das neue, superpräzise Passspiel. Wir beschließen zwar, in den kommenden Wochen weiter daran zu feilen. Am Ende haben wir aber einen überraschenden Gewinner: "PES 2010". Das Vorgängermodell aus dem vergangenen Jahr.

Es gibt uns bei einer Frustbewältigungspartie den Glauben an unsere fußballerischen Fingerfertigkeiten zurück.

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