Playstation 4 im Test Kleiner, schneller, günstiger
Hamburg - Von der Seite sieht sie aus wie ein Parallelogramm, von oben wie eine schwarze Fläche mit einem wechselweise blau und weiß pulsierenden Schlitz. Im breiteren Spalt an der Frontseite verschwinden DVDs und USB-Stecker. Schlicht, funktional und irgendwie schnell sieht Sonys neue Waffe im Konsolenkampf aus. Eine Woche nach Microsofts Xbox One erscheint die Playstation 4. Sie kostet 400 Euro - 100 Euro weniger als die Konkurrenzkonsole von Microsoft.
Zuerst verblüfft das Gewicht der PS4. Vor allem im Vergleich zu den Ur-Modellen der vorhergehenden Konsolengeneration fühlen sich die 2,8 Kilo sehr leicht an. Auch weil alles im Gehäuse ist und kein externes Netzteil gebraucht wird, anders als bei der Xbox One, die mit einem beinahe ziegelsteingroßen Netzteil daherkommt. Angeschlossen ist die PS4 schnell, auch das Einrichten der Netzwerkverbindung ist fix erledigt. Das Menü erscheint aufgeräumt, ruhig und intuitiv, Klänge sind sparsam eingesetzt. Ganz so elegant wie das extrem reduzierte PS3-Menü wirkt das der PS4 nicht, dafür ist es dank großer Icons funktionaler.
Spielkonsole: Das ist die Playstation 4
Wer ein Konto für das Playstation-Netzwerk einrichten möchte, kann das bei der Einrichtung tun oder es auf später verschieben. Selbst dann kann man alle bereits erreichten Spielfortschritte noch mit einem bestehenden Konto verknüpfen. So kann man gleich losspielen, ohne erst auf die Suche nach Login-Namen und Passwörtern zu gehen.
Medienfähigkeiten sollen per Update nachgeliefert werden
Und losspielen möchte man. Das ist schließlich die Hauptsache bei der Playstation 4, zumindest derzeit. Viele Multimediafunktionen kann die System-Software noch nicht liefern. Weder CDs noch MP3-Dateien lassen sich abspielen. Aber das ist vermutlich für viele Nutzer zu verkraften. Natürlich will auch Sony Videos und Musik über die eigenen Downloadshops verkaufen, wie Microsoft. Außerdem ist beispielsweise Watchever als optionale digitale Videothek an Bord - kostenpflichtig, versteht sich.
Abgespielt werden dagegen DVDs und Blu-rays. Wobei hier die Einschränkung gilt, dass 3-D-Blu-ray-Filme nicht laufen. Etwas merkwürdig, denn schon die Vorgängerkonsole beherrschte das. Vielleicht ist es aber auch das Eingeständnis von Sony, dass der erhoffte 3-D-Boom zu Hause nicht stattgefunden hat. Auch als Medien-Streamer lässt sich die PS4 derzeit nicht verwenden, Musik oder Videodateien aus dem Heimnetzwerk spielt sie nicht ab. Diese Fähigkeiten stellt Sony zumindest in Aussicht - ob und wann sie per Software-Update nachgeliefert werden, ist nicht bekannt.
Wie die Xbox One soll auch die Playstation 4 mit Sprachbefehlen und Gesten gesteuert werden können. Da uns keine Kamera zur Verfügung stand, konnten wir diese Funktionen nicht testen. Die Kamera ist nicht serienmäßig mit dabei und wird deshalb in den Spielen wahrscheinlich keine so große Rolle spielen wie bei der Xbox One - für Entwickler ist die Kameraunterstützung auf der PS4 ein Wagnis mit ungewisser Zielgruppe. Die Kamera als Zubehör soll für die PS4 ab 60 Euro kosten. Derzeit ist sie aber hierzulande noch gar nicht erhältlich. Das gleiche gilt für ein Paket-Angebot mit Kamera, zweitem Controller und "Killzone: Shadow Fall". Es soll 500 Euro kosten.
Nicht lautlos, aber leise
Sind die Spiele installiert und laufen, ist das Laufgeräusch der Konsole gut zu ertragen. Flüsterleise ist sie nicht, es stört aber auch nur selten.
Der Controller ist eine Weiterentwicklung des bekannten Playstation-Steuergeräts. Etwas dicker ist er geworden. Zudem hat er einen Lautsprecher, den ein Spiel wie "Killzone: Shadow Fall" zum Beispiel für die Ausgabe von Audio-Tagebüchern nutzt. Auch ein kleines Touchpad ist integriert, durch Wischbewegungen darauf lassen sich verschiedene Funktionen auswählen, gleichzeitig ist das Touchpad eine Drucktaste. Nützlich ist dieses neue Element, um etwa auf Kartenansichten mit der Fingerspitze zu navigieren, wie etwa bei "Assassin's Creed: Black Flag".
