"Life is Strange" im Test: Noch einmal Teenager sein - DER SPIEGEL
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"Life is strange": Szenen des Spiels

Foto: Square Enix

"Life is Strange" Noch einmal Teenager sein

Das Leben ist seltsam: "Life is Strange" ist ein Highschool-Drama um eine Jugendliche, bei dem die Spieler die Geschichte mitschreiben. Dabei können sie ins Grübeln kommen über ihr eigenes Leben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein Sturm wird kommen. Das zumindest sieht Maxine Caulfield in einer Vision, die sie im Unterricht hat. Ein Sturm, der droht, ihre Heimatstadt wegzuschwemmen. Ein Sturm als Sinnbild für das, was in ihrem Leben geschehen wird. Dabei ist doch alles eigentlich ganz einfach: Max, wie sie von allen genannt wird, hat einen Platz an einer guten Highschool bekommen, lernt Fotografie und findet sich langsam in der neuen alten Umgebung zurecht. In Arcadia Bay, einer Kleinstadt an der Küste Oregons, wohin sie nach fünf Jahren Abwesenheit zurückkehrt. Und wo sie die Fähigkeit entwickelt, die Zeit zurückzudrehen.

"Life is Strange" ist ein Spiel des französischen Entwicklerstudios Dontnod, das mit "Remember Me" einen spannenden, aber ziemlich erfolglosen Science-Fiction-Thriller gemacht hat. "Life is Strange" unterscheidet sich sehr von dem Vorgänger. Ein Highschool-Drama, beeinflusst von "Twin Peaks" von Quantic Dream-Spielen wie "Heavy Rain" oder "Beyond", vom großartigen "The Walking Dead"-Spiel, von Indie-Titeln wie "Gone Home".

Auch grafisch liegt es zwischen dem Comic-Look des Zombie-Spiels und dem Realismus von "Beyond". Eher Gemälde als Foto und gerade deshalb sehr gut darin, Stimmungen zu untermalen. "Life is Strange" ist ein langsames Spiel, das vorsichtig mit seiner Protagonistin umgeht, ihr viel Platz gibt, sich zu entwickeln. Schon in dieser ersten von fünf Folgen, die in den kommenden Monaten erscheinen sollen.

So dicht wie eine gute Fernsehserie

Die erste Folge umfasst einen Tag und fühlt sich doch nach viel mehr an. In kurzen Momenten geht es um die Vergangenheit von Max, ihr Verhältnis zu ihren Mitschülern, zu ihrer Jugendfreundin Chloe. Sie träumt im Unterricht, verhindert einen Mord, erfährt von einem verschwundenen Mädchen, arrangiert einen gehässigen kleinen Unfall, rettet die Freundschaft zweier Mädchen und legt sich mit dem leicht unheimlichen Sicherheitschef der Schule an, der wiederum inzwischen Stiefvater von Chloe geworden ist. Ein Beziehungsgewirr, so dicht wie in einer guten Fernsehserie.

Anders als dort jedoch können Spieler ihre eigene Geschichte schreiben - zumindest, soweit das vom Spiel erlaubt ist. Oft genug verzweigt sich die Story, muss man sich entscheiden. Und kann zumindest für eine kurze Zeit noch zurückspulen, wenn man es sich anders überlegt. Was auf den ersten Blick wie ein überflüssiges Spielelement wirkt, entfaltet bald große Wirkung. Es macht aus einer Teenager-Geschichte ein Spiel, das auch seinen Spieler infrage stellen kann.

Manchmal wünscht man sich für sich selbst den Rückspulknopf

Zunächst einmal ist es die perfekte Beschreibung eines bekannten Teenager-Zustandes. Des stetigen Unbehagens dabei, Entscheidungen zu treffen. Immer zu glauben, dass eine Entscheidung den Lauf der Dinge endgültig verändern wird, sie nicht rückgängig zu machen ist. "Life is Strange" beschreibt diesen Schwebezustand hervorragend. Immer wieder fragt man sich, ob man richtig entschieden hat. Ob man der Mitschülerin hätte helfen sollen, ob man einen Vogel hätte retten können, ob man sich lieber im Hintergrund hält oder eine unangenehme Situation gerade angeht.

Und immer mehr versetzt "Life is Strange" Spieler in diesen Zustand des Möglichen. Sodass man sich dabei ertappt, wie man immer öfter über sein Leben nachdenkt, über Entscheidungen, die man anders hätte treffen können oder denen man aus dem Weg gegangen ist. Und für die man sich immer noch einen Rückspulknopf wünscht.

"Life is Strange" ist ein wunderbarer Einstand gelungen. Als Spiel, das mehr als nur eine Geschichte ist, das viel in Spielern anrühren kann. Und für die nächsten Folgen viel verspricht.


"Life is Strange" von Square Enix, Download für Playstation 4 und 3, Xbox One und 360 und PC, 4,99 Euro, alle Episoden: 19,99 Euro; USK: Ab 12 Jahren