"ReCore" im Test: Zwei Stunden Spaß! Dann wird's öde... - DER SPIEGEL
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"ReCore" im Test: Zwei Stunden Spaß, viel Langeweile

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Action-Adventure "ReCore" im Test Zwei Stunden Spaß! Dann wird's öde...

Die Erwartungen an "ReCore" waren riesig. Doch trotz guter Ansätze mangelt es dem Abenteuerspiel leider an Überraschungen. In einem Punkt weist das Microsoft-Game allerdings dennoch in die Zukunft.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Far Eden ist nicht die neue blühende Erde, die der Planet eigentlich sein sollte, sondern eine große Sandwüste. Nach einer Plage, die die Menschen vertrieben hat, hätte es ein ausgefeiltes Besiedlungsprogramm geben sollen. Stattdessen erwacht Joule Adams allein aus dem Kälteschlaf.

Durch die wüste Landschaft zieht die Mechanikerin einzig mit Mack, einem Roboter-Hund. Er ist ein enger Verwandter der feindlichen Roboter, gegen die sie regelmäßig antreten muss. Joules Hauptaufgabe aber: herausfinden, was eigentlich schiefgelaufen ist in Far Eden - und wie sich das wieder in Ordnung bringen lässt.

Auch beim Entwickler ist einiges schiefgelaufen

"ReCore" ist das neue Spiel von Keiji Inafune, dem "Mega Man"- und "Onimusha"-Entwickler. Und auch er muss vermutlich einmal in sich gehen und herausfinden, was in letzter Zeit eigentlich schiefgelaufen ist. Schließlich hat er schon vor ein paar Monaten mit "Mighty No.9" ein recht mittelmäßiges Spiel auf den Markt gebracht und kehrt auch mit "ReCore" nicht zu alter Größe zurück.

Das ist auch für Microsoft ein Problem. Denn "ReCore" erscheint als erstes Spiel einer neuen Reihe, die unter dem Motto "Play Anywhere" steht. Einmal gekauft, können Spieler sowohl auf Xbox One als auch auf Windows 10 spielen. Spielstände werden dabei abgeglichen. Ein Konzept, das für Microsoft in die Zukunft weist - anders als "ReCore" selbst. Das ist nämlich in der Zeit stehen geblieben.

Das Abenteuerspiel kommt recht charmant daher. Es bedient sich - wie nicht anders zu erwarten - bei Spielen wie "Mega Man" oder auch "Metroid Prime" und ist allein schon deshalb interessant. Die Hauptfigur Joule Adams und ihr Hund machen ein gutes Team: Sie wirken frisch, auch wenn die Charakterzeichnungen nicht weit von "Borderlands" oder auch dem unterschätzten "Enslaved" entfernt sind.

Start mit Spaß, Ende ohne Überraschungen

Und anfangs macht das auch Spaß: Joule muss ihren Crawler wieder mit Energie versorgen. Das ist ein riesiges Gefährt, das vor allem als zentrales Quartier und Werkbank dient, in dem der Hund Mack immer wieder umgebaut wird, um sich den stets stärker werdenden Feinden stellen zu können.

Was man hier noch nicht ahnt: Man bekommt schon von der ersten Aufgabe an das gesamte Spielprinzip gezeigt: Spieler sollen eine starke Energiequelle finden, doch um an sie zu gelangen, müssen sie erst weitere weniger starke Energiequellen finden. Diese verstecken sich hinter Toren, für die man weitere noch weniger starke Energiequellen finden muss.

Es scheint ein Kniff der Entwickler zu sein, um die letztlich doch recht magere Geschichte mit Leben beziehungsweise das Spiel mit Aufgaben zu füllen, damit nicht nach zwei Stunden bereits Schluss ist.

Es wird versteckt statt gekämpft

Dabei hat das Spiel viele gute Ansätze: Immer wieder spürt man die Herkunft des Gameplays, erinnert sich an japanische Spiele, in denen dynamische Kämpfe stattfinden, in denen es um Beweglichkeit geht, um schnelle Reaktion. Nicht darum, möglichst lang in Deckung zu bleiben und den Gegner auszutricksen.

Das Kampfsystem selbst ist leicht zugänglich, die Steuerung elegant, die Kamera immer da, wo sie sein sollte. Und doch: Je öfter man kämpft, desto langweiliger wird es. Der Farbstrahl der Energiewaffe muss an die Farbe des Gegners angepasst werden, nach einiger Zeit ist dieser so schwach, dass diesem mit einer simplen Version von Tauziehen ein Energiekern aus dem Metallmantel gezogen werden kann. Gut aussehend und doch nicht nachhaltig beeindruckend.

"ReCore" wirkt wie ein Spiel, das eine gute Grundidee hatte, diese allerdings nicht erweitern konnte. Es macht Spaß, wirkt frisch und verliert doch innerhalb der ersten zwei Stunden schon merklich an Fahrt, um bald mit immer gleichen Elementen zu langweilen. Da ist es letztlich auch egal, wo und auf welchen Geräten man es überall spielen kann.


"ReCore" von Microsoft, für Xbox One und Windows 10, ca. 40 Euro; USK: Ab 12 Jahren