Toylets: Highscore in der Pinkelpause - DER SPIEGEL
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Toylets Highscore in der Pinkelpause

Wie kann man auch die letzte freie Minute des modernen Mannes sinnvoll nutzen? Die Entwickler des Spielkonsolen-Herstellers Sega haben auf diese Frage eine erstaunliche Antwort gefunden - und testen das Ergebnis in japanischen Herren-Toiletten.
Sega-Pissoir: Die Blase erleichtern und dabei ein bisschen Video-spielen
Sega-Pissoir: Die Blase erleichtern und dabei ein bisschen Video-spielen

Sega-Pissoir: Die Blase erleichtern und dabei ein bisschen Video-spielen

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tokio - Japaner haben ein Herz für skurrile Idee und Erfindungen. Da gibt es Plastik-Pinguine, die den Teebeutel automatisch aus dem Becher heben, wenn das Heißgetränk lange genug gezogen hat. Es gibt iPhones im Speckmantel, auf dem Einrad balancierende Roboter und jetzt will man sogar Mammuts klonen. Und es gibt Hightech-Toiletten mit Funktionen wie einem automatischen Duftzerstäuber oder einer Klobrillenheizung. Diese beiden Leidenschaften hat nun der Videospiel-Hersteller Sega in einem Pissoir zusammengebracht.

An dem modernen Einmann-Urinal soll der Nutzer mit seinem Urinstrahl Spiele spielen können. Noch bis zum Monatsende testet Sega das Pissoir mit eingebauter Spielkonsole, dem das Unternehmen den Namen "Toylet" - eine Mischung aus "Toy", dem englischen Wort für Spiel, und Toilette - gegeben hat. In den Herren-Toiletten von vier Bars und Spielhallen in Tokio wurden die Toylets aufgestellt.

In die Oberflächen der neuartigen Gaming-Pissoirs sind Drucksensoren eingebaut, die auf den Urinstrahl der Benutzer reagieren. Auf einem kleinen Bildschirm, der auf Augenhöhe (für Japaner jedenfalls) eingebaut ist, kann der Spieler sehen, welche Wirkung sein Urinstrahl auf den Spielverlauf hat. Das Experiment soll die Aufmerksamkeit von Werbekunden erregen, eine Kommerzialisierung der Toylet plant Sega nach Angaben eines Unternehmenssprechers nicht.

Getestet werden verschiedene Spiele wie etwa "Graffiti Eraser", bei dem der Nutzer virtuelle Graffiti wegspülen muss. Beim Spiel "Manneken Pis", das nach der weltberühmten Brunnenfigur eines urinierenden Knaben in Brüssel benannt ist, wird das Volumen des kleinen Geschäfts gemessen, ein Spaß für Statistiker. Bei "Splashing Battle" kann ein Pissoir-Benutzer seine Urin-Menge sogar mit der seines Vorgängers vergleichen (wenn der nicht per Fingerdruck pfuscht!). Nicht minder geschmacklos geht es beim Spiel "The North Wind and The Sun and Me" zu, bei dem die Dauer der Pinkelpause bestimmt, wie hoch der Rock eines auf dem Display angezeigten Mädchens nach oben fliegt.

Auch deutsche Wirte wissen solche spielerischen Elemente seit vielen Jahren zu schätzen, weil die spielerische herausforderung die Trefferquote von Trinkern merklich erhöht. Der Kneipen-Klassiker ist das Fußballtor im Urinal, bei dem das pinkelnde Spielkind mit einem von der oberen Latte herabbaumelnden Ball möglichst viele Tore erzielen soll. Gut denkbar, dass die Trefferquote in jeder Hinsicht noch steigen würde, wenn man den Torerfolg am Ende noch digital über dem Pinkler anzeigen würde.

mak/AFP