Indie-Games: Darkest Dungeon, Gravity Ghost, Apotheon, Sunless Sea - DER SPIEGEL
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Paranoide Krieger, spielbare Vasen Welche Indie-Spiele Sie jetzt ausprobieren sollten

Kaum ein Spieleblockbuster kommt zum Jahresanfang auf den Markt. Doch das macht nichts. Dem leeren Release-Kalender der großen Firmen steht eine Reihe vielversprechender Indie-Titel gegenüber. Wir stellen die vier interessantesten Spiele vor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Darkest Dungeon": Ideal zum Zuschauen

Kreuzritter Reynauld sollte eigentlich dem Dämonenkultisten den Schädel einschlagen. Aber Reynauld will nicht. Er will gar nichts mehr, nur nach Hause. Der Dieb kauert in der Ecke und wimmert. Und die Heilerin hat schon mal das Gold aus dem Verlies gehortet, weil sie eh nicht mehr an den Erfolg glaubt.

Das Kickstarter-finanzierte PC-Spiel "Darkest Dungeon"  schickt Helden los, deren Psyche so zerbrechlich ist wie die Knochen der Skelettkrieger, die sie verprügeln. Gnadenloses Scheitern steht im Zentrum - und macht "Darkest Dungeon" zum perfekten Zuschauerspiel.

Auf der Livestreaming-Plattform Twitch gehört es neben Größen wie "League of Legends" oder "Hearthstone" zu den Top 10 der Spiele mit den meisten Zuschauern. Zu Recht. "Darkest Dungeon" hat eine düstere Comic-Optik, fordernden Rundenkampf und ein anspruchsvolles "Stress"-System, das vorsichtiges Helden-Management erfordert: Zwinge ich meine Helden weiter zum Kampf, um an Gold und Schätze zu kommen? Oder trete ich den Rückzug an, wenn ich merke, dass die Moral kippt?

"Gravity Ghost": Unterwegs als Geistermädchen

Erin Robinsons neues Spiel sieht aus wie ein Kinderbuch , ist aber eigentlich ein sehr cleveres Physik-Puzzle für den PC. Die Spieler steuern ein Geistermädchen, das durch Sternensysteme hüpft, um Tiergeister zu ihren Gebeinen zu bringen. Im Ansatz funktioniert das wie "Angry Birds Space": Jeder Planet, über den das Geistermädchen hüpft, hat unterschiedliche Gravitationskräfte, einige Planeten zerbrechen, andere sind aus Eis oder Wasser.

Der Zopf des Geistermädchens ist dabei eine Art Gegengewicht. Er lässt sich um Planeten wickeln und durchs Aufsammeln von Blumen verlängern. Bonuspunkte bekommt "Gravity Ghost"  für die tolle Musik von Ben Prunty (bekannt vom Indie-Hit "FTL") und gnadenlos niedliche Zwischensequenzen.

"Apotheon": Tolle Grafik, tolles Kampfsystem

Die griechische Vase ist eine ideale Vorlage für ein Spiel: Ihre Geschichte erzählt sie bereits als zweidimensionaler Sidescroller, sie hat klare Linien, starke Farben, einfache Figuren mit wenigen, aber effektvollen Details. Als sich die kanadischen Entwickler von Alientrap für diesen Stil entschieden haben, waren sie überrascht, dass sie scheinbar die Ersten waren. Herausgekommen ist "Apotheon" , ein 2D-Action-Rollenspiel für PC und Playstation 4, angesiedelt in der griechischen Mythenwelt.

Als junger Krieger muss die Welt (mal wieder) vor verrückt gewordenen Göttern gerettet werden. Toll ist nicht nur der einzigartige Grafikstil, sondern auch das Kampfsystem: Jede Waffe, vom Speer bis zum Kurzschwert, fühlt sich anders an und kann im Notfall gegen die Gegner geschleudert werden. Der Schildblock ist langsam und benötigt gutes Timing. Das braucht nicht viele Knöpfe und ist sofort eingängig, fühlt sich aber wuchtig und passend an für den Kampf gegen Götter und Hopliten.

"Sunless Sea": Im Dampfschiff durch Fallen London

London wurde von Fledermäusen in die Unterwelt gebracht. Jetzt teilen sich die Londoner ein unterirdisches Meer, die Zee, mit Geistern und Dämonen. Das war das Szenario des Browser-Rollenspiels "Fallen London"  von Failbetter Games.

"Sunless Sea"  ist nun das erste "richtige" Spiel der Firma. Die Spieler sind Kapitäne und bereisen die Welt von Fallen London in Dampfschiffen. Sie reisen von Hafen zu Hafen, handeln mit Gütern wie Monsterüberresten und magischer Seide und bekämpfen in simplen Echtzeitkämpfen Piraten und Riesenkrabben. Dabei wollen sie an ihr vorher selbst festgelegtes Ziel kommen. Das kann darin bestehen, einen Roman zu schreiben - oder einfach nicht von der Crew verspeist zu werden.

Obwohl das PC-Spiel an Sid Meiers Klassiker "Pirates!" erinnert, gibt es einen interessanten Unterschied. Sobald Spieler an Land gehen, wechselt "Sunless Sea" in eine Art Textadventure-Ansicht. Spieler müssen dann Entscheidungen treffen und mit Figuren reden. Es gibt die gruseligen Schwestern, die allein auf einer Insel leben, und die sterbenden Aussätzigen, die eine eigene Stadt bewohnen. All das wird ausschließlich in Textform erzählt.

Die Mischung der beiden Genres funktioniert. Die atmosphärisch geschrieben kleinen Vignetten, die an britische Schauerliteratur und die Fantasy von Neil Gaiman erinnern, sind der Kitt, der das Abenteuer zusammenhält.