Fotostrecke: Wie "Fallout" im Weltall
Rollenspiel "The Outer Worlds" Fallout im Weltall
Wenn man ein paar Jahrzehnte im Kälteschlaf verbracht hat, kann es beim Aufwachen schwierig sein, sich zurechtzufinden. Vor allem dann, wenn die neue Welt, die man eigentlich erobern sollte, inzwischen besiedelt ist. Und erst recht, wenn man mit seiner Rettungskapsel direkt auf jenem Mann gelandet ist, der einem eigentlich eine kleine Einführung in die neue Zeit geben sollte. Jetzt ist von ihm nur eine Blutlache zu sehen und man ist allein in einer Welt voll schwarzem Humor, bösen Megakonzernen und skurrilen Gestalten.
Eigentlich sollte ich mich hier wohlfühlen, schließlich ist "The Outer Worlds" ein Rollenspiel, dessen Stammbaum vielversprechend ist. Mit Tim Caine und Leonard Boyarsky sind zwei der "Fallout"-Erfinder die kreativen Köpfe des Spiels. Das Entwicklerstudio Obsidian ist aus den Black Isle Studios hervorgegangen, das um die Jahrtausendwende einige der interessantesten Rollenspiele und mit "Fallout: New Vegas" einen der besten neuen "Fallout"-Titel entwickelt hat. Doch sich von Nostalgie leiten zu lassen, ist nicht immer ein guter Weg. Die Zeit schreitet voran.
"Fallout" war damals so einschneidend, weil es die für Rollenspiele typischen Fantasywelten hinter sich gelassen hat, und weil es in seiner retrofuturistischen Welt erstmals in einem Spiel gesellschaftliche Fragen stellte. Für welchen Weg würde man sich entscheiden, wenn alle großen Gesellschaftssysteme erst einmal aus dem Weg gebombt sind, man in kleinen Gemeinschaften neu starten könnte - und das Wissen über die vorangegangenen aber weiter vorhanden ist. "Planescape Torment", ebenfalls von Black Isle entwickelt, ging noch einen Schritt weiter und fragte nach dem Wesen des Menschen und seinen Möglichkeiten, sich wirklich zu verändern.
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17.10.2026 17.35 Uhr
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Rollenspiele sind seitdem weniger anspruchsvoll und dafür actionlastiger geworden. Die "Fallout"-Reihe ist spätestens mit dem Wechsel zu Bethesda vorhersehbar und unpolitisch geworden, so wie die ebenfalls von Bethesda stammende "Elder Scrolls"-Reihe zu einer Beschäftigungsmaschine geworden ist, in der man eintönige Quests erledigt, was sich manchmal wie etwas glorifizierter Hausputz anfühlt und ansonsten aus dem Sortieren angesammelter Gegenstände besteht. Das macht Spaß, bringt schöne Bilder und spannende Kämpfe mit sich, bleibt aber über große Strecken inhaltsleer.
Gesellschaftliche Fragen wurden lange Zeit eher in anderen Spielen verhandelt. "Bioshock" zum Beispiel greift am ehesten die Konflikte zwischen Gesellschaftssystemen auf, die in "Fallout" verhandelt wurden, die "Deus-Ex"-Reihe oder auch "Dishonored" verhandelten die Frage des Menschseins. "The Outer Worlds" bringt die Kritik zurück ins Rollenspiel und versteht sich dabei als Satire. Schon die ersten Trailer machten das mit schneidendem Witz klar.
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Und so verhandelt man schon bald mit einem Menschen darüber, ob man ihn retten darf - auch wenn man Produkte verwendet, die nicht vom führenden Konzern des Planeten hergestellt wurden. Schnell findet man die an einer Seuche sterbenden Sklaven des Konzerns, trifft Menschen, die sich vom Kapitalismus losgesagt haben, lernt die Banditen kennen, die ganz am Rande der Gesellschaft stehen, entscheidet sich für seinen Weg - und stolpert noch schneller über die eigenen Erwartungen. "The Outer Worlds" bleibt nämlich trotz seiner knallbunten Landschaften und des ständig präsenten Humors ziemlich farblos.
Manches könnte direkt den letzten Bethesda-Spielen entnommen sein
Obwohl das Spiel in dieser Pracht und Form 1997 nicht möglich gewesen wäre, wirkt es alt. Das liegt auch daran, dass die verwendete Technik nicht unbedingt auf dem neuesten Stand ist. Kein Wunder, ist "The Outer Worlds" doch letztlich mit dem Budget eines Indie-Titels ausgestattet und nicht in einem der großen Mega-Studios entstanden, auch wenn es von der Take-Two-Tochter Private Division vertrieben wird.
Die Fünfzigerjahre-Retroelemente in der Grafik sind so eindeutig an "Fallout" angelehnt, dass das Spiel auch in einer entlegenen Ecke des "Fallout"-Universums angesiedelt sein könnte. Selbst die verschiedenen Anzeigen auf dem Bildschirm könnten direkt aus den letzten Bethesda-Spielen stammen, der Humor hingegen aus den frühen Spielen der Entwickler.
"The Outer Worlds" ist damit kein schlechtes Spiel. Überhaupt nicht. Es ist ein Titel, der Fans zufrieden und vielleicht auch glücklich machen wird. Es ist aber keinesfalls ein Spiel, das neue Maßstäbe setzen, für Kontroversen sorgen oder auch nur länger im Gedächtnis bleiben wird - anders als die Frühwerke der Entwickler.
"The Outer Worlds" von Obsidian/ Private Division: für Playstation 4, Xbox One, PC und angekündigt für Switch, ca. 50 Euro; USK: Ab 16 Jahren