Gespielt: "Hitman Go"
Neues iOS-Spiel Auf dem Tablet wird "Hitman" zum Brettspiel
Ein Feld nach rechts? Geht nicht, da steht ein blauer Wächter und sieht mich. Von links kommt der gelbe Läufer. Also hilft nur ein Zug nach oben. Aber was soll ich da? Wie komme ich an den Aktenkoffer ran? Wie ans Ende des Levels? Ich muss einen neuen Versuch starten. Diesmal geht es besser - aber ich habe nicht mit dem Hund gerechnet, der mich verfolgt. Ich versuche es wieder. Ich muss es schaffen.
"Hitman Go" ist eine Tablet-Umsetzung der bekannten "Hitman"-Reihe. Wo die aber immer wieder unnötig brutal und provokant war, ist "Hitman Go" angenehm zurückgenommen. Wie im großen Vorbild übernehmen die Spieler hierbei einen Auftragskiller und nehmen ein Ziel ins Visier. Vorgegangen wird heimlich und leise. Hier enden dann aber auch die Ähnlichkeiten im Spielprinzip. Wo "Hitman" ein Action-Spiel ist, das aus der Verfolgerperspektive gespielt wird, ist "Hitman Go" an ein Brettspiel angelehnt, optisch und spielemechanisch.
Es gilt, verschiedene Figuren auszuschalten oder zu umgehen. Diese bewegen sich auf festen Linien und in bestimmten Mustern über das Spielfeld, ein wenig wie auf einer Spieluhr. Zug um Zug muss ich nun versuchen, die Gegner zu überlisten, die Mechanik der Spieluhr zu unterbrechen. Anfangs ist das leicht. Ich muss nur schauen, dass ich vorbeischleiche oder mich von hinten heranpirschen kann. Und dass sich in der Zwischenzeit niemand an mich anschleicht. Ich rechne aus, wie viele Schritte ich machen kann, bevor der gelbe Läufer zurückkommt, überlege, wann ich den sich um sich selbst drehenden Messerstecher von hinten erwische.
Level für Level wird es schwerer. Scharfschützen ziehen ein, Hundepatrouillen. Ich lerne, mit Stein- und Dosenwürfen von mir abzulenken, die Umgebung einzubeziehen. Ich ärgere mich, dass ich gezwungen bin, eine Deckung zu verlassen, weil das Spiel nur weitergeht, wenn ich einen Zug mache. Und ich merke, dass ich weiterkommen will. Ich will sämtliche Aktenkoffer einsammeln, die Level auf verschiedene Arten schaffen. Indem ich alle Gegner umgehe zum Beispiel - oder alle töte. Ich starte immer wieder von neuem, um andere Wege zu gehen. Erfülle alle Aufgaben, die die Entwickler mir stellen. Dafür bekomme ich schließlich Karten. Und die brauche ich, um neue Kapitel freizuschalten.
Gewalt in Brettspielsprache übersetzt
"Hitman Go" schafft es, den Geist des großen Bruders zu übernehmen und auf eine simple und doch fesselnde Formel einzudampfen. Es übersetzt die Gewalt in Brettspielsprache. Figuren werden umgeworfen und an den Rand des Spielfeldes gestellt. Selbst der Scharfschütze schiebt mit dem Zielstrahl nur die Gegner vom Feld.
Und auch wenn ich mit Geld weitere Kapitel freischalten oder Hinweise für einzelne Level kaufen könnte: Anders als in vielen mit so genannten Micro-Transactions gespickten Spielen drängt sich das hier nie auf. Weil man die Kapitel mit ein wenig Mühe und Knobelei auch so freispielen kann, weil es sich wirklich nur um Hinweise handelt. Weil die Rätsel an sich herausfordernd aber nie unfair sind. Weil ich es allein schaffen möchte und auch kann. Und weil ich zur Not inzwischen genug Hinweise auf Hilfeseiten im Netz finden könnte. Aber davon habe ich natürlich nur gehört.
Das sagen die Anderen: Durchweg gelungen finden es die Fachmagazine. Gelobt wird der Mut, sich vom Original zu entfernen und doch die Essenz des Vorbildes zu erhalten. Ein lohnendes Spiel, das lange unterhalten wird.
"Hitman Go" von Square Enix, für iOS, eine Android-Version soll folgen, 4,49 Euro