Videospiel-Fanlevel Sackmännchen spielen "Final Fantasy"
Urlaubslevel in "Little Big Planet 3": Eins von vielen Fanprojekten
Mehr als 500 Herzchen hat Jamie Colliver allein mit dem ersten von 31 Leveln gesammelt. Herzchen sind die Likes des "Little Big Planet"-Universums , digitale Fleißkärtchen. Jamie Colliver, 22 Jahre alt und aus der Nähe von London, ist der wohl fleißigste "Little Big Planet"-Spieler der Welt.
"Little Big Planet" ist ein Hüpfspiel für die Playstation 3 und 4, ein "Super Mario"-Konkurrent mit Puppen aus Sackleinen als Figuren. Eine Besonderheit der Serie ist ihr Leveleditor - ein Werkzeug, mit dem Spieler ohne besondere Vorkenntnisse eigene Spielwelten erstellen können. Die Level lassen sich anschließend mit anderen Spielern teilen. Kommen sie gut an, gibt es Herzchen als Belohnung.
Colliver hat nicht einfach nur einen Level für "Little Big Planet" erstellt. Der Brite hat "Final Fantasy VII " nachgebaut, eins der bekanntesten Rollenspiele der Geschichte, das bis heute als Meilenstein gilt. Collivers Version enthält alle Zwischensequenzen, alle Charaktere, alle Gegner des Klassikers. Zwei Jahre hat er an dem Klon in Kuscheloptik gearbeitet, 113 YouTube-Videos dokumentieren das Ergebnis .
Ein Tutorial erklärt den Levelbau
Colliver ist einer von vielen Enthusiasten, die ihre Freizeit damit verbringen, "Little Big Planet"-Level zu erstellen. Am Mittwoch ist der dritte Teil der Serie erschienen, mit einem Baukasten, der noch mächtiger ist als in den Vorgängerversionen. So gibt es neben einer vergleichsweise kurzen Kampagne ein Tutorial, das dem Spieler die Geheimnisse des Level-Erstellens nahebringt.
Auch Sicht der Entwickler ist es konsequent, den Spielkäufer zum Gestalter zu machen. Denn hat er einmal alle vorgefertigten Level gemeistert, soll ihn das Spiel trotzdem noch monatelang unterhalten: mit Inhalten nach Wunsch und denen, die andere Spieler ins Netz gestellt haben. Im offiziellen Playstation-Blog wirbt Sony explizit mit über neun Millionen spielbaren Leveln , die die Community in den Vorgängerspielen erstellt hat, und die sich auch im neuen Spiel ausprobieren lassen. Die unbezahlte Arbeit zahlreicher Fans verhindert, dass "Little Big Planet 3" zu schnell langweilig wird.
Mario-Strecken in "Trials Fusion"
Nicht nur "Little Big Planet" lebt stark vom kreativen Engagement seiner Fans. Es gibt diverse Titel mit Leveleditoren , darunter das Rennspiel "Trials Fusion". Darin gibt es mittlerweile Strecken, die an Spiele wie "Super Mario" und "Minecraft" erinnern, den Fans sei Dank.
Der gerade erschienene Shooter "Far Cry 4" bietet ebenfalls die Option, eigene Karten zu erstellen . Und auch "Die Sims 4" ermöglicht es, anderen Spielern eigene Figuren oder Häuser zur Verfügung zu stellen. So lassen sich etwa Barack Obama, Justin Bieber und Walter White als Charaktere auswählen, ebenso zahlreiche Anwesen mit realem Vorbild.
Zu manchem Blockbuster existieren auch externe Werkzeuge, mit denen sich die Welt manipulieren und modifizieren lässt. Das Rollenspiel "Skyrim" beispielsweise ist drei Jahre alt, hält sich aber durch Fanprojekte in der Spielergunst. Schon seit Längerem wird versucht, den Vor-Vorgänger "Morrowind" in der modernen "Skyrim"-Grafik nachzubauen . Welchen Reiz der Levelbau auf manche Spieler ausübt, wissen selbst Firmen, die als Spezialisten für Spieldesign gelten: So arbeitet Nintendo mit "Mario Maker" an einem Levelbaukasten für Fans des hüpfenden Klempners.
Nintendo-Projekt "Mario Maker": Level nach Wunsch
Foto: Nintendo"Fangt erst mal klein an"
Bieten sie ausreichend Gestaltungsmöglichkeiten, sind Leveleditoren für Spielkäufer ein Segen. Einerseits erlauben sie es Spielern, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen, oft auch ohne Programmierkenntnisse. Anderseits erhöhen die Werkzeuge den Wiederspielwert vieler Titel enorm: Es ist doch schön, jeden Monat kostenlos frischen Stoff für sein Lieblingsspiel zu bekommen.
"Final Fantasy"-Enthusiast Colliver rät Weltenbau-Neulingen, klein anzufangen. "Versuch zuerst mal einen simplen Plattformer zu erstellen", rät er, so könne man sich allmählich mit der Mechanik vertraut machen und seine Fähigkeiten verbessern.
Zu seinem Riesenprojekt sagt Colliver SPIEGEL ONLINE, die größte Herausforderung habe darin bestanden, dass es bestimmte Größenvorgaben für die Level gab: "Das führte dazu, dass aus 20 Leveln 31 wurden." Sehr zeitintensiv sei es auch gewesen, den Text aus 'Final Fantasy VII' ins Spiel einzufügen. Der Herstellerfirma des Originals, Square Enix, macht Collivers Projekt offenbar nichts aus, sogar ein Eintrag im Unternehmensblog pries seine Arbeit.
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Für Colliver scheint sich der Aufwand gelohnt zu haben: Auf YouTube haben seine Videos schon einige Hunderttausend Klicks gesammelt, diverse Spieler haben seinen Rollenspielklon getestet und mit Kommentaren wie "fantastische Arbeit" gewürdigt. Colliver selbst kann sich nun wieder stärker anderen Projekte widmen: Gerade macht er einen Uni-Abschluss in Computerwesen.