Lost Within für iOS und Android im Test - DER SPIEGEL
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"Lost Within": So sieht das Horror-Adventure aus

Foto: Amazon Game Studios

"Lost Within" angespielt Und das hier soll ein Albtraum sein?

Unterwegs in einer riesigen Klinik mit miesem Ruf: Für ein Mobilspiel sieht "Lost Within" beeindruckend aus. Leider liefert das Horror-Adventure kaum einen Grund, sich zu gruseln.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ich stehe im Flur einer alten Nervenklinik. Der Putz bröckelt, es tropft von der Decke, die Wände sind voller Graffiti, die Gänge voller Müll und zerfledderter Akten. Es ist der letzte Tag des Gebäudes, morgen wird es abgerissen. Mein Job: überprüfen, ob sich hier drin nicht doch noch Menschen aufhalten. Ich höre eine Stimme, ein Kind. Natürlich renne ich hinterher, breche durch den morschen Boden. Und sollte in einem Albtraum landen.

So zumindest stellen sich das die Entwickler von Human Head Studios vor, die "Lost Within" für die Amazon Game Studios entwickelt haben. Das für Tablets gedachte Horrorspiel ist einer der ersten Versuche des Internetkonzerns, im Games-Geschäft Fuß zu fassen. Das Entwicklerstudio ist nicht unbekannt: Human Head haben zum Beispiel den Ego-Shooter "Prey" entwickelt, der mit einigen originellen Spieleideen aufwartete.

Die aber fehlen bei "Lost Within". Ich laufe in der Ego-Perspektive durch Gänge, indem ich mit dem Finger dorthin tippe, wo ich hinmöchte. Ich hebe Zettel auf, die mir die Geschichte des Ortes erzählen.

Natürlich war es eine riesige Klinik mit schlechtem Ruf, natürlich sind Experimente an Menschen durchgeführt worden, und natürlich war unter diesen ein gefährlicher Serienmörder. Und natürlich sehen die entstellten Monsterwesen so aus, wie man sich entstellte Monsterwesen eben vorstellen kann: Ich verorte sie irgendwo zwischen "Silent Hill"- und "Resident Evil"-Wesen.

Das Spiel ist schlicht langweilig

Manchmal springe ich in der Zeit umher, erlebe einen Aufstand der Gefangenen Jahre vor der Jetztzeit, blutig, chaotisch. Man muss gar nicht mehr erzählen, um zu wissen, worauf es hinausläuft. Und eigentlich will ich es auch gar nicht wissen.

Das Spiel ist so langweilig, dass einem schon beim Lesen der Zusammenfassung die Augen zufallen. Und gruselig ist es meistens auch nicht. In manchen Momenten erschrecke ich mich zwar. Aber das tue ich auch, wenn ein Kind leise angeschlichen kommt und "Buh!" macht. Horror ist das nicht, nur nervig.

Was manche Spieler mit "Lost Within" versöhnen dürfte, ist die technische Umsetzung. Die Grafik ist für ein Tablet-Spiel außergewöhnlich gut, detailverliebt und fein. Das Adventure läuft flüssig, die Sounds entsprechen dem Gruselstandard. Es könnte ein Spiel sein, das man seinen Freunden zeigt, um ein wenig damit anzugeben. Gruseln aber wird man sich dabei kaum.


"Lost Within" von Amazon Game Studios, für iOS und Android, 6,99 Euro