Programmierwettbewerb 599 Spiele in 48 Stunden
Eigentlich hat Starentwickler Markus Persson, alias "Notch", gerade genug zu tun. Der Schwede arbeitet an seinem nächsten Spiel "Scrolls" und streitet sich mit der Firma Bethesda. Bis Montag soll die neueste Version seines Hits "Minecraft" fertig werden. Trotzdem nahm sich Persson kürzlich Zeit, um ein Minispiel voller dunkler Dungeons zu entwerfen. Mit "Prelude of the Chambered", das man hier testen kann, will Persson beim Wettprogrammieren gewinnen.
Ludum Dare heißt der ungewöhnliche Contest, an dem neben Persson mehr als 600 Entwickler teilnahmen. Bei dem Internetwettbewerb geht es darum, innerhalb von 48 Stunden ein Computerspiel zu programmieren. In Eigenarbeit, vom Code bis zum Soundtrack. Mitte August fand der Ludum Dare zum 21. Mal statt. Das Thema wurde am Vorabend bekanntgegeben, hieß dieses Mal "Flucht". In der Vergangenheit ging es zum Beispiel um "Infektion" oder "Inseln".
Wie gelungen ein Spiel ist, entscheidet nicht etwa eine Jury, sondern die Konkurrenz. Nach Ablauf des Zeitlimits wird jedes Game zum herunterladen bereitgestellt, egal ob es vollendet ist oder nicht. Drei Wochen bleiben den Teilnehmern anschließend, um die Spiele der anderen auszuprobieren und zu bewerten. So treffen die Werke bekannter Entwickler auf die von Programmieranfängern. Am 12. September soll der Gewinner feststehen. Siegchancen haben 509 der 599 Spiele, die restlichen ( hier aufgelistet ) wurden im Team programmiert oder verspätet eingereicht.
Programmierarbeit im Zeitraffer
Obwohl Pixelwüsten und Piepssound dominieren, machen die meisten Spiele viel Spaß. Selbst für Hobbyprogrammierer lohnt sich ein Blick auf die Ludum-Dare-Website . Sie ist voll von Informationen zur Programmierarbeit. Spannend sind zum Beispiel die "post mortem" betitelten Texte, in denen Wettbewerbsteilnehmer berichten, was gut lief und was nicht.
Ihre Arbeit unter Zeitdruck haben viele Entwickler zudem per Video dokumentiert. Daniel Kvarfordt, bekannt als "Danik112" und seit einem Jahr im Ludum-Dare-Fieber, hat etwa 28 Stunden lang seinen Desktop und seine Tastatur gefilmt. So kann man im Zeitraffer verfolgen, wie sein Spiel "Coin Runner" entsteht, in dem ein roter Block vor lilafarbenen Blöcken flüchtet.
Weniger abstrakt interpretierte Konkurrent Juan Licudine alias "Accidentalrebel" das Flucht-Thema. Er entwickelte ein Flash-Spiel , in dem der Spieler verwundete Soldaten abtransportieren muss. "Ich arbeite gerade an einem großen Spieleprojekt", erzählt der Filipino. "Da brauchte ich Abwechslung. Und ich wollte das Gefühl erleben, ein Spiel fertiggestellt zu haben." Programmierer Connor Ullmann, der das düstere Spiel "Hollow" zum Wettbewerb beisteuerte, sagt: "Sich in 48 Stunden Soundeffekte, Musik und Grafiken zu überlegen, ist eine besondere Erfahrung."
Schneller fertig als Duke Nukem
Markus Perssons' Dungeonspiel besteht aus sechs Leveln. Die Regeln sind klassisch: Wer stirbt, muss von vorn anfangen. Im Netz sind die Reaktionen auf das Minispiel überwiegend positiv. Einer der ersten Tester meint: "Sehr simpel, mit pixeliger Grafik, aber jeder Menge Spaß dafür, dass das Spiel umsonst ist." In seinem Blog schätzt Persson, dass geschickte Gamer "Prelude of the Chambered" in 20 Minuten bewältigen.
Aber Zeit ist bei der Spieleentwicklung ja ein dehnbarer Begriff: Selbst wenn alle Games des 21. Ludum Dare nacheinander programmiert worden wären - sie wären zehn Jahre schneller fertig gewesen als "Duke Nukem Forever".