The C64 Mini im Test: Computer-Kult im Kleinformat - DER SPIEGEL
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Neuauflage des Commodore-Klassikers: Das ist der C64 Mini

Foto: Stephan Freundorfer

C64 Mini im Test Computer-Kult im Kleinformat

Heimcomputer-Veteranen warten schon länger auf eine C64-Neuauflage. Jetzt haben die ersten Fans den sogenannten C64 Mini erhalten - und auch unser Autor hat das begehrte Gerät ausprobiert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eine lizenzierte Neuauflage des bestverkauften Heimcomputers, in Originalgröße, benutzbar an modernen TV- und Computerbildschirmen: Nicht weniger als das hatte die britische Firma Retro Games Ltd. anlässlich einer Crowdfunding-Kampagne  versprochen. Schon Ende 2016 sollte man losspielen können.

Daraus wurde nichts, Ende März bekamen die Unterstützer der Kampagne nun aber endlich Post: Freuen konnten sie sich über ein Gerät namens C64 Mini und ein paar Poster, als Bonus und als Dank für ihre Geduld.

Wer Geld und Vertrauen vorgeschossen hat, für den ist der Minirechner gratis, ein Gerät in Originalgröße soll noch dieses Jahr nachgeliefert werden. "Aus allerlei Gründen"  hätten sich die Macher entschieden, zunächst den kleinen C64-Klon zu produzieren, heißt es. Dabei ist der wohl wichtigste Grund klar: Angesichts des Erfolgs von Nintendo bei der Veröffentlichung zweier Classic-Mini-Konsolen erhoffte man sich gute Marktchancen für eine verkleinerte Neuauflage des Commodore-Computers.

Diese Hoffnung war offensichtlich berechtigt. Die erste Charge an C64-Mini-Geräten, die am Osterwochenende in den Handel gelangte, verkaufte sich rasch und ging beinahe ausnahmslos an Vorbesteller. Nachlieferungen soll es erst in einigen Wochen geben. Wir haben den The C64 Mini ausprobiert, um herauszufinden, ob sich das Warten auf den rund 80 Euro teuren Retro-Rechner lohnt.

Gerät mit Tastaturattrappe

Der erste Eindruck ist positiv: Den Produktdesignern von Retro Games gelingt es auf Anhieb, in einstigen C64-Besitzern nostalgische Gefühle zu wecken. Beim Gestalten von Verpackung und Handbuch hat man sich von den dreieinhalb Jahrzehnte alten Vorbildern inspirieren lassen.

Das Gerät selbst ist eine gelungene Nachbildung der als "Brotkasten" bekannten ersten Bauform des Commodore-Rechners, der 1982 in den USA und Anfang 1983 in Deutschland debütierte. Das beigefarbene Gehäuse, die dunkelbraune Tastatur mit ihrem Funktionstastenblock an der rechten Seite sowie die rot leuchtende Power-LED sorgen für den richtigen Look.

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Neuauflage des Commodore-Klassikers: Das ist der C64 Mini

Foto: Stephan Freundorfer

Statt klassischer 9-Pin-Joystick-Buchsen befinden sich an der rechten Seite zwei USB-Ports. Und die einst an Schnittstellen reiche Rückseite bietet gerade mal einen HDMI-Ausgang sowie einen Micro-USB-Eingang, der für die Stromversorgung zuständig ist. HDMI- und USB-Kabel werden mitgeliefert, ein USB-Netzteil muss man sich selbst besorgen.

Dafür liegt dem Gerät ein stabiler USB-Joystick bei, der dem damaligen Gamer-Liebling Competition Pro nachempfunden ist und der neben zwei Feuerknöpfen zwei dreieckige Funktionstasten sowie vier Zusatz-Buttons besitzt. Diese dienen vornehmlich der Steuerung der C64-Mini-Menüs und übernehmen in der zuschaltbaren Bildschirmtastatur die Funktionen von Eingabe- und Rücktaste. Das Mini-Keyboard ist nur Attrappe: Wer ein BASIC-Listing eintippen will, muss eine USB-Tastatur anschließen.

Manche C64-Klassiker fehlen

Der C64 Mini bildet die Hardware des Commodore 64 akkurat nach. Dabei gibt er authentisch den Klang des legendären SID-Soundchips wieder und bringt knackscharfe Pixel auf das Display, wobei ein zuschaltbarer Bildzeileneffekt auf Wunsch für Röhrenbildschirm-Optik sorgt. Ein schnörkelloses Menü lässt den Nutzer durch 64 verschiedene lizenzierte Titel schalten.

Unsere Fotostrecke zeigt 20 bekannte C64-Spiele: Per Klick oder Tippen aufs Bild kommen Sie zum jeweils nächsten Spiel.

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Games-Klassiker: Das sind 20 Spiele des C64 Mini

Foto: Stephan Freundorfer

Trotz großer Auswahl fehlen etliche C64-Klassiker, da sich die Macher vornehmlich um die Spiele britischer Publisher wie Hewson, Gremlin oder Thalamus bemüht haben. Als einziges relevantes US-Software-Haus ist Epyx vertreten, was dem Gerät zumindest ein paar Perlen wie "Impossible Mission" oder die Sportspiele der "Games"-Serie verschafft.

Erfreulicherweise ist der C64 Mini ein offenes System. Über einen USB-Stick lässt sich beliebige C64-Software in Form von Disk-Image-Dateien nutzen. Das ist aber alles andere als komfortabel: Zum einen kann sich auf dem Stick nur eine Disk-Datei mit vorgegebenem Namen befinden - wer Multi-Disketten-Spiele nutzen will, muss mit USB-Sticks jonglieren. Ein Firmware-Update soll hier irgendwann Abhilfe schaffen.

Zum anderen sind nur zwei USB-Ports vorhanden, wodurch Controller, Speicherstick und Tastatur nie gleichzeitig mit dem Mini verbunden sein können.

Lohnt sich das?

Die größte Stärke des C64 Mini ist letztlich sein Aussehen: Das Gerät ist eine authentische und hübsche Replika des legendären Commodore-Computers: Wer seine Jugend mit dem Rechner vergeudet hat, darf sich von Nostalgie überwältigen lassen. Auch die Emulation, also die Nachbildung, der C64-Hardware, ist gelungen: Die Spiele sind schnell geladen, Grafik und Sound makellos.

Dafür wurde an anderen Stellen jede Menge Potenzial verschenkt: Der Stick etwa ist steif und kann das Spielgefühl des Vorbilds nicht vermitteln. Zudem ist die Titelauswahl durchwachsen und die Bedienung abseits des Spielemenüs unhandlich. Geduldige Retro-Fans warten daher wohl besser auf die versprochene Veröffentlichung der Version in Originalgröße, die mit einer vollwertigen Tastatur und vermutlich auch einer besseren Firmware ausgestattet werden soll.

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