"Quizduell"-Spitzenrater "Ich bin sicher nicht der schlauste Spieler"
App "Quizduell": Millionen Spieler, wie gewinnt man hier?
SPIEGEL: Heute schon gespielt?
Schneider: Ja, beim Frühstück, gegen den Drittplatzierten.
SPIEGEL: Wie geht so ein Spiel zwischen zwei Champions aus?
Schneider : Ich habe diesmal 18 zu 17 gewonnen.
SPIEGEL: Pro Runde können ja schließlich auch nur maximal 18 Punkte erreicht werden. Wie oft spielen Sie so ein perfektes Spiel, in dem alles stimmt?
Schneider : Ich denke, in etwa zehn Prozent der Spiele. Das sind bei 7700 Partien, die ich bislang gespielt habe, rund 800.
SPIEGEL: 7700?
Schneider : Ja, ich spiele schon seit letzten Sommer, im Dezember hatte ich einen längeren Urlaub. Das Spiel ist für mich Entspannung. Ich spiele morgens während der Nachrichten, abends vor dem Fernseher, auf Reisen. Als Referent im EU-Parlament sitze ich oft auf Flughäfen.
SPIEGEL: Wie oft gewinnen Sie?
Schneider : Meine Bilanz liegt bei 86 Prozent.
SPIEGEL: Kennen sich die Spieler an der Spitze untereinander?
Schneider: Nein, nicht persönlich. Ich hörte aber, dass es sich bei Platz 1 und 2 angeblich um ein Ehepaar handeln soll.
SPIEGEL: Neun Millionen Deutsche spielen das Spiel. Sind Sie tatsächlich besonders schlau? Oder nur clever?
Schneider : Ich bin sicher nicht der schlauste Spieler. Aber erstens spiele ich schon lange, und das Spiel addiert ja schlicht die Punkte. Zweitens gibt es nur 25.000 Fragen, also wiederholen sich die Fragen irgendwann. "Schlau" im Sinne des Spiels ist man, wenn man ein gutes Allgemeinwissen hat.
SPIEGEL: Welche Bildung haben Sie?
Schneider : Abitur, Magister in politischer Wissenschaft und in Geschichte, und viel politisches internationales Engagement.
SPIEGEL: Es geht im Spiel oft auch um Spezialwissen: Was entwickelte Adolphe Quetelet? Den Body-Mass-Index...
Schneider : Tja, Definiere Wissen... Seltsam ist doch nur, was an "Wissen" am Ende so alles hängen bleibt.
SPIEGEL: Schummeln Sie nie, indem Sie kurz mal etwas googeln?
Schneider : Das wäre Selbstbetrug.
SPIEGEL: Gibt es sonst Tricks?
Schneider : Einen Trick möchte ich empfehlen: Wenn Sie eine Antwort überrascht oder neugierig macht, werfen Sie doch nach dem Spiel einen Blick in ein Buch oder ins Internet und lesen Sie mehr darüber.
SPIEGEL: Was erlebt man so, wenn man so weit vorn im Ranking steht?
Schneider : Manchmal Unangenehmes, nämlich dann, wenn man von Fremden herausgefordert wird, annimmt, gewinnt und dann beschimpft wird. Es ist erstaunlich, wie viele Leute einen für einen Betrüger halten, weil man den Human Development Index kennt oder Bismarck nicht für einen Hering hält.
SPIEGEL: Wie schützt man sich vor unangenehmen Spielern?
Schneider : Man kann ja Spieler auch blockieren. Wobei ich unangenehm nicht als stark, sondern als unfreundlich definiere.
SPIEGEL: In welchen Kategorien sind Sie besonders stark?
Schneider : "Macht & Geld", 95 Prozent.
SPIEGEL: Und schwach?
Schneider : TV-Serien, Musik & Hits, Computerspiele. Voilà, die Anleitung für alle, um mich zu schlagen!
Das Interview führte SPIEGEL-Redakteurin Barbara Hardinghaus