Wer spielen will, hat eine recht große Auswahl, auch wenn Spiele von älteren Konsolen hier nicht mehr funktionieren. Was schade ist, gab es doch gerade in den letzten zwei Jahren viele Titel, die sich hinter denen der Startaufstellung der neuen Konsolen kaum verstecken müssen.
Aktuelle Titel großer Hersteller wie "Call of Duty: Ghosts", "FIFA 14" oder eben das neue "Assassin's Creed" sind für die Playstation 4 erschienen. Sie beinhalten zwar wenig neue Spielideen, sehen aber schicker aus als auf der PS3. Mehr Details sind auf dem Bildschirm zu sehen, mehr Bewegung. Wasser und Rauch sehen oft brillant aus. Im direkten Vergleich mit der Xbox One machen sie einen besseren Eindruck. Wohl auch, weil sowohl "Call of Duty" als auch "Assassin's Creed" in höherer Auflösung wiedergegeben werden. Die PS4 fährt auch etwa doppelt so schnell hoch wie die Xbox One.
Xavier Poix, beim Hersteller Ubisoft für die französischen Entwicklerstudios zuständig, erklärt, der technische Aufbau von PS4 und Xbox One sei einander ähnlicher als bei der vorangegangenen Generation, er erinnere an den eines PC. Für beide, Xbox One und Playstation 4, ließen sich deshalb nun einfacher Spiele entwickeln. Die derzeit noch wahrnehmbaren Unterschiede zwischen Xbox One und PS4 würden bei künftigen Titeln vermutlich "verschwimmen", prognostiziert Poix.
Sonys Exklusivtitel sind durchwachsen. Während "Knack" ein unterhaltsames, aber nicht sonderlich tiefgehendes Spiel ist, das vor allem ältere Kinder ansprechen soll, ist "Killzone: Shadow Fall" das Vorzeigespiel für Hardcore-Gamer. Technisch brillant und umwerfend aussehend lässt es einen oft genug vergessen, dass es spielerisch eher durchschnittliche Egoshooter-Kost ist.
Fazit: beeindruckende Technik
Die Playstation 4 ist eine Konsole, bei der das Spielen im Mittelpunkt steht. Die fehlenden Multimedia-Eigenschaften können wahrscheinlich die meisten Nutzer verschmerzen, außerdem sollen sie wohl per Software-Update nachgeliefert werden. Sie ist klein, angenehm leise und intuitiv zu bedienen. Der Controller liegt gut in der Hand und ist um sinnvolle Features ergänzt worden. Ihr volles Potential wird die Konsole erst in den kommenden Jahren ausspielen können. Doch auch bis dahin ist sie ein beeindruckendes Stück Technik, das viel Spaß macht.
Die neuen Konsolen im Überblick
| Konsole | Xbox One | Wii U | Playstation 4 |
|---|---|---|---|
| Veröffentlichung Deutschland | 22.11.2013 | 30.11.2012 | 29.11.2013 |
| Startpreis (Euro) | 499 | 209 | 399 |
| Gebrauchtspiele | laufen | laufen | laufen |
| Kompatibilität | Xbox-360-Spiele laufen nicht | Wii-Spiele und -Zubehör laufen | einige Spiele für PS3/PS2/PS1 sollen über den Streaming-Dienst Gaikai verfügbar sein |
| Online-Funktionen | Videomitschnitte und Screenshots lassen sich direkt in Netzwerken veröffentlichen, eigene Spielbibliothek auf anderen Konsolen per Cloud abrufbar | Videochat mit Wii-U-Besitzern | Spielevideos und Screenshots lassen sich direkt in soziale Netzwerke senden |
| Besonderheiten | Kinect-Kamera ist integriert, Konsole erkennt auch in dunklen Räumen einzelne Personen und Gesichter | Spiele laufen auf Gamepad ohne Fernsehschirm weiter | Controller mit Touchpad, Spiele sollen auf der PS Vita fortgesetzt werden können |
| Steuerung | Controller, Sprache, Bewegung, Gesten, Smartphone-App | Touchscreen, Controller, Bewegung mit Wiimote | Controller, Konsole erfasst per Controllers Position des Spielers im Raum |
| Verkaufszahlen Vorgänger weltweit | 80 Mio.** | 99 Mio. *** | 80 Mio. **** |